Sommerliche Restverwertung mit „Rosa-Dilemma“: Sachensucher-Shorts und Shirt Paul

Neue kurze Hose und Eis-Shirt auf der Rutsche

Ihr Lieben,

heute zeige ich Euch zwei Nähwerke, die vor Kurzem entstanden sind, hier genannt „Das Eis-Shirt“ und „Die schöne neue kurze Hose“ (bei uns bekommen Kleidungsstücke oft „Rufnamen“ :-) ). Beide Teile verbindet, dass ich darin Reste anderer Projekte verwertet habe und im Zuge dessen zum Teil die „Nähregeln“ etwas weiter ausgelegt habe. Außerdem hat uns das „Eis-Shirt“ mal wieder das leidige „Rosa-Thema“ aufs Tableau gerufen – von all dem will ich Euch heute erzählen.
Nochmal auf der Rutsche…


Erstmal zur „kurzen Hose“:
Die Hose ist eine um gut 5 cm verlängerte „Sachensuchershort“ nach dem Freebook von „Fabelwald“. Den Schnitt hatte ich schon mal vernäht und zwar beim Menschenskinder-Sew-Along 2018. Die damals entstandene Hose wurde bis vor Kurzem mit Hingabe getragen, auch als sie schon echt verdammt kurz war und stramm saß. Insofern habe ich hier also einen würdigen Nachfolger geschaffen. Wie schon beim Vorgänger habe ich dafür einen Sommersweat bzw. French Terry verwendet. Diese Stoffart macht sich als Short sehr gut, die Hose ist etwas griffiger, aber trotzdem sehr bequem. Der hier verwendete Stoff ist von Siebenblau, also bio und der übrig gebliebene Stoffrest meines Cardigans. Den hatte ich schon oft an und entsprechend auch oft gewaschen – die Qualität des Stoffes ist großartig.

Und irgendwie hat der Stoffrest auch tatsächlich gereicht. Die Hosenbeine habe ich noch korrekt im Fadenlauf zugeschnitten, damit sie sich keinesfalls verdrehen. Aber alles andere dann…anders. Wie es halt draufgepasst hat :-) Da oben am Saum sowieso ein Gummi einzogen wird und Taschen eh überwiegend versteckt sind, war ich hier mutig. Und wie Ihr seht: erfolgreich. Die Hose sitzt gut, noch etwas weit, aber so wird sie uns hoffentlich auch noch im nächsten Sommer ähnlich viel begleiten, wie die ausgediente Vorgängerin.
Das wichtigste sind die großen Taschen :-)


Nun zum Eis-Shirt:
Dominierend ist hier natürlich der großartige Eis-Stoff (aus der letztjährigen Kollektion von „Stoff & Stil“). Den Rest, den ich hiervon hatte, war tatsächlich ziemlich genau so groß, wie Ihr es auf dem Bild seht, ein Quadrat von ca. 45 x 45 cm. Aber unser Sohn wünschte sich so sehr ein T-Shirt daraus – und so habe ich gebastelt und gewühlt und andere Reste in „Eisfarben“ dazu geholt, bis es für ein Shirt gereicht hat. Die angemessene Länge an Ärmeln und Saum wurde mittels Bündchen hergestellt :-) .

Ich fand zuerst, dass die Teilung am Rücken seltsam aussieht, aber die Reaktionen des Umfelds sagten das Gegenteil. Überhaupt ist das „Eis-Shirt“ nun wieder mal so ein Teil, auf das mein Sohn bzw. wir sehr viel angesprochen werden. Und immer positiv! Das Shirt wäre der Hammer, wo das zu kaufen wäre, da hat man ja sofort Lust auf ein Eis…Ihr könnt Euch vorstellen: Es wird sehr geliebt.
Aber was mein Sohn an dem Shirt auch besonders liebt, ist, dass es „ein bisschen rosa“ ist. Ich weiß nicht, ob Ihr es erkennen könnt: Manche Eise sind rosa.
Es ist klar: Wer auch immer das Design entworfen hat – es sollte ein Stoff für Mädchen werden. Ein Eisstoff, der für Jungs designed wäre, wäre in mehrfacher Hinsicht sicher deutlich „unfreundlicher“.
Hier haben wir ein wirklich großes Dilemma: Unser Sohn findet nämlich rosa und pink wunderbar. So wünscht er sich z. B. ein Oberteil aus einem Stoff, den sich eigentlich meine Frau vor Kurzem gekauft hat – mit rosa Äpfeln. Er findet ihn wunderschön, ist er ja auch.
Aber, wie er selbst sagt: „Wenn ich daraus was anziehen würde, höre ich in der Klasse blöde Sprüche – das will ich nicht.“  Das mit dem sozialen Druck läuft super…
Das schönste sind die rosa Eise…

So haben wir jetzt die Vereinbarung getroffen, dass er aus dem Apfelstoff (und ähnlichen „Rosa-Fällen“) Kleidung für zu Hause bekommt, was vor allem heißt: Schlafanzüge und ähnliche „Loungewear“.

Er ist mit dieser Lösung happy – ich so mäßig…
Ich bin da einfach wütend! Und ich bin mir sicher bzw. weiß von vielen Kommentaren hier, dass es so viele Jungs gibt, die sich nach diesen „lieblichen Stoffen“ sehnen. Aber die gesellschaftliche Meinung ist eine andere, die Eltern prägen die Meinungen der Kinder – und diese werden zu den „Erfüllungsgehilfen“, die die traditionellen Geschlechterbilder weitertragen. Schon im Kindergarten, aber nochmal deutlich schärfer in der Schule.
Klar, bestimmt gibt es auch Jungs, denen die dummen Sprüche von Herzen egal sind – aber unser Sohn ist ein Feingeist, der sich sowas zutiefst zu Herzen nimmt. Und gerade „rosa“ ist ja besonders heikel: Rosa an Jungs wird schnell mit „schwul“ betitelt – und dieses „Schimpfwort“ ist für ein Kind aus einer Regenbogenfamilie nochmal ein anderes Kaliber, was ich ihm unbedingt ersparen will.
Deshalb wird also rosa hier gestrichen – doch zum Glück nur „für draußen“.  Mal sehen, was ich mit den Äpfeln mache – die sind nämlich für einen Schlafanzug zu warm….
Die rosa Äpfel sind für Jungs nicht erlaubt…

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein gutes rosa Eis und pinke Äpfel in der Herbstsonne – endlich wieder Zeit für Gemütlichkeit! Da kommt doch neue Loungewear in den Lieblingsfarben gerade recht!

Alles Liebe!
Karin
Hose: Freebook „Sachensuchershorts“ von Fabelwald
Stoff: Bio Fein-Sweatstoff navy, von Siebenblau
Shirt: Shirt „Paul“ von Pattydoo mit diversen Veränderungen
Stoffe: Alle aus der Restkiste, Eis-Jersey von Stoff & Stil (vergriffen)

7 Gedanken zu “Sommerliche Restverwertung mit „Rosa-Dilemma“: Sachensucher-Shorts und Shirt Paul

  1. Liebe Karin, das Shirt ist klasse! Und ich mutmaße jetzt mal, dass rosa in dem Fall okay ist, weil Eis nun mal besonders beliebt auch in Erdbeer und Himbeer daher kommt und es gesellschaftlich nicht misstrauisch betrachtet wird, wenn ein Junge ein solches rosa Eis isst. Von dem her könnte übrigens auch ein rosa Schweinchen auf dem Shirt funktionieren, denke ich da gerade :-D Was ich – auch von den bekannten Modeketten – übrigens immer wieder mal sehe, sind rosa Polohemden und Kurzarmhemden für Jungen und Männer. Das ist zwar nicht so schön wie die hübschen Äpfelchen, aber vielleicht auch eine Möglichkeit, wie rosa in der Öffentlichkeit ohne blöde Kommentare getragen werden kann? Und vielleicht auch ein Schritt in die richtige Richtung, um die Botschaft, dass farben für alle da sind, zu verbreiten.
    LG und schönes Wochenende! Jana

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  2. Meine liebe Jana, danke für Deinen lieben Kommentar. Stimmt, Himbeereis dürfen Jungs ja auch essen :-) Und Du hast recht, Polohemden gibt es auch in rosa, da könnten wir mal schauen. Ich werde es dem kleinen Mann mal vorschlagen, aber so wie ich ihn momentan einschätze, wäre es ihm zu heikel, trotzdem Kommentare zu kassieren. Aber wer weiß… :-) Ein Versuch ist es sicher wert! Liebe Grüße! Karin

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    1. Hallo ihr beiden, den Gedanken mit Erdbeereis bzw. Himbeereis hatte ich heute früh beim Lesen auch. Mein Mann hat ein lilafarbenes Hemd. Das hat ihm im Kindergarten beim Kind bringen schon unnötige Kommentare von Kindern eingebracht. Er hat die Kids gefragt, warum er das Hemd kaufen konnte, wenn die Farbe doch so „verboten“ für Männer ist. Das hat nachhaltig zu Nachdenken angeregt. Ein rosa Hemd hat er auch nur deshalb nicht, weil er in der Farbe noch blasser wirkt. Viele Grüße von Maryme

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  3. Liebe Karin. Das Outfit ist richtig toll geworden. Wie schade, dass deinem Sohn die Farbe rosa so verleidet wird. Meine Tochter kommt leider auch voll von Rollenklischees aus dem Kindergarten und ich fühle mich dem gegenüber sehr hilflos.

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  4. Ach Mensch Karin, das tut mir so leid, dass J. schon nach wenigen Wochen Schule so klare Anti-Haltungen dort erlebt hat und so nüchtern einordnet, was dort „geht“ und was nicht. Wir hatten wenigstens ein halbes Jahr Frieden, bevor das anfing. Es ist ein hartes Brot, sein Kind dann zu bestärken, aber nicht ungeschützt den Hänseleien auszusetzen, sondern irgendwie einen Mittelweg zu finden. Unserer ist wie eurer: Es gibt Wochenend-, Ferien- und Zuhause-Kleidung. Das ist die allerliebste, gemütlichste und bunteste. Manchmal hab ich so eine Wut auf die Eltern, die ihren Sprösslingen (vielleicht sogar unbedacht) diese doofen, konservativen Werte mitgeben. Aber es hilft ja nichts, die bekehren wir auch nicht mehr.
    Auf jeden Fall mag ich euer buntes mit-rosa-Eis-T-Shirt supergern und liebe den Rufnamen seiner Hose.
    Viele liebe Grüße, viel Geduld für den Schulalltag und eine Portion Galgenhumor wünsche ich euch!
    Meike

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  5. Hallo Karin,

    eigentlich bin ich ja gar kein öffentlicher Kommentierer, daher war ich hier immer nur stiller Mitleser, aber…

    … ach wie kommt mir deine Wut bekannt vor (und auch die Trauer die dahinter steckt?), auch wenn mein Kind aus einem anderen Grund aus der Masse heraussticht. Als Mutter war ich da immer wieder im Dilemma zwischen „ihm den Rücken stärken“ und das Kind ermutigen, sein Ding duchzuziehen, und „ihm Schmerz ersparen“ und möglichst jede Auffälligkeit zu vermeiden – zumal ich irgendwann den Eindruck hatte, die anderen Kinder suchen regelrecht, was man am Kind noch alles doof finden und worauf man dann rumhacken könnte. Letztendlich will ich aber selbst nicht „Erfüllungsgehilfin der Gesellschaft“ sein und mein Kind – zwar vermeintlich zu seinem Schutz, aber trotzdem mit dem gleichen Ergebnis – dazu bringen, die traditionellen Sichten und Verhaltensweisen zu akzeptieren und sogar zu übernehmen. Mir ist immer wieder der Satz eines Mädchen in den Kopf gekommen „Ich wurde nicht gemobbt, weil ich dick war, sondern weil ich ein unsicheres Kind war.“ Sich selbst auf den vermeintlichen Angriffspunkt zu fokusieren und sich zu verbiegen, bedeutet nicht, das man in Ruhe gelassen wird. Selbst ruhig und sicher zu bleiben, wenn die anderen sticheln, schien mir erfolgversprechender. Wir sind dabei auf möglichst „kleine Schritte“ ausgewichen und ich habe mein Kind moralisch unterstützt so gut es ging. Inzwischen ist es in Klasse 6 und hat die Kurve ganz gut bekommen. Es ist immer noch „anders“, aber das ist in den Augen der Mitschüler nur noch ein Nebenaspekt und kein wesentlicher Punkt, über den das Kind „definiert“ wird.

    In eurem Fall könnte ich mir als kleinen Schritt vorstellen, einen Schnipsel rosa Lieblingsstöffchen mit neutralen Farben zu kombinieren und das auf Dauer auszuweiten. Also beispielsweise an einem Pulli eine Dreiecks-Teilung knapp über dem Bündchen einzubauen oder den Tascheneingriff an einer Hose damit zu unterlegen: sieht man nicht, wenn das Kind in der Klasse sitzt, ist für die anderen also nicht ständig präsent, das Kind weiß aber: es ist meins und es ist da. Das tut gut und macht auch stark! Und diese Stärke trägt dann über „blöde Momente“ hinweg.

    Oder bei einer Sporthose (die Sporty bietet sich dafür an) ein Stück rosa in den Seitenstreifen setzen, weil die Kids im Sportunterricht auf Bewegung und Spiel konzentriert sind und keine Zeit haben, sich aus Langeweile die Klamotten der anderen anzuschauen. Oder jetzt auf den Herbst hin bei einer Beanie ein Viertel (oder Sechstel oder Achtel) rosa einzufügen, denn auch auf dem Schulhof sind die Kids eher am Spielen als am Gucken. Bei „technikaffinen“ Mitschülern könnte ich mir auch vorstellen, dass eine Reißverschlusstasche am Ärmel oder eine sonstige „Funktionalität“ am Shirt interessant genug wirkt, um von der Farbe abzulenken.

    Jedenfalls würde ich das meinem Kind vorschlagen, falls wir in eurer Situation wären. Falls die Idee für euch passt, fallen euch bestimmt noch mehr Möglichkeiten ein.

    Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr einen Weg findet, die Gesellschaft – oder zumindest die direkte Umgebung – durch das Vorleben anderer Sichtweisen und Möglichkeiten ein bisschen „weiter“ und damit auch toleranter zu machen, so dass euer Kind gar nicht erst lernt, sich aus Angst vor Ablehnung zu verbiegen.

    Und diesen, euren Weg geht ihr dann Schritt für Schritt und wenn ihr irgendwann zurückschaut, merkt ihr erst, wie weit ihr trotz diversen Rückschläge und Ausweichmanöver schon gekommen seid! So ging es uns jedenfalls und wenn wir das geschafft haben, gibt’s kein stichhaltiges Argument, warum ihr das nicht auch schaffen solltet! :-)

    Herzliche Grüße
    Sunny

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  6. Liebe Karin, wenn ich das hier so lese, dann stelle ich fest ich ticke komisch. Nie wäre ich auch „Mädchenstoff“ gekommen, ich dachte (genau wie andere Kommentatoren wohl auch) sofort an Himbeereis (hier heiß geliebt) etc. Ich verstehe, dass dich das wütend und traurig macht und man irgendwie eine Lösung finden muss, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder irgendwann einen Weg für sich finden damit umzugehen und ich glaube den sollte man respektieren, wenn man das mit seinen eigenen Überzeugungen schafft. Ich neige immer dazu zu sagen, das musst du aushalten, dann akzeptieren die anderen es irgendwann auch und als er klein war konnte er das gar nicht und ich habe gelernt ihn dann auch zu lassen und seit einiger Zeit ist ihm alles wurscht diesbezüglich. Er mag Tiere und da kommen keinen Fahrzeuge auf die Schultasche, er mag selber genähte bunte Sachen und nix schwarzes … ein Shirt mit vielen bunten Stiften auch rosa und lila … ausgelacht von seinen Kumpels stand er auf dem Spielplatz und ich dachte was macht er jetzt … er grinste, drehte sich um und da kamen die Mädels und trösteten ihn (und die sind gerade sehr beliebt) … ich hätte mich am liebsten hinter einen Baum gestellt, weil ich so lachen musste als ich die dummen Gesichter sah. Hinterher gab es sogar Entschuldigungen von den Kumpels … Und sicher werden wieder Phasen kommen, da wird er die Konflikte vermeiden … spätestens bei Fortnite auf dem Handy ist er dann raus … und wird lernen müssen damit klarzukommen. Ach, hab ihn einfach lieb und ich bin sicher in so einer offenen Familie wird er seinen Weg finden! Liebe Grüße Ingrid

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