Ein bisschen mehr Megan Rapinoe – von der Sehnsucht nach mehr lesbischer Sichtbarkeit

Schwul-lesbische Sichtbarkeit :-)

Ihr Lieben,

es ist CSD-Saison – und da komme ich nicht umhin, hier auch mal wieder ein paar homopolitische Worte zu schreiben. Es geht mal wieder um eines meiner Lieblingsthemen: Lesbische Sichtbarkeit.

Es gibt unzählige Gründe, warum lesbische Frauen unsichtbar bleiben, hier mal ein eine kleine Auswahl davon (die Wissenschaft kennt viele, viele):

  • Homosexualität wird in vielen Köpfen, vor allem auch in den Medien, mit „schwul sein“ verbunden. Insofern werden, wenn über homosexuelle Themen berichtet wird, fast ausschließlich schwule Männer abgebildet oder gezeigt (achtet doch mal bei der aktuellen CSD-Berichterstattung darauf!).
  • Lesben sind Frauen und als Frauen weiblich sozialisiert, sprich: Sie haben gelernt, Männern den Vorzug zu lassen. Sie bleiben also von sich aus „unsichtbar“.
  • Homophobie ist weit verbreitet – aus Angst vor Angriffen und Schmähungen halten viele Lesben lieber bezüglich ihrer sexuellen Identität bedeckt, als sich angreifen zu lassen.

Macht doch mal selber kurz folgenden Test: Ihr habt 20 Sekunden Zeit, wie viele schwule Männer, prominent oder aus Eurem privaten Umfeld, fallen Euch ein? Und dann macht Ihr das gleiche nochmal: Wie viele lesbsiche Frauen fallen Euch ein, ebenfalls prominent oder aus dem privaten Umfeld? Die meisten Menschen kommen über die wunderbare Hella von Sinnen nach wie vor nicht hinaus. Eine lesbische Lehrerin oder Erzieherin, eine Kollegin? Bei den meisten Fehlanzeige. Das ist echt traurig – denn von den ca.  41 Mio. Frauen in Deutschland sind mind. zwei, eher vier Millionen, lesbisch bzw. definierten sich als lesbische Frauen. Sicher auch in Eurem Umfeld…

Vielleicht ist auch aber doch ein Name ein lesbischen Frau eingefallen, die gerade sehr populär ist: Die großartige Kapitänin der US-Frauen-Fußballnationalmannschaft, Megan Rapinoe. Was Rapinoe sportlich drauf hat, ist das eine – sie war bei der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-WM der Frauen beste Spielerin, beste Torschützin und hat ihr Team völlig verdient zum WM-Titel geführt.
Doch, was sie noch weit mehr auszeichnet: Megan legt sich mit Präsident Trump an. Sie sprach sich bereits mehrfach offen gegen die Trump-Regierung aus, verkündete, eine Einladung der Mannschaft in Weiße Haus diesmal nicht anzunehmen (bei Obama waren die Soccer-Girls beim letzten WM-Titel natürlich zu Gast…)und singt als weiße Frau die Nationalhymne demonstrativ nicht mit. Trump twitterte gegen sie (und schrieb dabei ihren Namen falsch…), sie reagierte gelassen: Sie würde „von Hatern keine Notiz“ nehmen. Und nur um es nochmal zu sagen: Megan ist offen lesbisch, sie ist mit einer prominenten US-Basketballerin liiert, sie zeigen sich zusammen in der Öffentlichkeit.
Und trotzdem ist sie nicht leise, nicht unsichtbar, sondern benennt offen, was in den USA gerade für Minderheiten schief läuft. Und: Sie wird dafür geliebt! Sie ist DER Star im Frauenfußball. Die Beflockung eines Trikots mit ihrem Namen ist derzeit so gefragt, dass den Geschäften zum Teil die nötigen Buchstaben ausgingen. Junge Mädchen möchten Rapinoe-Trikots tragen – ehrlich, mich berührt das sehr. Was für eine Power hat diese Frau! Und sie gibt so vielen Menschen Mut, sich zu outen, zu sich zu stehen, für die Rechte von Minderheiten zu kämpfen! Was da gerade passiert ist in meinen Augen aus homopolitischer Sicht nicht hoch genug einzuschätzen (und in den USA weht dank Trump gerade ein verdammt rauher Anti-Homo-Wind!).

Ja, und jetzt spanne ich einen kühnen Bogen von US-Frauenfußball zur Nähbloggerinnen-Szene: Wo sind hier die virtuellen Regenbogenfahnen?

Nehmen wir einmal an, es gäbe im deutschsprachigen Raum ungefähr 5000 Nähbloggerinnen (inkl. Insta und Facebook). Wenn wir auch hier davon ausgehen, dass zwischen 5 und 10 % der Bloggerinnen lesbisch sind, würden wir von 250-500 lesbischen Nähbloggerinen reden. Ich persönlich zumindest nehme kaum lesbische Frauen in der DIY-Szene wahr. Gerne kommt an dieser Stelle der Einwand, dass „solche Dinge wie Selbermachen, Nähen, Häkeln…“  ja keine „originär homosexuellen“ sind – es also ja überhaupt keine Rolle spielt, mit wem man das Bett teilt.

Aber darum geht es nicht. Auch beim Fußballspielen spielt die sexuelle Orientierung wahrlich keine Rolle. Aber es geht ja darum, seine eigene Identität nicht zu verstecken! Also zum Beispiel von der eigenen „Frau“ oder „Lebenspartnerin“ zu sprechen – und nicht von der „besseren Hälfte“. Eben zu sagen: Hallo, ich bin lesbisch und nähe gern. So wie das die allermeisten heterosexuellen Bloggerinnen auch tun, wenn sie im „Über-mich-Feld“ schreiben: „Ich lebe mit dem besten Ehemann der Welt in XY.“ Da ist das „normal“, dass die eigene sexuelle Orientierung auf der Startseite alle lesen können, das man alle darüber in Kenntnis setzt. Wir Lesben lassen genau diesen Satz aus unterschiedlichen Gründen oft weg. Da würde ich mir mehr Mut wünschen – ich bin mir sicher, dass da draußen so manche lesbische DIY-Bloggerin unterwegs ist….

Klar, gerade wir lesbische Frauen sind die Meisterinnen des Versteckens, da bin ich auch selbstkritisch. Aber: Man hat uns auch nicht „auf dem Schirm“. Grundsätzlich geht jede/r, auch jeder Schnittmustershop, jede andere Bloggerin, jede Leserin davon aus, dass die Käuferin / Leserin / Bloggerin auf der anderen Seite sowieso heterosexuell ist. Wir Näherinnen sollten „für unsere Männer auch mal etwas nähen“ – um nur ein nahezu täglich gelesenen Satz zu nennen.

Anita von Näh-Connection schrieb vor kurzem in Ihrem Blog (in einem sehr empfehlenswerten Beitrag zum Thema „kulturelle Aneignung“): „[Trotzdem] ist es aber auch bei uns sicher so, dass Menschen, die nicht in unser Standardbild (junge bis „mittelalte“, normalgewichtige, hellhäutige Frau mit Familie – oder kurz davor) passen, in der Nähwelt stark unterrepräsentiert sind. Dabei gibt es sie bestimmt auch, die Dickeren, die Homosexuellen, die, die keine Kinder wollen (oder bekommen können!), die Behinderten, die Schwarzen, die mit Kopftuch usw. […]. Nichtsdestotrotz gibt es sicher auch bei diesen Menschen, welche die nähen. Dass wir sie praktisch überhaupt nicht auf Blogs, Instagram und facebook zu Gesicht bekommen, sagt vielleicht mehr über unsere Gesellschaft und auch uns aus, als uns lieb ist. Diskriminierung ist für uns, die wir typisch weiß, heterosexuell, gut ausgebildet und normalgewichtig sind, wohl einfach nichts, das wir ganz verstehen können. Auch ohne es bewusst zu wollen, sprechen unsere Taten oft eine ganz andere Sprache.“

Dem will ich nun nichts mehr hinzufügen, außer: Wir haben alle noch viel zu tun! Und wir Lesben sollten alle ein bisschen mehr „Megan Rapinoe“ sein. Dann käme vielleicht doch noch mehr in Bewegung…auch in der DIY-Bloggerszene :-)

In diesem Sinne wünsche ich Euch von Herzen eine schöne CSD-Jubiläums-Saison!

Alles Liebe,
Karin

P.S.: Das Shirt hier kennt Ihr bereits aus dem diesem Beitrag hier – ich liebe es immer noch :-)


15 Gedanken zu “Ein bisschen mehr Megan Rapinoe – von der Sehnsucht nach mehr lesbischer Sichtbarkeit

  1. Du schreibst: „Ihr habt 20 Sekunden Zeit, wie viele schwule Männer, prominent oder aus Eurem privaten Umfeld, fallen Euch ein? Und dann macht Ihr das gleiche nochmal: Wie viele prominente lesbsiche Frauen fallen Euch ein?“ Das würde ich korrigieren zu: „(…) Wie viele lesbische Frauen fallen Euch ein, prominent oder aus eurem privaten Umfeld?“ – ich hab reflexartig erst brav nur nachgedacht, welche lesbische Prominenz mir denn so einfällt.
    Bei mir sind es aus dem privaten Umfeld mehrere, allerdings tu ich mich oft schwer damit, daran zu denken, beziehungsweise es dauert oft, bis es mir einfällt, einfach weil es mir nicht viel egaler sein könnte (das ist dann so: „Na, eine! (Weil ich kürzlich mit ihr telefoniert hab und es deshalb noch präsent ist, weil sie sich mit ihrer Freundin gezofft hat).“ Und dann: „Ach nee, X ist ja auch lesbisch. Zwei!“ Und dann: „Zählt bi und seit Jahren mit einer Frau zusammen eigentlich auch, oder nur lesbisch?“ Es summiert sich also mit dem Nachdenken so Stück für Stück, und so geht es mir mit schwulen Bekannten auch).
    Aus demselben Grund, weil mir einigermaßen egal, würde ich persönlich niemals schreiben: „Hallo, ich bin lesbisch und nähe gern.“ So wenig ich halt schreibe: „Hallo, ich bin hetero und nähe gern.“ Ich erwähne meinen Kerl eher nebenbei mal, nicht so prominent, er hat halt mit meinem Blog überhaupt nichts zu tun. Und meine sexuelle Orientierung hat bei mir mit Nähen und Basteln auch wirklich nix zu tun, deshalb würde ich es nicht extra erwähnen, so wenig, wie ich schreiben würde: „Ich stamme aus einer alten Bauernfamilie und schnitze Stempel“ oder „Ich trinke gern Rhabarberschorle und filze“.
    Wenn aber jemand eigentlich gern schreiben würde, dass er oder sie mit einem gleichgeschlechtlichem Partner zusammenlebt, und es nur deshalb bleiben lässt, weil es ihm oder ihr irgendwie unangenehm ist oder sogar unschöne Reaktionen befürchtet werden: Den Gedanken finde ich sehr schmerzlich. Vermutlich ist es tatsächlich noch ein ganz schön langer Weg, bis homosexuellen Menschen ihre eigene sexuelle Ausrichtung ebenso egal sein kann wie heterosexuellen Menschen, einfach weil beiläufige Erwähnungen keine irritierten Reaktionen auslösen. Und deshalb bin ich entzückt über Blogs wie den Deinen, die diese Diskrepanz thematisieren.

    Liebe Grüße
    Maike

    Gefällt 2 Personen

    1. LIebe Meike, danke für deine differenzierten und netten Worte! Deine Anregung habe ich sofort umgesetzt, du hast Recht, das war unsauber formuliert! Danke! Und Danke auch für Dein Lob! Mir geht es ähnlich wie Dir: Eigentlich ist mir die sexuelle Orientierung eines Menschen egal wie nur was. Nur: Bei vielen anderen Menschen ist es nicht so – was mich immer wieder erstaunt… da ist nur „normal“ akzeptiert – bzw. darüber eben nicht mehr nachgedacht. Über alles andere wird „nachgedacht“. Ich habe ja selbst auch so einen kleinen „Willkommenstext“ auf meiner Startseite und der Denkprozess auf dem Weg dorthin, was ich da wohl hinschreibe, hat mich selbst enttarnt: Grundsätzlich finde ich solche Texte mit einem Bild der Bloggerin auf anderen Blogs schön und einladend, also wollte ich das auch. Und dann wollte ich gern zum Ausdruck bringen, dass ich selbst Mutter bin, weil es bei mir im Blog ja sehr viel um Unisex-Kinderkleidung geht. Würde ich aber schreiben „Ich bin Mutter und wohne in…“ würde jede/r denken, dass ich mit einem Mann verheiratet bin. Niemand hätte den Gedanken: „Na ja, vielleicht ist das ja eine Regenbogenfamilie!“ Deshalb habe ich den Begriff „Regenbogenmama“ in meinen Willkommenstext aufgenommen – und oute mich damit somit sofort. Und da hatte ich zu Beginn tatsächlich ein wenig Muffensausen, ob ich angegriffen werde – bis jetzt wurde ich es (zumindest wegen meines offenen Lesbischseins hier im Blog) noch nie (da ecke ich mit der Unisex-Kleidung mehr an…). Herzliche Grüße und nochmal danke für Deine Worte! Karin

      Liken

  2. Liebe Karin,
    mir ist noch Anne Will eingefallen ;-) Aber du hast natürlich recht, Vielfalt wird zu wenig sichtbar. In der Nähbloggerwelt fallen mir drei offen lesbische Bloggerinnen ein (ja, dich habe ich hier mitgezählt). Und auch wenn ich nur wenigen Nähblogs insgesamt folge (Zeitmangel und so…), sind das doch auch statistisch gesehen weniger als zu erwarten wären. Ebenso wie normalgewichtige, hellhäutige, junge bis mittelalte Frauen mit Kind(ern) wahrscheinlich überrepräsentiert sind. Dass diese Kriterien auf mich zutreffen (hellhäutig, mittelalt) oder auch nicht (Gewicht… :-/ ) thematisiere ich, glaube ich, auf dem Blog nicht. Über meine Familie schreibe ich im Zusammenhang mit den Themen auf dem Blog (Nähen, manchmal kochen oder basteln…). Ich hoffe allerdings, dass all das auch eigentlich egal ist und dass sich Menschen auf meinen Blog verirren, weil sie sich für das interessieren, was ich mache und schreibe und nicht für meine sexuelle Orientierung, mein Gewicht oder meine Hautfarbe.
    Ich lese bei dir mit, weil ich die Kleidung, die du für deinen Sohn zeigst, sehr schön und inspirierend finde und weil ich deinen Schreibstil sehr gerne mag und du mich zum Nachdenken anregst. Heute auch wieder. Deshalb: DANKE!
    LG Jana

    Liken

    1. Liebe Jana, vielen Dank für Deine lieben Worte! Also ich besuche Deinen Blog auch gern, weil mich Deine Texte ansprechen und das, was Du machst – Du bist aber auch eben sehr authentisch, und damit hebst Du Dich schon mal auch von der Masse ab :-) Ich freue mich sehr, wenn ich Dich ab und zu inspirieren kann und Du meine Texte schätzt – da werde ich ganz rot! Herzliche Grüße! Karin

      Liken

  3. Hallo Karin!
    Ich kann in etwa nachvollziehen, was du meinst. Sehr oft lese ich etwas wie „Mutter von …, Frau von …“ etc. und denke dann immer: „So definierst du dich also? Als xxx von yyy?“
    Das finde ich ganz allgemein schade, egal ob es da um den Beziehungsstatus geht, oder etwas anderes. Mich würde viel eher interessieren, was die anderen inspiriert, was sie tun oder sich wünschen usw. Die sexuelle Orientierung ist mir genauso egal wie die Religionszugehörigkeit (falls überhaupt vorhanden) und die Nationalität. Das sehe ich ähnlich wie Maike.
    Aber deinen Appell, es nicht nur deshalb wegzulassen, weil man nicht auffallen möchte, finde ich trotzdem gut. Denn das ist es gerade, was diejenigen „verschwinden lässt“ bzw. unsichtbar macht. Nur: ich kann nicht wirklich mitreden, denn ich selbst bin zufällig hetero, weißhäutig, mittelalt und annähernd normalgewichtig (mir “fehlen“ nur die Kinder), weshalb ich mich bisher nicht wirklich damit befassen musste, was es vielleicht heißen mag, zu etwas zu stehen, das nicht von den meisten als „üblich“ betrachtet wird.
    Ich finde es toll, dass du das Thema immer wieder ansprichst und so meinen Horizont erweiterst und zum Nachdenken anregst.
    Liebe Grüße, Annelen

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Annelen, vielen Dank für Deine Worte! Ja, diese Texte, in denen sich die Bloggerinnen in Abhängigkeiten definieren, empfinde ich auch als befremdlich…Und auch, wenn Du selbst zu keinerlei „Minderheit“ gehörst, habe ich bei Dir den Eindruck, dass Du mit offenem Herzen und Geist durch die Welt gehst – und das ist wunderbar! Wenn alle so wären, würden diese „Kategorien“ wirklich keine Rolle mehr spielen. Danke für Dein Lob – das geht runter wie Öl! Herzliche Grüße! Karin

      Gefällt 1 Person

  4. Mir fällt noch Dunja Hayali ein, auch eine ganz großartige Frau. Und Ulrike Folkerts.
    Ich selbst habe ein paar Jahre Fußball gespielt und dabei (Achtung, Klischee) recht viele offen lesbische Frauen kennengelernt. Dagegen fallen mir spontan nur zwei Schwule ein, die ich kenne. Aber ganz ehrlich: meiner Meinung nach darf jeder lieben, wen er möchte :-) Ich möchte als aktuell heterosexuelle Person auch nicht ausschließen, dass ich mich mal in eine Frau verliebe.
    Berufliche bewege ich mich im (natur-)wissenschaftlichen Umfeld, und das ist so furchtbar konservativ, dass mir in dem Gebiet einfach keine homosexuelle Person einfällt, was irgendwie sehr traurig ist.

    Ich mag deine Blog sehr, gerade aufgrund auch der Unisex-Kleidung. Ich verstehe echt nicht, warum manche Menschen der Meinung sind, dass nicht alle Farben für alle Menschen sind.

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Sandra, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar und Dein Lob! Dass Du schreibst, das es im naturwissenschaftlichen Umfeld so konservativ zugeht, erschreckt mich – ehrlich, das hätte ich nicht gedacht! Da hätte ich angenommen, dass dort viele kluge, aufgeklärte Menschen unterwegs sind (so wie Du!). Danke für diesen „Hinweis“ !. LIebe Grüße!! Karin

      Liken

  5. Also mir fallen da irgendwie gleich viel Menschen ein … Männer und Frauen … spontan dachte ich gleich an Dunja Hayali und Anne Will, die ich beide auf ihre Art großartig finde … aber einfach als Menschen. Sicher hast du Recht, dass viele Menschen oft unreflektiert etwas „normal“ finden und über „anderes“ nachdenken, aber oft auch einfach weil man nichts falsch machen will. Ich habe z. B. wenig dunkelhäutige Kinder und merke, dass ich in solchen Klassen sehr genau überlege wie ich die Vererbung der Hautfarben erkläre oder diskutiere, während das in anderen Klassen einfach so läuft und ich glaube nicht besser oder schlechter.
    Ich stimme 100% mit dir überein, aber ALLE Menschen sollten alle ein bisschen mehr „Megan Rapinoe“ sein! Unbedingt, ich vermisse es so das Kinder und Jugendliche andere und eigene Meinungen haben, alle ist so mainstream … und umso schwerer ist es in der Pubertät seinen Weg zu finden … und von außen kann man sie nicht immer gut unterstützen. Deshalb wünsche ich mir immer, dass es für sie gute Vorbilder sind und Megan ist so ein Vorbild, aber doch weit weg und prominent … im direkten Umfeld wäre besser, aber es ist schwer Kollegen zum Beispiel zu überzeugen mit ihrer sexuellen Orientierung offen umzugehen und ich habe mich sehr gefreut seit zwei Jahren eine Kollegin zu haben, die ihre Ehe mit ihrer Frau ganz offen und selbstverständlich lebt … das ist für mich das allerbeste Vorbild.
    Ich selber bin Naturwissenschaftlerin, dick, katholisch und lebe mit einem Mann und unserem Kind zusammen, das kommt mir alles sehr normal vor, aber immer wieder erfahre ich, dass es das nicht ist … schon witzig und auch traurig zugleich.
    Dass das Nähen mit Farben für alle im Ernst für jemanden ein „Problem“ ist, finde ich so abwegig, dass ich mir das niemals vorstellen konnte.
    Ein sehr schöner Blogbeitrag! Liebe Grüße Ingrid

    Gefällt 1 Person

  6. Liebe Ingrid, vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner (Lehrerinnen-)Gedanken. Gäbe es nur mehr Lehrkräfte wie Dich, die sich über sowas Gedanken machen! Bei den meisten Menschen läuft doch sehr viel unreflektiert ab. Und auch, was Du schreibst in Sachen „den eigenen Weg finden abseits des Mainstreams“, da siehst Du als Lehrerin sicher nochmal viel mehr, wie Kinder und Jugendliche hier gegen vorgefertigte Denkmuster kämpfen müssen. Danke Dir auch sehr für dein Lob :-) Liebe Grüße! Karin

    Liken

  7. Liebe Karin, das war wieder einmal einer der Beiträge, an denen ich einige Tage lang herumgedacht habe. Mir waren bislang etliche lesbisch lebende und liebende Frauen bewusst, ohne dass ich mir je Gedanken darüber gemacht hätte, dass dahinter ein großes „Dunkelfeld“ steht. Irgendwie dachte ich, dass lesbische Paare weniger ein Aufreger sind als schwule, weil sie (zumindest im Bereich der Prominenz) seltener skandal- und affärenbehaftet sind. Aber ich hatte auch noch nie eine Sicht von innen gelesen, und die hat mich ganz schön betroffen gemacht. Ja, alle sollten ein bisschen mehr Megan Rapinoe sein, aber doch nicht nur alle Frauen! Zu sich selbst zu stehen, Zivilcourage zu zeigen, Prominenz zu nutzen, um gesellschaftliche Missstände anzuprangern, das sind Werte, die ich mir von jedem Menschen wünschen würde. Insofern hat mich dein Beitrag nachdenklich, missmutig und traurig gemacht. Danke, dass du so offen schreibst. Und schön, dass euer Sohn sicherlich zu den kritischen Geistern gehören wird, die mit differenzierten Werten aufwachsen und sie später selbstbewusst vertreten können.
    Viele liebe Grüße
    Meike

    Liken

  8. Hallo Karin, ich habe Deinen Blog deshalb abonniert, weil mich insbesondere deine Beiträge zum Leben als Regenbogenfamilie und deine politischen Statements interessieren, denn hierzu gibt es im Netz meiner Meinung nach nicht so besonders viel. Ich nähe selber gar nicht (allerdings meine Frau), schaue mir deine Ergebnisse aber immer gerne an. Ich bin also keine Näherin, die hier mit schwul-lesbischen Themen in Kontakt kommt, sondern selber Regenbogenmutter, die hier am Rande noch etwas übers Nähen mitbekommt. So rum geht es auch 😉
    Und ja, Sichtbarkeit ist so eine Sache…allerdings, sobald man ein Kind hat ist man automatisch sehr viel sichtbarer bzw. hat auch nicht mehr unbedingt die Wahl ob man sich outet oder nicht.
    Liebe Grüße und mach weiter so – ich lese dich sehr gerne 🙂
    Manuka

    Gefällt 1 Person

    1. Meine Frau hat diesen Kommentar gelesen und gemeint, da sie keinen eigenen Nähblog hat, aber gerne zur Sichtbarkeit der 5-10% beitragen möchte, solle ich hier noch unseren Blogbeitrag verlinken, in dem das allererste Neugeborenenoutfit (im übrigen auch unisex und im Regenbogenthema) für unseren Sohn u.a. gezeigt wird. Vielleicht gefällt es ja jemandem. https://goldtopf.wordpress.com/2017/08/19/geburtsbericht-auftakt/

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo, vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar und die Erhöhung der Sichtbarkeit! Wie cool! So sollte der Link jetzt stimmen :-) Ich wünsche Euch und Eurer Familie alles Liebe! Und falls ihr genähte Kindersachen im Netz zeigt, auch immer her mit den Links! Liebe Grüße! Karin

        Gefällt 1 Person

    2. Liebe Manuka, danke für deinen lieben Kommentar und das tolle Feedback. Wie schön, dass Du /Ihr hierher gefunden habt! Und wie schön, dass Dir auch das Genähte gefällt, das hat ja einfach hier auch viel Raum… Und ich gebe Dir zu 100 % recht: Mit Kind ist man automatisch sehr viel sichtbarer, man kommt ja quasi aus dem Outen oft gar nicht mehr raus :-) Man gewöhnt sich dran, aber mir wird schon auch immer wieder bewusst, dass das schon enorm ist, welchen Beitrag zur „Sichtbarkeit“ wir Regenbogenfamilien da so lässig im Alltag leisten. Liebe Grüße! Karin

      Gefällt 1 Person

Danke für Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.