Menschen(s)kinder im November und ein Wort zur „Coming-Out-Pflicht“ als Regenbogenmama

Softshell-Mütze – passend zur Softshell-Jacke!

Ihr Lieben,

herzlich Willkommen im November zu einer neuen Runde „Menschen(s)kinder“. Jetzt wird es kalt… das sieht man auch immer mehr an Euren Verlinkungen. Vielen Dank, dass Ihr im Oktober wieder so fleißig mitgemacht habt! Ihr seid klasse!

Besonders schön fand ich u.a.

Das Teilchen, dass Ihr heute hier zur Illustration seht, ist auch eher herbstlich, und zwar eine kürzlich entstandene Softshell-Mütze. Der Schnitt heißt „Kopfsache – Enganliegende Regenmütze“, und er stammt aus dem Buch „Nähen mit Softshell“ aus dem TOPP-Verlag (danke, liebe Bibliothek!). Die Idee fand ich total spannend, da wir immer auf der Suche nach warmen, fahrradhelmtauglichen Mützen sind! Das wollte ich ausprobieren und habe direkt die Stoffreste von dieser Jacke hier rausgekramt. Und: Das Experiment hat funktioniert! Die Mütze sitzt wirklich sehr eng, aber wohl noch bequem, Ohren und Stirn sind schön geschützt und der Fahrradhelm passt auch noch drauf! Wirklich toll!
Meine Einfassung an der Unterkante ist zwar nichts für die Geschichtsbücher…aber ich will mal entspannt sein.

Die Unterkante der Mütze wird mit Jersey eingefasst.

Apropos entspannt: Das muss ich zur Zeit oft sein; denn momentan muss ich mich mal wieder verdammt oft outen. Wie das kommt, davon will ich heute kurz erzählen.
Wie Ihr mitbekommen habt, ist unser Sohn vor einigen Wochen eingeschult worden. Und das bringt für uns Eltern viele „erste Abende“ mit sich: Erster Elternabend der Eltern der Klasse, erster Elternabend des Elternbeirats, erster Elternabend der Nachtmittagsbetreuung usw.

Und natürlich gibt es immer eine Vorstellrunde. Und da heißt für mich: Jeder dieser Abende ist mit einem Coming Out vor mindestens 20 mir bis dahin meist unbekannten Menschen verbunden. Mit einem Satz wie „Ich heiße Karin, und ich bin eine der beiden Mütter von ****.“ setze ich nicht selten ein Kino in den Köpfen der anderen Eltern in Gang. Und ich werde danach oft unpassend lange angestarrt.

Jetzt könnte man natürlich kritisch fragen: „Warum machst Du das – Du müsstest es doch nicht?“ Die Antwort ist ganz einfach: Unser Sohn soll vor Eltern, Lehrer*innen und Betreuer*innen keine „Coming-Out-Arbeit“ leisten müssen – das ist unser Job als Eltern. Er soll möglichst wenig Fragen zu unserer Familienform beantworten müssen. Das Umfeld der Regenbogenkinder ist ja in den meisten Fällen erst mal sehr unsicher mit dem Thema – und nur durch das explizite Coming-Out der Eltern kann da Sicherheit entstehen. Darum stellen wir die Dinge von vorneherein klar.

Ohren und Stirn sind schön geschützt!

Alle wissenschaftlichen Untersuchungen über Regenbogenfamilien zeigen: Für die gesunde und selbstbewusste Entwicklung der Kinder ist es unglaublich wichtig, dass die Eltern die Homosexualität möglichst offen leben (Entscheidend ist hier übrigens nicht die Lebensform der Eltern, sondern die Qualität der Partnerschaft – und dazu gehört auch, wie selbstverständlich die Eltern mit ihrer Liebe umgehen). Heterosexuelle Eltern outen sich ja auch in jeder Vorstellungsrunde – da nimmt es nur niemand als Coming-Out wahr. Sage ich nichts von „2 Müttern“ oder „Regenbogenfamilie“ denkt jeder, ich bin mit einem Mann verheiratet. Da sind Missverständnisse, die dann ggf. unser Sohn aufklären müsste, vorprogrammiert – und das ist auf gar keinen Fall seine Rolle.
Natürlich geben wir ihm auch Worte für unser Familienleben mit auf den Weg und wappnen ihn für Fragen oder blöde Sprüche. Aber zum Glück sind diese bisher sehr selten.

Ihr könnt mir glauben: Diese Coming-Out-Runden sind für mich nicht die reine Freude, vor allem, weil auch klar ist, dass nicht alle Eltern unser Familienmodell „gut“ finden (irgendjemand hat die AFD ja gewählt…). Ich bin immer nervös, habe immer (noch) Herzklopfen, bei aller Routine. Aber dafür, dass unser Sohn einen möglichst entspannten (Schul-)Alltag hat, lass ich mich gerne anstarren oder hinterher „ausfragen“ (und ja, auf die Frage „Wie habt Ihr das gemacht?“ antworte ich immer noch nicht :-) )

So, nun freue ich mich auf Eure November-Verlinkungen! Bei Menschen(s)kinder geht es auch im unbeliebesten Monat bunt zu :-)

Hier gehts zur Linkparty für November:

You are invited to the Inlinkz link party!

https://fresh.inlinkz.com/js/widget/load.js?id=d1626941e732cbb79b50Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Linked @: Creative Lover, Freutag; Shietwetter-Sew-Along, Buchprojekte; Nähzeit am Wochenende;


3 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im November und ein Wort zur „Coming-Out-Pflicht“ als Regenbogenmama

  1. Hihi, am Ende musste ich trotz des sicher für euch sehr ernsten Themas doch lachen und ich finde es perfekt, dass ihr diese Arbeit macht und nicht euren Sohn den Spekulationen überlasst, das habe ich leider auch schon mehrfach erlebt, wie schwierig das dann für Kinder ist und dabei muss von Seiten der Erwachsenen wahrlich keine böse Absicht dabei sein. Ich drücke dir die Daumen, dass es die anderen Eltern einfach als normal erleben und es keine blöden Sachen gibt. Deine Regenkappe finde ich sehr gelungen, sie leuchtet so schön und ja, sie sieht wirklich praktisch aus. LG Ingrid, die sich auf das Nähen im November freut!

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  2. Was ne schöne und praktische Mütze! Ich kannte das Buch noch nicht und werde mir das mal genauer ansehen!
    Und danke dafür dass du offenlegst wie sich das ständige Coning Out für dich anfühlt. Mir hilft das sehr dabei mich in dich hinein versetzen zu können und anderen sicher auch, so dass Regenbogeneltern hoffentlich irgendwann wie alle anderen Eltern behandelt werden.
    Liebe Grüße
    Katharina

    Gefällt 1 Person

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