Ein Schnitt, 3 Shirts und 3 verschiedene Kragenvarianten (mit Mini-Tutorial)

Ihr Lieben,

Ihr könnt Euch wahrscheinlich kaum vorstellen, wie sehr ich mich freue, heute ENDLICH mal wieder beim MMM mit von der Partie zu sein. Das bedeutet mir viel, Stichworte „eigene Bedürfnisse“, „Psychohygiene“ und sowas. Dazu gleich nochmal mehr.

Aber erstmal und hauptsächlich möchte ich Euch meine drei neuen Sommershirts zeigen, die zwar alle nach dem gleichen Schnitt gefertigt sind – dem Kimono Tee von Maria Denmark -, die jedoch alle 3 eine unterschiedliche „Kragenverarbeitung“ haben. Ich lese solche „Gegenüberstellungen“ bei anderen Bloggerinnen immer sehr gerne, weil ich es immer wieder erstaunlich finde, wie unterschiedlich Kleidungsstücke wirken, wenn man eine „Kleinigkeit“ verändert. Ich fand mein Mini-Experiment ziemlich erkenntnisreich – vielleicht gefällt es Euch ja auch.

Ich brauchte DRINGEND Shirts und habe mir deshalb in einem günstigen Moment gleich mal 3 Kimono-Tees zugeschnitten. Das Kimono-Tee ist ja in der Nähszene bekannt wie ein „bunter Hund“ und auch ich habe es schon oft für mich genäht. Ich mag den Schnitt an mir und er ist durch die angeschnittenen Ärmel verdammt unkompliziert, insbesondere bei knapper Nähzeit :-) Ich selbst verlängere die Ärmel immer um ca. 2 cm und füge ein 2-3 cm breites Bündchen (aus Bündchen- oder Jerseystoff) an, um das Ärmel-Arm-Verhältnis etwas zu optimieren… Am Saum füge ich ebenfalls gern Bündchen an oder wähle die „Bündchen-für-Faule“-Methode.

Der Schnitt an sich sieht eine klassische Bündchenverarbeitung am Kragen vor: also ein Streifen aus Bündchen- oder Jerseystoff doppelt gelegt und mit einem dehnbaren Stich an die Halsöffnung genäht. Diese Methode ist nicht umsonst ein Klassiker, sie geht flott und ist haltbar; es bleibt jedoch innen immer eine recht breite (Overlock-)Naht sicht-, und für sensible Geister auch spürbar.

Eine Alternative dazu ist, dass man den Kragen mit einem Jersey- oder Bündchenstreifen einfasst; dies kann man entweder sichtbar machen – also so, dass man den Streifen sieht – oder eben unsichtbar. Beide Varianten haben den Vorteil, dass die Nahtzugabe im Stoff „verschwindet“ – und die Ergebnisse sehen sehr sauber aus.

Hierfür geht man wie folgt vor (ich habe mal versucht, das mit den Bildern etwas verständlicher zu machen…):

Zuerst wird ein ca. 3-4 cm breiter Stoffstreifen zum Kreis geschlossen und rechts auf rechts an den Kragen genäht.

Dann wird der Stoffstreifen nach innen umgeschlagen.

Bei der sichtbaren Variante bis zur Nahtzugabe…

….bei der unsichtbaren über die Nahtzugabe:

 

Dann wird der Streifen ein zweites Mal eingeschlagen:

Bei der sichtbaren Variante über die Nahtzugabe…

bei der unsichtbaren Variante „komplett“ nach innen, also dass man von der Außenseite eben nichts mehr vom Streifen erkennen kann:

Dann mit vielen Klammern feststecken (hier die unsichtbare Variante im Bild):

und von außen absteppen (ich mache das mit dem Obertransportfuß und Nahtlänge 2,8).

Hier aber endlich, nach dem langen Theorieteil, die Ergebnisse:

Shirt 1:

Shirt 1 ist aus einem blauen Baumwoll-Jersey mit Hexagon-Muster. Der Stoff stammt aus einer Wühlkiste in einem kleinen Nähladen und hat, wenn ich mich richtig erinnere, 7 Euro gekostet.
Hier habe ich die klassische Kragenverarbeitung gemacht. Der Kragen ist dadurch deutlich „höher“ als bei den anderen beiden Shirts, und natürlich deutlich sichtbar. In diesem Fall (da aus wenig dehnbarem Jersey) schlabbert er auch etwas.

Shirt 2:

Shirt 2 ist ebenfalls ein etwas festerer Baumwoll-Jersey, dunkelblau mit Punkten in Petrol, und stammt aus der virtuellen Wühlkiste von „Alles für Selbermacher“. Hier habe ich die Kragenvariante „sichtbar eingefasst“ gewählt. Man sieht also den Einfassstreifen etwa 0,5 cm breit und der Kragen ist fühlbar ein wenig „dicker“.

Shirt 3:

Shirt 3 ist, oh Wunder, ebenfalls Baumwoll-Jersey, diesmal bio und von Lillestoff und der Stoff schon einige Zeit in meinem Besitz (eigentlich für den großen Sohn gekauft, der ihn jedoch verschmähte…“Use, what you have“ war bei allen drei Shirts meine Devise.). Hier ist also die Kragenvariante „unsichtbar eingefasst“. Dadurch ist der Ausschnitt deutlich größer als bei Shirt 1, es geht, finde ich, fast in Richtung U-Boot-Ausschnitt. Man sieht vom Einfassstreifen gar nichts, eben nur die Absteppnaht.

Varianten 2 und 3 sehen deutlich eleganter aus als bei Nummer 1, finde ich. Und ich liebe es, keine Ovi-Naht im Nacken zu spüren. Mein Favorit ist „sichtbar eingefasst“, also das Punkte-Shirt, diese Art finde ich optisch toll. Das werde ich sicher noch öfter machen.
Nichts desto trotz mag ich alle meine 3 „neuen“ Shirts gerne und trage sie viel.

Und nun auch zum „Me-Made-Mittwoch“! Durch die Aufnahme unseres Pflegekindes im März stand mein Leben in den letzten Monaten (und tut es bis heute) sehr auf dem Kopf. Von außen bekommen meine Frau und ich immer den Tipp, unbedingt auf unsere „Psychohygiene“ zu achten, um in diesen gerade tobenden Wirbelsturm zwischen Jugendamt, Amtsvormundschaft, leiblichen Eltern, diversen Arztpraxen, Beratungsstellen und vor allem den Bedürfnissen unseres kleinen Pflegesohns nicht unterzugehen. Das ist leichter gesagt als getan.
Zu Nähen, aber auch zu Bloggen sind für mich hier ganz klar Kraftquellen – das wurde mir um so deutlicher, als ich damit einige Monate pausieren musste. Und der MMM ist einer meiner „inneren Ziele“, um mich hier selbst bei der Stange zu halten!! Also, liebes MMM-Team, danke für die Organisation und das Ihr für meine Psychohygiene sorgt! :-)

Und ich freue mich darauf, zu schauen, was es heute noch so alles zu sehen gibt. Ja, auch dafür will ich mir Zeit nehmen! Denn mit Euch im Kontakt zu sein, ist ebenfalls unendlich wertvoll für mich.

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Linked @: Me Made Mittwoch


16 Gedanken zu “Ein Schnitt, 3 Shirts und 3 verschiedene Kragenvarianten (mit Mini-Tutorial)

  1. Deine Beschreibung kommt wie gerufen! Ich habe das Kimono Tee vor kurzem zum ersten Mal genäht (und zeige es heute auch) und habe mir schon über Kragenlösungen für das nächste Exemplar Gedanken gemacht. Ich habe die Variante Bündchen genäht und finde damit den Ausschnitt rein optisch fast etwas klein. Nächstes Mal werde ich die Nahtzugabe wohl einfach nur umklappen und festnähen, oder so wie du zeigst, mit einem Stoffstreifen unsichtbar einfassen.
    Deine T-Shirts stehen dir alle gut, kein Wunder, dass du den Schnitt so gerne nähst.
    Liebe Grüße Christiane

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    1. Liebe Christiane, vielen Dank für die liebe Rückmeldung, wie schön, wenn Dir mein Beitrag ein kleines Stück weiterhelfen konnte :-) Ja, und mir geht es auch so, dass ich den Kragen mit Bündchen fast etwas eng / klein finde, seit ich die anderen Kragenvarianten kenne… Liebe Grüße! Karin

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  2. Das Kimono-Tee ist auch einer meiner Favoriten und ich habe auch schon mit verschiedenen Ausschnitten herum experimentiert. Das ist ja das Schöne an diesem simplen Schnitt, er lässt viel Spielraum für die eigene Kreativität. Deine Shirts sind alle drei toll, ich mag am liebsten Nr.3, der Stoff ist so schön …
    Liebe Grüße von Doro

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Karin, wie es der Zufall will, liegt seit zwei Wochen der Ausdruck des Kimono-Tee-Schnitts auf meinem Schreibtisch, weil mir das beim Juli-MMM jemand zum Ausprobieren empfohlen hat. Ich wollte eigentlich mit dem Einfasser der Covermaschine loslegen, aber die unsichtbare Einfassung finde ich spontan mega-gut. Die hab ich tatsächlich noch nie gesehen, und ich guck mir ja auch vieles an. Ja, „use what you have“ wird es bei mir auch werden. Ich bestelle seit Monaten Stoff und nähe kaum.
    Ich finde total super, dass du in deinen 30-Minuten-Nähpausen auch an dich gedacht hast und nicht nur Trotzköpfe oder Kindersachen nähst. Das machst du gut!
    Ich mag das Shirt mit den Fischen am liebsten, aber mir gefallen alle drei Stoffe gut an dir.

    Viele liebe Grüße!
    Meike

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    1. Meine liebe Meike, vielen Dank für deine lieben Worte! Wie witzig, dass bei dir auch gerade ein Kimono-Tee bereit liegt. Ich kann mir den Schnitt voll gut an Dir vorstellen, auch deshalb, weil wir ja beide ein „breites Kreuz“ haben und der Schnitt irgendwie auch an breiten Schultern funktioniert… Und ja, dass es hier nicht nur Troztkopf-Shirts gibt, das musste ich mir fett ins Hausaufgabenheft schreiben. Ich versuche, dran zu bleiben :-) Herzliche Grüße und ich freu mich schon auf Dein Kimono-Ergebnis!! Karin

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Karin,
    wie schön, wieder mehr von Dir zu lesen! Ich kann mir vorstellen, wie Ihr gefordert seid und daher ist die Achtung auf die eigenen Bedürfnisse sehr wichtig.
    Basic-T-Shirts könnte ich auch einen ganzen Stapel brauchen, allein es fehlt der berühmte Tritt und ein wenig mehr Zeit.
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Liebe Ines, vielen Dank für deine lieben Worte! Ich freu mich sehr über Dein Feedback – und ich glaube, du mit deinen vier Söhnen kannst sicher auch ein Lied davon singen, wie schwer es manchmal ist, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und dann auch entsprechend für sich zu sorgen. Sicher kommt bei Dir auch der Moment fürs nächste Basic-Shirt…auf einmal ist er da! Ich freu mich schon drauf, es wird sicher wieder perfekt! Liebe Grüße!! Karin

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  5. Ja, es sind oftmals nur kleine Änderungen, die den entscheidenden Unterschied machen.
    Ich entscheide immer spontan beim Nähen, Wie ich den Shirtauschnitt gestalte; mit Bündchen für mich die sportliche Variante, ohne gerne bei Musterstoffen,.
    Jeden Fall sehr hübsch, deine Shirts.

    Dir viel Kraft und Geduld für euer Pflegen und
    LG von Susanne

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    1. Liebe Susanne, vielen dank für deinen lieben Kommentar! Deinen Gedanken, bei Musterstoffen ohne Bündchen zu arbeiten, muss ich mir gleich hinter die Ohren schreiben, von der Seite habe ich das noch gar nicht gesehen. Danke auch sehr für Deine lieben Wünsche! Herzliche Grüße! Karin

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  6. Shirts gehen immer und wenn frau einen Lieblingsschnitt hat umso besser, dann sind an einem Nähabend auch gleich ein bis zwei Teile fertig. Durch die Stoffe sieht jedes Shirt anders aus und immer wieder verblüffend wie kleine Änderungen am Ausschnitt gleich die gesamte Optik beeinflussen. LG Kuestensocke

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  7. moin liebe karin :0)
    so schöne shirts und das mit den krägen hast du super verklickert… ich mag shirt no. 3 am liebsten…die variante sichtbar eingefasst gefällt mir so auch am besten. ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

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  8. Eine schöne gegenüberstellung! Bei festem weniger elastischem Stoff stehen bei mir die Bündchen oft ab. Ich wähle inzwischen am liebsten die Art des Ausschnittes, die du bei dem dritten Shirt verwendet hast… Das gefällt mir übrigens auch am besten. Viel Kraft und ein gutes Gespühr für das richtige Maß an Bedürfnissausgleich wünsche ich euch, ich kenne das auch! LG Sarah

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