Stoffspielereien: Red Ribbon zum Welt-Aids-Tag

Red Ribbon in voller Schönheit!

Ihr Lieben,

im Rahmen der Stoffspielereien lädt heute die liebe Ines ein; ihr Thema: „Nähen auf Papier“, oder wie es auf englisch heißt: „Foundation Paper Piecing“. Diese Technik bringt unglaublich schöne, filigrane und oft liebliche Nähwerke hervor. Doch ich habe mich heute dafür entschieden, ein eher ernstes, politisches Teilchen zu nähen:  Eine „Rote Schleife“ (auch als „Red Ribbon“ bekannt) – DAS weltweite Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-kranken Menschen.

Für uns, die wir zur Gruppe der lesbischwulen Community gehören, ist der 1. Dezember nämlich nicht nur der Tag, an dem die Vorweihnachtszeit in die heiße Phase geht – sondern es ist vor allem auch der Welt-AIDS-Tag. An diesem Tag steht die Community meiner Erfahrung nach genauso eng zusammen wie am Christopher-Street-Day. Solidarität mit all jenen Menschen die mit dieser nach wie vor unheilbaren Krankheit zu kämpfen haben oder ihr schon zum Opfer fielen. Bevor ich gleich zum Nähen meines roten Fähnchen komme, möchte ich noch kurz beim Thema „HIV & AIDS“ bleiben.

Mit diesem Rädchen „perforiere“ ich vor dem Nähen die Nahtlinien

Das Thema AIDS und HIV ist natürlich viel zu groß und zu mächtig, um es auch nur im Ansatz angemessen in einem kleinen Blogpost zu behandeln. Ich möchte aber wenigstens kurz ein paar Fakten zum Thema, die die Deutsche Aids-Hilfe gerade veröffentlicht hat, zeigen:

  • Weltweit leben etwa 37,9 Millionen Menschen mit HIV.
  • Darunter sind etwa 1,7 Millionen Kinder.
  • 38,5 % der Betroffenen haben bislang keinen Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten.
  • Allein 2018 starben weltweit 770.000 Menschen an den Folgen von AIDS.
  • In Deutschland leben heute rund 90.000 Menschen mit HIV.

Menschen, die in unseren Breiten mit HIV leben, erzählen immer wieder, dass Diskriminierung für sie zum Alltag gehört. Darum ist es kein Wunder, dass das Motto des diesjährigen Welt-Aids-Tages ist: „Streich die Vorurteile!“

Ich nähe mit einem offenen Nähfuß, um die Nahtlinie gut zu sehen („Applikationsnähfuß“)

Und: In Zeiten von Tinder & Co ist HIV nach wie vor brandaktuell, und zwar nicht nur dort, wo Männer mit Männern schlafen. Die Dating-Apps haben hier ganz neue Dynamiken erzeugt. Partner/innen wechseln schneller und öfter und sind vielfach eher unbekannt als bekannt. Wie auch immer dieses Thema unseren eigenen Alltrag streicht (oder auch nicht):  Ich denke da z. B. auch an meine Pflicht als Mutter, meinem Kind einen selbstbewussten Umgang mit „Safem Sex“ mitzugeben – das ist wichtiger denn je.

So, wie bekomme ich nun den Bogen zum Nähen auf Papier? Schwer…aber nun denn. Ich bin selbst noch alles andere als geübt in dieser Technik – bisher habe ich nur diese Schiffchen hier genäht – aber ich finde sie einfach grandios. Darum wollte ich unbedingt die heutigen Stoffspielereien nutzen, diese Technik endlich mal wieder auszuprobieren. Dafür musste ich aber meine Kenntnisse erstmal wieder auffrischen und zusammenschreiben – damit ich das bis zum nächsten Mal nicht wieder vergesse! Denn das muss ich ab sofort unbedingt öfter machen…

Rotes Fähnchen von hinten :-)

Ich nähe übrigens auf ganz normalem Kopierpapier. Die Nahtlinien perforiere ich gewissermaßen vor dem Nähen mit einem gezackten Rädchen. Dann lassen sich diese auch sehr gut falten. Durch die Einstiche der Nadeln wird dann das Papier an dieser Stelle so dünn, dass es sich am Ende sehr leicht entfernen lässt. Wie gesagt, ich habe bisher noch nicht soooo viel FPP-Erfahrung. Aber bisher hat das bei mir so ohne FPP-Spezialpapier sehr gut geklappt. Beim Nähen selbst verwende ich einen offenen Nähfuß, damit ich die Nahtlinie auch genau sehe.

Mit dem Ergebnis – meinem kleinen Schleifchen – bin ich ziemlich zufrieden! Ich mag, wie sehr durch dieses „Schichten der Stoffe“ die Schleife tatsächlich nach Schleife, fast dreidimensional, aussieht! Ich denke, ich werde die Schleife in eine Tasche oder einen Beutel integrieren. Auf alle Fälle freue ich mich über dieses kleine, feine Nähwerk sehr! Die übrigens kostenlose Vorlage für die Schleife stammt von Carol Oak und heißt „Paper-Pieced Pink Ribbon“ (das pinke Schleifchen ist das Zeichen der Solidarität mit an Brustkrebs erkranken Frauen – es lohnt sich also auch, die Schleife in anderen Farben zu nähen…)

Hier sieht man das Größenverhältnis zwischen Vorlage und „Endprodukt“. Der Block ist 6 x 6 Inch groß.

Am Welt-Aids-Tag gibt es viele Veranstaltungen – von der großen Promi-Gala bis zum kleinen Infostand. Wenn Ihr irgendwo vorbeikommt, seid solidarisch :-)

Danke Dir, liebe Ines, für das schöne Thema und Deine Gastfreundschaft heute! Und jetzt freue ich mich auch auf die Werke aller anderen Stoffspielerinnen!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

 

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7 Gedanken zu “Stoffspielereien: Red Ribbon zum Welt-Aids-Tag

  1. Danke Karin für Deine rote Schleife als Beitrag zu den Stoffspielereien – und die kurzen aber intensiven Informationen rund zum Thema HIV!
    Ich nehme am liebsten auch normales Kopierpapier, das funktioniert wunderbar.
    Liebe Grüße
    Ines

    Gefällt 1 Person

  2. Gut gemacht, die Schleife ist perfekt. Mit einem Beutel trägst Du Dein Statement nach draussen. Das finde ich insgesamt passend.
    Die Idee mit dem Perforationsrädchen finde ich nützlich. Das erleichtert das Falten zwischendurch und gibt auch obenauf Überblick.
    LG Ute

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Kathrin,
    schön, wie du es schaffst Herzensthemen in solche Challenges einfließen zu lassen. So wichtig!
    Ich finde auch, dass man einfach zu wenig informiert wird (oder sich informiert?). Beispiel: Erst im letzten Jahr habe ich durch Zufall gelernt, dass bei erfolgreicher Medikation Personen mit HIV die Anzahl der Viren in ihrem System so weit runter schrauben können, dass sie nicht mehr ansteckend sind. Wieso habe ich das nicht mitbekommen? Das ist doch fantastisch, das sollte jeden Tag in der Zeitung stehen, bis es jeder verstanden hat und die Vorurteile zurück gehen. Nunja, das ist mir nur gerade zum Thema eingefallen.

    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

  4. Was für eine schöne Idee, so ein rotes Schleifchen zu nähen! Toll geworden, auch wenn ich gerade nicht gerne an Brustkrebs denken mag. Eine Freundin ist erkrankt und dann hört der Spaß auf. Ich finde es gut, dass du hier davon schreibst!! Danke auch für den Link zur EPP Seite.
    Hab einen schönen Tag und lass es dir gut gehen.

    Liebe Grüße
    Annette

    Gefällt 1 Person

  5. Hallo Karin, danke fürs Aufgreifen dieses wichtigen Themas auch bei den Stoffspielereien! Ich nehme für FPP normales Kopierpapier, oder wenn ich dran denke „Dünnpost“ mit nur 40 g/m2, von dem ich noch einen Stapel aus Schreibmaschinen-Zeiten habe. Wenn der Drucker dieses dünne Papier nicht frisst, funktioniert das Nähen darauf wunderbar! Liebe Grüße, Gabi

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