Ein Strickpulli mit Zöpfen in orange – Tipps für das Nähen von Strickstoffen

Der genähte Zopf-Strick-Pulli in voller Schönheit

Ihr Lieben,

in unserem Freundeskreis gibt es ein ganz tolles, 9jähriges Mädchen. Sie ist gesundheitlich ziemlich gebeutelt, daher sehr dünn und filigran. Deshalb hat sie immer Schwierigkeiten, passende Klamotten zu finden. Bei unserem letzten Treffen beschwerte sie sich bei mir dann aber auch noch über ein ganz spezielles Klamotten-Problem, nämlich, dass es einfach gar keine Pullover in orange gäbe. Orange sei ihre absolute Lieblingsfarbe, aber scheinbar gerade out.
Ihr könnt Euch wahrscheinlich vorstellen, wie die Geschichte weiterging: Ich holte mein Smartphone heraus, öffnete den Webshop eines Online-Stoffhändlers – und wir sichteten gemeinsam orangefarbene Stoffe für Pullover.
Allerdings war ich dann doch überrascht, auf welchen Stoff die Wahl der jungen Dame fiel: Und zwar auf den „Knitty Plait 2 / Check Point“ von Hamburger Liebe. Ein recht schwerer Strickstoff mit Zöpfchenmuster. Wunderschön, aber mein Gedanke war beim ersten Anblick: „Hoffentlich kriege ich das nähtechnisch hin….“ Aber, wer sich einmal aus dem Fenster lehnt, und orangene Pullis in Aussicht stellt, muss dann auch zu seinem Wort stehen…
Also: Der Stoff wurde umgehend bestellt.
Ich habe mich dann eingelesen, wie man denn diese Art von Strickstoffen am besten beherrscht.  Im Netz findet man viele Tipps zur Verarbeitung von Strickstoffen aller Varianten: Vom Verstärken der Nahtkanten bis zum Verwenden von Fransenstopp – nicht alle Tipps erschien mir hier plausibel.
Aber die, die mir logisch erschienen, habe ich mir notiert, und habe mich dann erstmal mit Zettel und Probestück zum Üben an die Overlook-Maschine gesetzt.
Die violetten Bündchen harmonieren sehr gut mit dem orangenen Strickstoff

Und das ist gleich der erste Tipp: Die Overlock-Maschine ist bei Strickstoffen klar das Mittel der Wahl, weil die Nähte sich mit dem sehr beweglichen Stoff „mitbewegen“ und außerdem ein intensives Versäubern der Schnittkanten unabdingbar ist. Der Stoff löst sich sonst schneller in seine Fäden auf, als man schauen kann…

Und der zweite Tipp ist: Erstmal viele Probenähte nähen und die Einstellungen dem Material anpassen. Ich habe mit folgenden Einstellungen sehr schöne Nähte erzielt:
  • Ich habe den Nähfußdruck an meiner Ovi auf kleinste Stufe gestellt (bis dahin war mir überhaupt nicht präsent, dass ich diesen an der Ovi einstellen könnte).
  • Ich habe den Differentialtransport angezogen, also den werkseitig vorgegebenen Standardwert 1 auf 1,5 erhöht.
  • Ich habe die Stichlänge vergrößert.
Ich war baff, was diese Veränderungen der Einstellungen, vor allem im Zusammenspiel, bewirkten. Plötzlich sahen die Nähte toll aus, nichts war mehr wellig, und die Ovi-Schlaufen waren groß genug, sich sauber um die Kanten zu legen.
Und die Einsicht war verblüffend: Als die Einstellungen an der Ovi mal gefunden waren, war das Nähen dieses schwierigen Strickstoffs plötzlich kein Hexenwerk mehr.
Was ich jedoch auch gemacht habe, und das wäre mein letzter Tipp: Ich habe jede Naht direkt nach dem Nähen intensiv gedämpft, also mit viel Dampf gebügelt. Das ließ dann auch letzte kleine Wellen verschwinden.
Was ich übrigens nicht gemacht habe, ist, die Quernähte, also z.B. an den Schultern, zu verstärken. Bei einem Erwachsenenpulli mit entsprechendem Gewicht hätte ich das aber wahrscheinlich doch gemacht, bei einem Kinderpullover fand ich es entbehrlich.
Was ich ebenfalls nicht gewagt habe, ist, den Strickstoff auch für Arm- und Saumbündchen zu nähen. Das war mir zu heiß. Deshalb hab ich mich dafür für einen „klassischen Bündchenstoff“ entschieden, und violett gefiel mir hier außerordenlicht gut.
Sind die richtigen Einstellungen an der Ovi gefunden, läuft das Vernähen des Strickstoffs wie am Schnürchen!

Zum Schnitt möchte ich sagen, dass es sich dabei um den Kinderpullover von Pauline Dohmen aus „Nähen mit Jersey Klimperklein“ handelt, jedoch in Gr. 128 in der Weite und Gr. 140 in der Länge. Ich hoffte, damit die filigrane Körperstruktur einigermaßen zu treffen.

Das Mädchen hat sich am Ende so dermaßen unglaublich über den Pullover gefreut… sie war kaum zu bändigen! Der Pulli war zwar trotzdem sehr weit…aber das spielte ehrlicherweise keine Rolle. Der orangene Pulli ist sofort zum Lieblingsteil aufgestiegen!
Jede Minute Arbeit und Gehirnschmalz hat sich für diese Freude gelohnt. Und an Nähwissen dazugelernt habe ich durch dieses Projekt auch noch sehr viel…also alles perfekt.
„Nähen ist wie zaubern können“ – beim Verschenken dieses Pullis in Wunschfarbe und Wunschstoff hatte ich tatsächlich wieder einen genau solchen zauberhaften Moment. Nähen ist einfach das schönste Hobby der Welt! Auch mit Strickstoffen! Und vielleicht helfen Euch ja meine Tipps beim nächsten Näh-Strickpulli ein bisschen weiter!
Ach ja, und bevor ich es noch vergesse: Ihr seid nach wie vor herzlich eingeladen zur Oster-Aktion „Herzlichen Schnittwunsch“ – alles dazu findet Ihr hier!
Alles Liebe wünscht Euch
Karin

 


3 Gedanken zu “Ein Strickpulli mit Zöpfen in orange – Tipps für das Nähen von Strickstoffen

  1. Hach, Karin, das ist ja super – ich habe EXAKT diesen Stoff in Grün zu Hause bereitliegen und gestern das Schnittmuster dazu ausgeschnitten. Jetzt kann ich mir schon mal eine Menge Frust sparen und setze deine Tipps um. Danke! Mit den Schulternähten beschäftige ich mich auch noch mal…
    Liebe Grüße,
    Meike

    Gefällt 1 Person

  2. Das sind ein paar tolle Tipps, die werde ich mir gleich mal merken für ein eventuelles Nähen mit der Overlock. Danke dafür!
    Der entstandene Pullover ist echt schön geworden, kein Wunder, dass die kleine Dame sich darüber so gefreut hat. Ich hoffe, sie hat lange Freude an ihrem Schmuckstück.

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  3. Hallo Karin, „nähen ist wie zaubern können“ – was für ein wahrer und schöner Spruch! Da wächst man sogar über sich hinaus wie du bei diesem bezaubernden orangen Pulli zeigst. Wie schön, dass du dem Mädchen diese große Freude gemacht hast.
    LG eSTe

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