Bittere Erfahrung mit „Billigstoff“ – Eine kurze Hose mit kurzem Leben

Von Weitem sieht die Hose noch ganz nett aus…

Eigentlich will ich keine „billigen“ Stoffe kaufen. Eigentlich. Qualität zahlt sich immer aus, das wusste schon mein Oma.

Aber: dann passiert es mir doch, dass ich ein nettes Design sehe, im Netz oder auf dem Stoffmarkt, und dann ein Meterchen für 8 Euro oder so mitnehme. Schnäppchenalarm! Das Nähhobby ja recht kostenintensiv, da darf auch mal ein preisgünstiger Stoff dabei sein…und billige Stoffe sind ja nicht unbedingt automatisch minderwertig… sicher kennt Ihr diese Gedankenspiele.
Tja, obwohl ich es eigentlich besser weiß, hab ich genau das vor Kurzem mal wieder gemacht – und bin mit diesem „Billigstoff“ nun total auf die Nase geflogen. Und auch noch so plastisch, dass es mir lange im Gedächtnis bleiben wird.
Bei unserem Sohn herrscht derzeit mal wieder akuter Kurze-Hosen-Mangel. Sein absoluter Lieblingsschnitt für kurze Hosen ist „Mottis Sporty“. Davon haben wir eine ganze Serie in der Kommode, die allerdings eben nun alle zu klein sind. Also habe ich angefangen, neue „Mottis Sportys“ zu nähen, einige helle und einige dunkle sollen es am Ende sein. Die Hose, die Ihr heute hier seht, gehört zu den dunklen Exemplaren.
Auch vorne und an den Seiten ist der „Kontrast“ gut sichtbar…

Der Schnitt (übrigens ein Echtgrößen-Schnitt – deshalb sitzt die Hose wunderbar! Ich verlängere sie lediglich zum Schutz der Knie um ca. 5 cm) lädt sehr dazu ein, verschiedene Stoffe zu kombinieren. Meistens mache ich es so, dass jeweils ich Vorder-und Gesäßteile aus einem Stoff zuschneide, für den Sattel und die seitlichen Unterteilungen (das ist ein separates Schnittteil), verwende ich einen anderen Stoff. Den Hosenbund nähe ich immer dann farblich passend aus Bündchenstoff.

Das hab ich auch bei dieser Hose hier so gemacht. Und zwar in folgender Kombination: Der eine Stoff ist ein sehr preisgünstiger Jersey (der mit dem „musikalischen Aufdruck“, gekauft bei Buttinette), der andere hingegen eine hochpreisige Bio-Variante (von Nosh, gekauft im Nosh-Online-Shop) kombiniert.
Der Stoff ist nach der 2. Wäsche wie von einem weißen Flaum überzogen…

Unser Sohn ist überzeugter Vollblut-Musiker und er liebt jede Form von „Musik-Aufdrucken“ – deshalb war vor einiger Zeit besagtes „Meterchen“ in meinen Warenkorb gewandert.

Der Nosh-Stoff war noch übrig von einem meiner absoluten Lieblingsshirts und passte farblich perfekt.

Beide Stoffe waren vorgewaschen und ließen sich miteinander recht gut vernähen. Aber aufgrund dieser Liason trat nun folgendes zu Tage:

Nach dem ersten Tragen der Hose wurde sie ein zweites Mal gewaschen – und das Ergebnis seht Ihr auf den Bildern. Der musikalische Stoff ist wie von einer weißen Flaumschicht überzogen. Ich weiß nicht, was sich da genau aus dem Stoff löst, aber es sieht einfach nur schrecklich aus. Auch die Farben sind deutlich verblasst; die Hose sieht aus, als wäre sie schon viele Jahre in Gebrauch gewesen.
Dazu, im krassen Kontrast:  der Nosh-Stoff, dem die zweite Wäsche natürlich nichts ausgemacht hat (und ich weiß durch mein eigenes Shirt aus diesem Stoff – er sieht auch nach der 30. noch genau so gut aus!).
Der qualitativ hochwertige Stoff sieht nach wie vor tadellos aus…

Ihr könnt Euch ungefähr vorstellen, wie sehr ich mich ärgere.  Ich möchte nicht, dass mein Sohn mit so einer Hose herumläuft. Klar, man kann die Hose vielleicht noch einige Male als „Schlafanzughose“ verwenden, aber viele Wäschen wird der Billigstoff wohl nicht mehr aushalten, vom Trockner (was ich Nachtwäsche normalerweise schon zumute…) ganz zu schweigen.

Schade um die Zeit des Zuschneidens, um die Zeit des Nähens, schade um das Garn und vorallem auch um den schönen Nosh-Stoff. Und natürlich tut es mir auch im Sinne der Nachhaltigkeit leid: Wir verfolgen an sich den Grundgedanken, wenige, dafür „gute“ Kleidung zu besitzen, die lange getragen wird.
Ihr seht: Eigentlich weiß ich es besser. Und klar: Ich bin auch schon mit „teuren“ Stoffen reingefallen – der Preis sagt wirklich nicht immer etwas über die Qualität des Stoffes aus. Qualität hat ihren Preis, da hatte meine Oma recht – und es gibt sehr wohl Stoffe mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Und es gibt meistens auch die Kategorie „Sale“…
Ich hoffe, sowas wie das hier passiert mir nicht nochmal! Und Euch, wenn Ihr diese Zeilen gelesen habt, auch nicht…
Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Stoffe: Jersey mit Musik-Aufdruck von Buttinette, schwarz-blauer Jersey von Nosh (beide vergriffen)
Schnitt: Mottis Sporty von „Made for Motti“
Linked @: Nähzeit am Wochenende, Creative Lover

 


18 Gedanken zu “Bittere Erfahrung mit „Billigstoff“ – Eine kurze Hose mit kurzem Leben

  1. Gerade bei bedrucktem Jersey finde ich es schwierig, qualitativ hochwertigen Stoff zu finden. Selbst teure Biostoffe sehen da nach einigen Wäschen nicht mehr gut aus, egal wie schonend man sie wäscht. Daher kaufe ich bedruckten Jersey nur noch selten, dann lieber uni oder gestreift.

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  2. Ach, Karin, ärgere dich nicht.

    Das ist natürlich schade um alles, wie du es geschrieben hast, aber nun ist es so, Schwamm drüber und unter „nochmalige Erfahrung“ abhaken. Du wolltest bestimmt nur deine vorher ja schon vorhandene Erkenntnis bestätigt wissen. 😉 Der Schnitt ist toll und der Nosh-Stoff sieht super aus! Ich freue mich über diese beiden Entdeckungen heute bei dir.

    Schönes Wochenende und viele Grüße

    Anni

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  3. Wie schade! Genau diese Erfahrung (sieht nach wenigen Wäschen nicht mehr so schön aus, eben dieser „weiße Flaum“) habe ich aber auch schon mit einem schwarzen Jersey für 20 €/m gemacht.
    Teure Stoffe zu kaufen erhöht nur die Wahrscheinlichkeit, dass die Qualität gut ist; eine Garantie ist das leider auch nicht :-/
    Hose und Schnitt sind aber schon cool :)

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  4. Hach Mensch Karin, wie ärgerlich. Ich versteh das. Wenn Freizeit ohnehin rar ist und man sich auf eine langlebige Hose freut, frustriert so ein Wasch-Ergebnis umso mehr. Ich hoffe, die anderen neuen Hosen machen dir mehr Freude.
    Viele liebe Grüße!
    Meike

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    1. Liebe Marion, wir waschen mit einem „Öko-Waschmittel“ im Baukasten-System. Dunkle Wäsche waschen wir also immer ohne Bleiche, was eigentlich dafür sorgt, dass die Farben schöner bleiben. In den Vollwaschmitteln, ist ja immer auch Bleiche mit dabei – das war es sicher, was auch Deine Klamotten „mitgenommen“ hat. Aber danke für den Anstoß: Man kann auch das Waschmittel bei einem solchen Ergebnis kritisch hinterfragen… Liebe Grüße!! Karin

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  5. Hallo Karin! Grr. Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Nicht nur mit billigen Stoffen. Umgekehrt habe ich auch schon Stoffe gehabt, die wirklich günstig waren und die immer noch super halten.
    Ärgerlich finde ich auch, wenn die Farbe auf die Haut abfärbt. Das Thema habe ich hier gerade.
    Ich würde mir bei eurer Hose wohl echt die Mühe machen und auftrennen.
    Viele Grüße von Maryme

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    1. Liebe Maryme, ja, das Abfärben hatte ich ich hier vor Kurzem auch, allerdings bei einem gekauften Teil. Das ist ja auch der total Wahnsinn. Da möchte ich gar nicht über den Herstellungsprozess nachdenken. Ja, und auftrennen ziehe ich auch in Erwägung, auf alle Fälle das Bündchen, beim Rest überlege ich noch. Liebe Grüße! Karin

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  6. Hallo Karin!
    Bist du mal mit dem Fusselrasierer drüber gegangen? Dadurch kann die Farbe wieder etwas intensiver werden, weil die „Flaumschicht“ abrasiert wird. Irgendwann habe ich damit mal ein positives Ergebnis erzielt. Aber ich weiß nicht mehr bei was genau das war …
    LG Bea

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    1. Liebe Bea, danke für den Tipp! Nein, einen Fusselrasierer habe ich nicht – werde mich mal danach umschauen, ich habe schon ein paar mal welche in Kurzwarenbedarf gesehen. Schadet sicher nicht, sowas zu besitzen, auch wenn mir das in der Form wie bei dieser Hose noch nie passiert ist. Liebe Grüße! Karin

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  7. Ja, so eine geringe Stoffqualität ist echt ärgerlich. So viel Zeit und Vorfreude beim Nähen und dann die Enttäuschung. Leider reicht der Preis eines Stoffes als Indikator für eine erwartete Qualität wohl nicht aus, ich wünschte mir manchmal, es würde von den Händlern neben Stoffeigenschaften auch angegeben, wer den Stoff hergestellt hat, damit man qualitätssicherer einkaufen kann. Ich habe dieses Jahr bedruckte Jerseys nur noch von Anbietern gekauft, bei denen ich mir über die Herstellqualität sicher bin, wie direkt beim Hersteller bzw. dem der es bedruckt / selbst bedruckt (z.B. Alles-für-Selbermacher) oder wenn ein Hersteller angegeben ist, bei dem ich mir sicher sein kann (z.B. Hilco). Liebe Grüße!

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    1. Vielen Dank für deine netten Worte. Ja, das stimm, der Preis als einziger Indikator reicht meistens nicht. Es gibt auch positive „Billig-„Beispiele. Mit der Zeit bekommt man ganz gute Erfahrungswerte, und Alles für Selbermacher ist bei uns auch viel im Umlauf mit bisher nur guten Erfahrungen. Ganz liebe Grüße! Karin

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  8. Liebe Karin,
    ich kann Deinen Frust voll und ganz nachvollziehen, da mir das gleich auch schon passiert ist. Da investiert man kostbare Freizeit, evtl. so wie Du noch teures Kombi-Material, und dann sowas. Das weiße Zeug könnte das Elasthan sein, das sich löst. Das gleiche Problem hatte ich mal an einer gekauften (billigen!) Sommerjeans.:-(
    Ich bin allerdings mit teureren Stoffen auch schon mal reingefallen. Der Preis ist leider kein Erkennungsmerkmal für die Qualität. Bis jetzt bin ich mit Albstoffe ganz zufrieden. Lillestoff könnte eine bessere Qualität haben bei den Preisen, die sie haben, sind aber noch etwas besser als manch andere.
    Ich habe letzte Woche zum ersten mal bei Siebenblau eingekauft. Dieser Shop ist wirklich durch und durch auf Nachhaltigkeit und Transparenz eingestellt. Das gefällt mir außerordentlich gut. Wenn der Stoff nun über längere Zeit auch noch eine angemessene Qualität aufweist, wird das zukünftig MEIN Onlineshop. Mal schauen.
    LG
    Natalie

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    1. Liebe Natalie, danke für deinen lieben Kommentar. Ja, Siebenblau ist ein großartiger Shop, also meine Erfahrung dort ist bisher super! Nur eben nicht kostengünstig. Albstoffe und Lillestoff sind auch (meistens) sehr gut… Ich habe sehr gute Erfahrungen mit den Stoffen von „Stick & Style“ gemacht – also zumindest im Kinderbereich und auch viele „Alles für Selbermacher-Stoffe“ geben bei uns eine gute Figur ab. Aber ein bisschen Glücksspiel bleibt es immer… Liebe Grüße! Karin

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  9. Oh, ich denke das ist uns allen schon mal passiert, die Schnäppchenkäufe und auch der Ärger danach. Aber nicht zu viel ärgern, und einfach das nächste Mal wieder besser machen! lg, Gabi

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