Menschen(s)kinder im Dezember und ein Wort zu Lernmaterialien aus der Geschlechterschublade

Der Fensterstern ist trotz Weihnachtsanzug während des Fotografierens abgestürzt :-)

Ihr Lieben,

heute ist tatsächlich der 1. Advent! Und Menschen(s)kinder geht in die letzte Runde des Jahres 2019! Natürlich machen wir nächstes Jahr weiter – ich hoffe, Ihr seid auch wieder zahlreich dabei! Im November haben u.a. folgende Bloggerinnen wieder ganz wundervolle Beispiele für Unisex-Kleidung und -Accessoires gezeigt:

Vielen Dank Euch und allen anderen für jeden einzelnen Beitrag!

Ich zeige Euch heute zum Auftakt des Weihnachtsmonats einen weihnachtlichen ‚Hausanzug‘ (er fungiert am Wochenende auch gern als 24-Stunden-Kleidung…), den ich vor kurzem für unseren Sohn genäht habe. Unser Junior ist, genau wie die andere Mama, ein totaler Weihnachtsfan – weshalb er sich mega über die Stoffauswahl gefreut hat. Der Stoff, ein French Terry, ist aus der virtuellen Wühlkiste von ‚Alles für Selbermacher‘ und war im Frühsommer ein echtes Schnäppchen. Insofern freut sich hier also auch der Sparstrumpf des Grinchs in der Familie (also meiner) :-).
Die Schnitte sind übrigens ein ‚Robin Hoodie‘ von Fabelwald ohne Kapuze sowie die Hose aus dem ersten Klimperklein-Buch ‚Nähen mir Jersey – Kinderleicht!‘.

Der „Am-Wochenende-rund-um-die-Uhr-Anzug…

Gerne schreibe ich ja an dieser Stelle über Situationen oder Beobachtungen aus unserem Alltag, in denen mir auffällt, wie sehr und ohne Not die Geschlechterstereotype zum Einsatz kommen. So ging es mir vor Kurzem, als unser Sohn, seit August stolzer Erstklässler, ein Mathe-Arbeitsblatt aus dem Ranzen zog. Es ging um Plus- und Minus-Rechnen; das Arbeitsblatt war reichlich illustriert von gezeichneten Piraten und Prinzessinnen.  ‚Wir rechnen momentan mit Pirat und Prinzessin.‘ erklärte er mir. ‚Der wilde Pirat will immer was wegnehmen, er ist ja ein Mann. Und die Prinzessin, die will immer mehr haben. So ist das ja bei Frauen. Auch beim Einkaufen wollen die immer noch was dazu.‘

Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, dass ich erstmal sprachlos war. Die Mathelehrerin ist eine junge, moderne Frau  – und dann Pirat und Prinzessin? Und solche Erklärungen? Natürlich kann es auch gut sein, dass in den Gesprächen der Kinder hier diese sehr platte Version erst entstanden ist. Nichts desto trotz gibt ja nun wahrlich 1000 andere Wege, um plus und minus bildlich darzustellen: Fahrzeuge, die be- und entladen werden, Ostereier, die versteckt und gefunden werden, Bäume, die blühen und Blätter verlieren…keine Ahnung…auf alle Fälle sind Pirat und Prinzessin keine Notwendigkeit.

Hier sieht man das weihnachtliche Motiv auf des Kindes Lieblingsfarbe: Mint.

Dieses Arbeitsblatt ist zwar auch im Ranzen unseres Sohns nicht die Norm, aber wenn man die Lernmaterialien kritisch durchschaut, entdecke ich immer wieder sehr stereotype Darstellungen, sowohl bildhaft als auch sprachlich. Die Schulbuchverlage haben hier, so mein Eindruck, noch Luft nach oben. Ich habe wirklich großen Respekt vor dem Lehrberuf (in meinen Augen ein Knochenjob…) und mir liegt es fern, hier alle über einen Kamm zu scheren. Aber natürlich würde ich mir auch von dortiger Seite einen kritischen Umgang mit solchen Materialien und Arbeitsblättern wünschen.

Denn genau anhand solcher Beispiele verfestigt sich bei den Kindern eine traditionelle Rollenverteilung.

Wie geht Ihr mit solchen Lernmaterialien um? Vielleicht habt Ihr ja Lust zu erzählen…

Gebt Ihr Schulbuchverlagen auch mal ein kritisches Feedback? Das nehme ich mir vor…

In diesem Sinne wünsche ich Euch auf alle Fälle alle schon Mal schöne Weihnachtsferien und erholsame Feiertage! Und vielen Dank für Eure „Menschen(s)kinder-Treue“ und die vielen lieben Worte dazu im vergangenen Jahr!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

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Linked @: The Creative LoverNähzeit am Wochenende


3 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im Dezember und ein Wort zu Lernmaterialien aus der Geschlechterschublade

  1. Hallo Karin,

    ich lese schon lange deinen Blog, nähe selbst und bin zusätzlich noch professionell im Bildungsbereich unterwegs. Deswegen kommentiere ich auch diesen Beitrag, da ich das von dir geschilderte jeden Tag erlebe :)

    Es gibt eine Studie von Melanie Bittner (am besten googlen, ansonsten poste ich gern auch noch den Link) von 2012 die die Geschlechtervielfalt in Schulbüchern untersucht. Das ist zwar schon einige Jahre her, leider hat sich der Stand nicht wirklich verändert. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass es wieder konservativer geworden ist. Ich selbst habe bei der Auswahl der neuen Schulbücher an unserer Schule die Geschlechtervielfalt im Buch als ein Kriterium festgelegt. Leider ist das nicht bei allen Fachschaftskollegen auf Gegenliebe gestoßen. Gerade auf so einfache Dinge wie Textauswahl und Portraitierung von Geschlechtern in Bild und Text kann man – wie ich finde – durchaus achten.

    Zum Arbeitsblatt deines Kindes – da die Kollegin noch jung ist, wird sie deine Anmerkungen eventuell gern in ihre Unterrichtsplanungen aufnehmen. Ist das Arbeitsblatt erstmal erstellt und abgespeichert, wird die Lehrerin dieses sicher für die nächsten Schülerinnengenerationen verwenden – schon wegen der Arbeitsersparnis. Das Beispiel der Prinzessin und des Ritters wird sicher immer wieder aufgenommen (Denkt an den Ritter!) und verfestigt sich so vielleicht in den Köpfen der Kinder.

    Viele Grüße,
    Liltaith

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  2. Mit deinem Sohn gemeinsam das Arbeitsblatt umgestalten. Aus dem Piraten eine Piratin malen und aus der Prinzessin einen Prinzen machen 😁 Ich habe mit meinen Töchtern so einige Bücher, Arbeitshefte usw. „umgestaltet“ 😁 das macht Spaß und zeigt den Kindern sehr gut, dass blöde Dinge nicht einfach hingenommen werden müssen, sondern verändert werden können…

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Karin, mir fällt das auch auf … auch ein Erstklässler hier. In Mathe nicht, da wird eher neutral mit Gegenständen gearbeitet und dein Beispiel finde ich schon sehr krass. Da würde ich mich mal an die Lehrerin herantasten und sie drauf ansprechen und ihr erklären warum man das nicht gut findet. Viele gerade junge Kollegen lernen (und das ist ja auch gut so), dass man Dinge Kindern möglichst plakativ veranschaulichen sollen und sicher hat sie dann nicht weiter gedacht … in einer Generation, die schon so geprägt ist nicht ungewöhnlich. Mir fällt es vor allem in HSU auf … bei den Regelbildern (Verhalten, Verkehr) sind meist die Jungs diejenigen, die sich daneben benehmen und die Mädchen, die brav sind … Liebe Grüße Ingrid

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