Spielzeugauto-Tasche für unterwegs – und ein kleiner Einblick in unseren Pflegekind-Alltag

Ihr Lieben,

ich verbringe mit unserem kleinen Pflegesohn viel in Wartezimmern aller möglichen Institutionen. Was diese Wartezimmer im Corona-Jahr alle gemeinsam haben: Es gibt kein Spielzeug. Spielecken sind mit Flatterleine abgesperrt, Bücher und Bausteine weggeräumt. So packen wir immer selbst ein paar Herzensdinge ein, um die Zeit leichter erträglich zu machen, allen voran die heißgeliebten Spielzeugautos. Ich hatte dann irgendwann die Idee, dass wir eine angemessene Tasche für die Autos bräuchten, am besten sogar eine, die vor Ort ebenfalls als Spielzeug dienen kann… Auto-Teppich und Auto-Tasche „in einem“ sozusagen. Und genau das habe ich dann Marke Eigenbau entworfen und genäht – und das zeige ich Euch heute :-) Und zum Stichwort „Wartezimmer“ erzähle ich Euch auch gleich noch was, aber erstmal soll es um die Tasche gehen!

Zuvor habe ich mir allerdings im Netz ein wenig Inspiration gesucht, wo ich zum Beispiel bei der lieben Tante Jana über einen „Autoteppich to go“ gestoßen bin. In diese Richtung sollte auch „unsere“ Tasche gehen, doch wollte ich eine noch etwas größere Fahrbahnfläche; außerdem sollten mehr als „nur“ vier Autos in der Tasche Platz haben (sich nur auf 4 Autos zu beschränken, die mitkommen dürfen, fällt unserem kleinen Sohn schwer…).

Ihr seht, wo ich am Ende herausgekommen bin. Es gibt ein Hauptquadrat, an das ich links und rechts zwei „Flügelseiten“ genäht habe.  Diese klappt man einfach nach innen, bevor man die Tasche wir eine große Rolle zusammenrollt. Geschlossen wird die Tasche mit einem langen Klettverschluss. Die „Parkplätze“ für die Autos sind Laschen aus breitem Gummiband. Hier habe ich mit Autos an der Nähmaschine die optimale Breite der einzelnen Plätze ermittelt. Damit die Autos bequem aus- und einparken können, muss man, wie ich herausgefunden habe, immer einen Zentimeter „Abstand“ lassen – sprich, ein entsprechend langes Stück Gummi abnähen. Sonst passen die Autos nicht nebeneinander.

Rollte man die Tasche vollgepackt zu, kann man sie in der Mitte knicken. Das ist ok, sieht dann aber ein bisschen unförmig aus. Deshalb liegen bei uns immer noch ein paar Verkehrszeichen in der Mitte, die sowieso mit an Bord wären. Die stabilisieren die Tasche nochmal recht angenehm, so bleibt die Rolle eine schöne Rolle. :-) Aber wie gesagt, das muss nicht sein.

Meine Materialien sind übrigens folgende: Außenstoff ist ein Canvas, der Innenstoff ein dünner Baumwollstoff (ich hatte ihn bei Ebay-Kleinanzeigen gekauft, aber diese Stoffe mit Straßen gibt es in gut sortierten Stoffläden); eine Seite habe ich mit H630 verstärkt. Meine Nähschritte waren, zuerst die Außenflügel zu verstürzen, dann auf das Hauptquadrat die Gummiband-Parkplätze und die Klettstreifen anzunähen, dann die Außenflügel anzusteppen, und am Ende das Ganze mit Schrägband einzufassen. Klingt irgendwie ganz einfach, ist aber doch kniffeliger als gedacht, bis alles so passte, wie ich das wollte :-)

Ich muss sagen, dass ich mittlerweile ja schon einige Kleidungs- und sonstige Stücke genäht habe – aber so viel positives Feedback, wie ich auf diese Autotasche bekomme, hatte ich bisher wirklich selten. Begeisterungsstürme bei Erwachsenen wie Kindern :-) Das ist echt toll. Ich freue mich aber vor allem, dass ich mit dieser Spielzeugauto-Tasche einen solchen Volltreffer für unseren Pflegesohn gelandet habe!!

So, und nun Stichwort Wartezimmer. Für Pflegeeltern sind diese Räume auch etwas besonderes, weil es in der Regel Räume sind, in denen man sich eben als Pflegeeltern outen muss. Wir versuchen sonst im Alltag meistens bzw. wo dies möglich ist, unser Familienkonstellation nicht zu thematisieren so nach dem Motto: „Das hier ist unser leiblicher Sohn und das unser Pflegekind.“ Wir wollen, dass unseren beiden Kindern möglichst unbefangen begegnet wird und eben unser Kleiner nicht überall vor allem über das Label „Pflegekind“ abgespeichert wird.

In Arztpraxen geht das aber schon aus rechtlicher Sicht nicht. Denn: Wir als Pflegeeltern haben „nur“ die sogenannte Alltagssorge. Die Gesundheitssorge (ein Teil des Sorgerechts) liegt in unserem Fall beim Jugendamt bzw. der Amtsvormundschaft/Amtspflegschaft. Wir müssen also bei der Anmeldung immer Pflegeausweis und diverse Kopien des Jugendamts vorlegen (am besten in Kopie für die Praxis dabeihaben…), um auszuweisen, dass wir befugt sind, mit unserem Kind zu Ärzt/innen zu gehen oder ihm Medikamente zu verabreichen. Bis das dann alle an der Anmeldung verstanden und sich lautstark darüber ausgetauscht haben, wie man das jetzt stimmig im PC vermerken muss, weiß dann auch das komplette Wartezimmer und das übrige Personal über unsere Konstellation Bescheid (wie groß das Thema „Datenschutz in Arztpraxen“ ist, wurde mir neuerdings nochmal ganz neu bewusst…aber das sprengt jetzt den Rahmen).

In der Folge heißt diese Konstellation, also dass die Gesundheitssorge als Teil des Sorgerechts beim Jugendamt liegt, für uns Pflegeeltern übrigens auch: „Größere Geschichten“ wie Medikamentengaben jenseits von Hustensaft und Nasentropfen oder die Aufnahme von Therapien aller Art muss zuvor die Amtsvormundschaft genehmigen. Wo die Alltagssorge beginnt und endet – da gibt es schon Rechtsprechungen aber auch Auslegungen und natürlich Wünsche und Vorlieben der einzelnen Jugendämter. Im Zweifel müssen wir immer den Schritt über die Rücksprache gehen. Das macht die Abläufe nicht schneller, aber es geht nicht anders und dient am Ende natürlich vor allem unserem kleinen Schatz, dem nun endlich all das zu Gute kommen soll, was er braucht, um seine ersten drei Lebensjahre verdauen zu können.

Ihr merkt: Mit Pflegekind ist alles ein bisschen komplizierter. Aber zum Glück gibt es bei uns jetzt eine Spielzeugauto-Tasche, mit der der kleine Mann sich schon mal ablenken kann, bis ich an der Anmeldung alle Unklarheiten beseitigt habe :-)

Würde Euch ein Tutorial für die Spielzeugauto-Tasche interessieren? Falls ja, lasst es mich gerne wissen!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Linked @: Menschen(s)kinder,  Creative LoverHandmade on Tuesday, Dings vom Dienstag , Taschen-Party


14 Gedanken zu “Spielzeugauto-Tasche für unterwegs – und ein kleiner Einblick in unseren Pflegekind-Alltag

  1. Liebe Karin,
    ich finde den Spielteppich to go maga gigantisch :0) vor nicht allzu langer zeit habe ich fast nur sachen für kinder genäht, auch solche Mitnehmteppiche. Aber deiner ist wirklich genial geworden, mit richtig viel platz für die heissgeliebten Autos und sogar Ampeln! ich bin ganz begeistert :0) Schön das ihr keinen Unterschied zwischen eigenen und Pflegekindern macht. Die Bürokratie ist leider sehr hoch und auch der Datenschutz ist manchmal mehr unsinnig als sinnig. Aber mit der tollen Autotasche lässt sich so mancher Arztbesuch besser überstehen. wirklich toll! Ich wünsche Euch alles Liebe und weiterhin viel Kraft…ganz LG aus Dänemark und eine dicke umarmung, Ulrike :0)

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  2. Servus Karin!
    Danke, dass du mit der grenzgenialen Autotasche beim DvD dabei bist! Damit hilfst du dem Kleinen bestimmt über die langen Wartezeiten super hinweg. Ich wünsche euch trotz aller Schwierigkeiten (oder gerade deshalb) alles erdenklich Gute! Liebe Grüße
    ELFi

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  3. Liebe Karin,
    ich erinnere mich auch noch gerne an die Zeiten, als meine Kinder überall Autos drin stecken hatten. Dein Auto-Teppich ist sehr genial und hilft hoffentlich noch lange über alle Wartereien hinweg. Hätte ich auch mal nähen sollen….
    Liebe Grüße
    Ines

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  4. Liebe Karin,
    diese Auto-Rolle steht für so vieles, das euer kleiner Sohn bei euch bekommt und erlebt. Ich finde sie rührend und cool zugleich. Und ja, ich hätte supergern ein Tutorial. Wir sind zwar glücklicherweise kaum in Wartezimmern, aber die Rolle ist ein Allround-Talent, denke ich.
    Ich freue mich für dich, dass dein Projekt am Ende so gut geklappt hat und so viel Begeisterung erntet, und für ihn, dass sie ihm Langeweile beim Warten erspart.
    Die mühsamen Situationen bei Ärzten hatte ich mir tatsächlich nicht bewusst gemacht, auch wenn ich das geteilte-Sorge-Thema schon mehrfach gelesen hatte. Puh!
    Ihr macht das so toll!
    Viele liebe Grüße
    Meike

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      1. Ach schön, auf das Tutorial freue ich mich! Nee, und für mich müsste das auch eine Auto-Rolle sein. Für Tonies und anderes Spielzeug gibt es genug Ideen. Ich finde gerade die Auto-Parkplätze so super.
        Liebe Grüße!

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  5. Auch, wenn ich aktuell noch kein Auto-bespielendes-Kind im Umfeld habe, wird es sicherlich irgendwann soweit sein, und dann würde ich mich sehr über ein Tutorial für diese tolle Tasche freuen! Ich kenne noch eine ähnliche Tasche von Lotte&Ludwig, aber die ist sicherlich weniger handlich, dafür eben universell für alles Spielzeug.
    Ich finde die Idee jedenfalls super, auch abseits von Corona, so einfach ein wenig Spielzeug für unterwegs einpacken zu können.
    Den juristischen Hick.-Hack kenne ich von der Arbeit, da habe ich auch öfter mit Pflegekindern oder fremd untergebrachten Kindern zu tun. Ihr gewöhnt euch bestimmt an die Abläufe, und irgendwann ist klarer, was wie entschieden werden darf. Insgesamt klingt es aber, als ob ihr das Beste daraus macht und euch davon nicht abschrecken lasst, was ja sehr schade wäre. Alles Liebe, Julia

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    1. Liebe Julia, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Dann versuche ich mal, ein Tutorial zu erstellen :-) Danke auch für den Tipp für die Tasche von Lotte& Ludwig, die kenne ich noch nicht und werde mal schauen gehen! Und: Ja, wir lassen uns von dem bürokratischen Wahnsinn nicht abschrecken, aber es ist doch mehr und zeitintensiver, das alles zu managen, als wir dachten. Aber wir bleiben zuversichtlich :-) Danke Dir und liebe Grüße! Karin

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  6. Hach ja… Mir wäre lieber, ich würde mich nicht so gut in deinem Text wiederfinden, wir ich’s leider tue. Vor allem in solchen Situationen wird einem doch immer wieder deutlich, dass Pflegefamilie und Familie für viele eben doch nicht das Gleiche ist. Viele zusätzliche Termine, sei es Jugendamt, Vormundschaft, Ärzte:innenbesuche, etc. zeigen immer wieder die ‚Besonderheit‘ und über den Datenschutz in solchen Räumen könnte ich auch lange reden. Da gibt es auch ein deutliches Missverhältnis zwischen Eltern- und Kinderrecht… Aber ich möchte jetzt nicht zu weit ausschweifen. Die Tasche ist toll und ich würde mich über eine Anleitung riesig freuen. Die Hummel entdeckt auch gerade Autos für sich und wird zu Weihnachten einen Autoteppich bekommen. Liebe Grüße :)

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  7. Datenschutz in Arztpraxen – davon kann ich auch ein Lied singen… Dabei verdienen gerade Gesundheitsdaten besonderen Schutz, weil sie ja als „sensibel“ eingestuft werden. Aber wenn die Sprechstundenhilfe beim Allgemeinarzt dem schwerhörigen Herrn vor mit drei mal lautstark etwas erklärt, weiß auch das ganze restliche Wartezimmer, was ihm fehlt. Viele Arztpraxen haben noch nicht verstanden, dass sie bauliche Maßnahmen treffen müssten, um die Privatsphäre der Patient/innen – besonders bei der Anmeldung! – zu gewährleisten. Ich spreche es in letzter Zeit regelmäßig an, wenn es mir auffällt.
    Deine Autotasche ist klasse! Ich habe gerade niemand, um ihn oder sie damit zu benähen, aber wenn Du ein Tutorial schreibst, gibt es ganz sicher ganz viele begeisterte Abnehmer/innen! Liebe Grüße, Gabi

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