Partner-Shirts für Brüder und Puppe und Puppenspiel als Kommunikationsweg

Die 3 Brüder-Shirts in voller Schönheit

Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch wieder ein bisschen aus unserem Leben als (Regenbogen-)Pflegefamilie erzählen und Euch bei der Gelegenheit auch ein paar Sachen zeigen, die ich genäht habe. U. a. gibt es heute „Brüder-Shirts“ zu zeigen, die ich aber gewissermaßen für drei Kinder genäht habe: Unsere beiden Söhne und den Puppensohn 😊 Außerdem gibt es noch ein bisschen „Puppenspielausrüstung“ – das Puppenspiel hat sich nämlich bei uns völlig überraschend als tolle Kommunikationsmöglichkeit ergeben.

Das Thema „Puppe“ bzw. „Puppenspiel“ war für mich totales Neuland. Unser Großer war noch nie ein großer „Rollenspieler“. Doch unser Pflegesohn hat uns schon recht früh nach seinem Einzug gezeigt, dass er diese abstrakte Ebene gern und mit viel Freude für sich nutzt. Er selbst besaß zum Zeitpunkt seines Einzugs kaum Kuscheltiere oder eine Puppe (das hat sich mittlerweile DEUTLICH geändert….), aber unser großer Sohn verfügte über eine illustre Sammlung an Kuscheltieren und Gefährten aller Größen, so dass sich hier für den kleinen Sohn – für uns erstmal unbemerkt – plötzlich „eine große Bühne der Möglichkeiten“ ergab.

Hier ein Brudershirt am „Großen“, die hellgrünen Bündchen lockern etwas auf, finde ich…

Und dann ging es also los. Viele Szenen waren einfach nur „lustiges Spielen“, bei dem wir natürlich alle mit viel Spaß eingestiegen sind, Quatsch gemacht haben und in allen möglichen Alltagssituationen die Spielgesellen aus Stoff und Plüsch mit eingebunden haben. Zähneputzen, Anschnallen im Auto, Fahrrad fahren…immer hatten wir weiche Begleiterinnen und Begleiter.

Aber auf einmal mischten sich ernste Szenen in das Spiel. Unser Kleiner spielte tatsächlich immer öfter „Szenen“ aus seinem bisherigen Leben nach. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, war und ist es für uns sehr bewegend zu sehen, wie er Dinge erlebt und abgespeichert hat, und das er zu uns ein solches Vertrauen aufgebaut hatte, uns das zu zeigen. Sprachlich ist das für einen gerade Dreijährigen ja sehr schwierig, über Situationen aus der Vergangenheit zu sprechen, einer Zeit, wo er tatsächlich auch noch keine Sprache hatte! Es fehlen einfach drei Jahre gemeinsames Leben, wir müssen so viel nachholen! Das Puppenspiel entpuppte (!) sich hier als eine sehr hilfreiche Möglichkeit der Kommunikation, und zwar in beide Richtungen – das hat uns total überrascht.

Krümel in Auto-Shirt und stolz in seinem Puppenbett

So ist dann recht schnell auch noch eine tatsächliche Puppe bei uns eingezogen, „Krümel“ (Hersteller Fa. Jako-O – wie alles hier selbst gekauft), eine Unisex-Stoffpuppe. Für Krümel gibt es viel Kleidung und Zubehör zu kaufen, auch bei unserem war schon einiges dabei. Aber da sich beiden Söhne zum Zeitpunkt des Einzugs Shirts aus einem bestimmten Stoff wünschten (Rennautos, die von Hunden gefahren werden…finden beide zum Piepen komisch. Der eine wegen der Hunde, der andere wegen der Autos… ), ist natürlich auch für Krümel ein entsprechendes Shirt entstanden. Ich war gespannt, ob unser Pflegesohn dies gut finden würde – oder nicht. Und seine Begeisterung liegt bis heute irgendwo dazwischen…

Das Verhältnis zu Krümel eben speziell. Er ist kein „treuer Begleiter“, der überall mit hingeschleppt wird. Das Verhältnis ist liebevoll, aber distanziert. Er ist eher ein Freund, der auch mal viel Unmut abkriegt, in die Schublade gesperrt wird, aber dann wieder ganz hoch im Kurs ist. Das Spiel mit ihm ist eine Brücke zwischen unserem Pflegesohn und uns; irgendwie mehr „Medium“ (bzw. aus Erwachsenensicht „pädagogisches Arbeitsmittel“). Dazu haben wir ihn natürlich auch ein Stück weit gemacht, als wir merkten, was hier für Möglichkeiten schlummern.

Das ist Krümel in der Badewanne, ausnahmsweise vorne ausgeklappt, damit die Näherinnen sehen, wo der Klettverschluss hin muss :-)

So haben wir u. a. für zwei Felder, in denen wir seit Einzug um gute Wege ringen, Krümel in das Erarbeiten von Lösungen fest eingebunden: Einmal das Thema Schlafen, und einmal das Thema (Haare) Waschen. So haben wir für Krümel ein Puppenbett (vom Möbelschweden) besorgt, wofür ich Bettzeug und Matratze nähte.

Und dann haben wir noch eine „Spielbadewanne“ mit Handbrause aus Stoff besorgt. Diese ist zwar nicht selbst genäht (sondern ebenfalls von Jako-O), aber ich finde sie so klasse, dass ich sie hier kurz zeigen will. Sie wäre nämlich nicht schwer nachzunähen. Die Seitenwände werden mit Klett geschlossen, ansonsten ist sie aus einem Nylonstoff, der mit einem festeren Vlies verstärkt ist. Die Handbrause wird ebenfalls mit Klett an der Badewanne befestigt. Krümel musste schon verdammt viel baden und sehr oft Haare waschen. Aber in gerade diesem Feld wären wir ohne Krümel nur halb so weit…da hat er bzw. das Puppenspiel uns wahnsinnig geholfen.

Vom vielen Waschen und Spielen ist Krümel abends ganz schön fertig :-)

Wir hoffen, dass sich unser Pflegesohn diese unglaubliche Ressource, sich über das Spiel positive Wege zu erarbeiten, erhalten kann. Und wenn ich ihn dabei auch nähend unterstützen kann, werde ich das tun. Aber wie und was – das bestimmt nur er. Jeder Tag ist für uns ein neues (Spiel-)Abenteuer.

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

  • Schnitt für die Puppenkleidung nach Mama hoch 2
  • Schnitt für die Shirts aus „Jersey nähen – Kinderleicht“
  • Bettbezüge und Matratze: eigene Kreativleistung :-) Innenleben: dünne Schaumstoffschichten bzw. Füllwatte

Verlinkt zu Menschen(s)kinder bei Kleine Stöpsel,  Creative LoverHandmade on Tuesdaycreadienstag und Dings vom Dienstag


3 Gedanken zu “Partner-Shirts für Brüder und Puppe und Puppenspiel als Kommunikationsweg

  1. Servus Karin!
    Ich finde die Brüdershirts und das Shirt für Krümel genial! Ganz toll finde ich, dass sich euer Pflegesohn über die Puppe mitteilen kann und ich hoffe und wünsche mir für ihn, dass er die offenbar schlimmen Erlebnisse seines noch so jungen Lebens damit oder dadurch verarbeitet bekommt! Danke fürs Erzählen und Zeigen beim DvD, alles Gute weiterhin und liebe Grüße!
    ELFi

    Gefällt 1 Person

  2. Hach Karin, ihr macht das so toll!
    Wie souverän auch von eurem Großen, dass er seine Sammlung an Begleitern für den neuen Bruder „greifbar“ gemacht hat.
    Ich wäre auch ganz gespannt gewesen, ob über das Puppenbruder-Shirt begeisterter Jubel ausbricht. Aber selbst wenn nicht: Die Erinnerung daran, dass sogar Krümel ein Bruder-Oberteil hatte, bleibt. Und diese kleinen Erinnerungsbilder werden irgendwann so wertvoll sein, auch wenn das erst in zwanzig oder dreißig Jahren ist.
    Ich wünsche dir weiter regelmäßige kurze Näh-Momente für die Psychohygiene!

    Viele liebe Grüße
    Meike

    Gefällt 1 Person

  3. Tolle Pullis, die anders farbigen Bündchen garantieren das jeder seinen Pulli gleich erkennt.
    Ich finde es so schön das ihr einen Weg gefunden hab mit einander zu sprechen denn oft bleiben solche frühen Erfahrungen verschüttet und sorgen später für Probleme.
    Liebe Grüße, Marita

    Gefällt 1 Person

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