Meine Overlock-Maschine: Die Brother 4234D – Portrait und Erfahrungen

Die Brother Overlook 4234 D in voller Schönheit :-)

Ihr Lieben,

ich hatte es hier ja schon ein paar Mal erwähnt: Ich liebe Nähmaschinen und ihre Technik dahinter. Ich habe schon einige Marken ausprobiert, Maschinen geliehen und auch wieder zurückgeschickt, viel darüber gelesen… und glaube, dass ich mir mittlerweile ein recht gutes Urteil über Nähmaschinen bilden kann.
Nachdem ich Euch schon einmal meine „normale“ Nähmaschine, die Elna eXcellence 680 genauer vorgestellt habe, und mit Euch meine Gedanken zum Thema „Nähmaschinen und Nachhaltigkeit“ geteilt habe, möchte ich Euch heute meine Overlook-Maschine vorstellen! Und zwar nähe ich seit gut zwei Jahren auf einer Overlook-Maschine der Fa. Brother, Modell 4234D.

(Übrigens: Ich habe die Maschine selbst gekauft, bringe sie auf eigene Kosten jährlich in die Inspektion und schreibe jedes Wort hier vollkommen frei und unbeeinflusst!)

Die LED-Beleuchtung ist für meine Begriffe gut und ausreichend

Ein paar Basics und was ich mit der Ovi so mache:

Quilterinnen und Taschennäherinnen kommen, glaube ich, grundsätzlich ganz gut ohne Ovi aus… alle anderen machen sich das Nähleben mit einer Ovi deutlich leichter, insbesondere, wenn sie Kleidung aus dehnbaren Materialien nähen wollen. Und genau dafür nutze auch ich meine Overlook-Maschine: Ich nähe darauf Kleidung für Kinder und Erwachsene aus Jersey und Sweat, versäubere Webware vor oder nach der Verarbeitung an der „normalen Nähmaschine“ und ab und zu nutze ich die Ovi auch für einen schönen Rollsaum. Das alles muss also „meine Ovi“ unkompliziert können.

Aber bevor ich Euch sage, was ich an an der 4234D mehr oder weniger schätze, hier eine kleine Auflistung, über welche technische Ausstattung die 4234D verfügt:

  • Die Ovi verfügt über ein LED-Nählicht;
  • Die Oberfadenspannung und der Nähfußdruck sind einstellbar;
  • Es gibt einen Nadeleinfädler für beide Nadeln und eine Greifereinfädelhilfe;
  • Gewicht: recht solide 6,1 kg;
  • Sie kann folgende Nähte: 2-Faden-Naht, 3-Faden-Overlooknaht, 4-Faden-Overlooknaht, Rollsaum;
  • Man kann die Schnittbreite verstellen und das Messer bei Bedarf ausschalten.
  • Die Maschine verfügt über einen Differentialtransport.

Das Ganze gibt es für einen Listenpreis von aktuell 599,00 Euro – damit liegt die Maschine im „mittleren Preissegment“ für eine Overlook-Maschine. Innerhalb der Brother-Ovi-Linie ist die 4234D aktuell das hochwertigste Modell.

Was ich an der 4234D schätze:

Was bei dieser Auflistung im Vergleich zu anderen Overlook-Maschinen, die in einer ähnlichen Liga spielen, auffällt, ist vor allem der Nadeleinfädler. Das hat sonst in dieser Form keine – und allein dafür liebe ich die Maschine sehr. Das Einfädeln geht dank dieser technischen Hilfe wirklich innerhalb von 1-2 Minuten: Mit Hilfe eines Schiebehebels sagt man dem Einfädler, welche Nadel gerade dran ist – und durch Knopfdruck auf einen kleinen senkrechten Hebel wird der Faden wie von Geisterhand ins Nadelöhr transportiert. Auch der Greifereinfädler macht einem das Nähleben sehr leicht, wenn man den die Greiferfäden nicht einfach „anknoten“ möchte. Ich habe das auf anderen Maschinen schon ganz anders erlebt – deshalb war dieser Aspekt für mich beim Kauf der Maschine unglaublich wichtig.

Der Nadeleinfädler der 4234D in Aktion – ich liebe ihn!

Was ich an der 4234D ebenfalls liebe, ist schlicht ihre Unkompliziertheit. Sie näht sprichwörtlich über „Stock und Stein“. Egal ob einlagiger Modal oder mehrlagiger Denim, sie nimmt jede „Hürde“ ohne mit der Wimper zu zucken und eine Veränderung der Grundeinstellung oder des Differentialtransports sind immer nur minimal (!) notwendig. Während ja oft für Overlook-Maschinen das Führen eines „Einstellungsheftes“ empfohlen wird, in dem man sich die Greifer- und Nadeleinstellungen für die verschiedenen Stoffarten notieren soll, ist das bei der 4234 D in meinen Augen absolut überflüssig. Die Grundeinstellung der Maschine ist, so mein Eindruck, ziemlich perfekt und universal – das macht es einem gerade auch mit wenig Näherfahrung ziemlich leicht, tolle Ergebnisse zu erzielen.

Auch mag ich sehr, wie die Maschine baulich konzipiert ist. Der Nähfuß wird an der rechten Seite angehoben bzw. gesenkt; bei vielen Overlook-Maschinen geschieht dies, wie bei klassischen Nähmaschinen, hinter der Nadel. Ich finde es jedoch um ein vielfaches praktischer, wenn ich einfach rechts den Nähfuß bedienen kann und nicht kompliziert hinter die Maschine greifen muss.

Mit dem Schiebehebel „L – R“ stellt man ein, welche Nadel eingefädelt werden soll.

Was mir außerdem eine große Sicherheit gibt, ist die Tatsache, dass ich bei der 4234D das Messer sehr einfach und unkompliziert wegklappen kann. Die Funktion nutze ich vor allem, wenn ich „faule Bündchen“ annähe. Bei anderen Maschinen hatte ich oft Angst, dass ich mir gleich meinen Finger abhacke, wenn ich nicht aufpasse – bei dieser Ovi kann ich das Messer an einem kleinen Hebel einfach  und recht gefahrlos nach unten (und hinterher wieder zurück) drehen.

Was ich an der 4234 D kritisiere:

Den großen Vorwurf, den man Brother-Overlook-Maschinen zurecht macht, ist, dass sie laut sind. Und das ist auch die 4234 D, da nimmt sie sich auch wenig mit den günstigeren Modellen. Vollgasnähen um Mitternacht in einer Mietswohnung sollte man sich gut überlegen. Da ich, wie gesagt, schon mehrere Overlook-Maschinen auf meinem Nähtisch (von Bernina, Elna, Janome…) hatte, weiß ich, dass diese z.T. deutlich leiser sind – soweit man bei einer Ovi von „leise“ sprechen kann, denn so leise wie eine „klassische Nähmaschine“ ist eine Overlook niemals. Dennoch würde ich mir sehr wünschen, dass Brother hier mal nacharbeitet… das ist wirklich irritierend.

Auch das Innenleben der 4234 D wirkt aufgeräumt und solide. Vorne links der Hebel, mit dessen Hilfe das Messer weggeklappt wird.

Sehr minderwertig fällt leider die mitgelieferte „Hülle“ für die Maschine aus. Es ist eine Art bessere Plastiktüte aus einem hauchdünnen Kunststoffgewebe. Eine solche Hülle finde ich sehr schwach von Brother, egal, in welcher Ausstattungsvariante. Selbst eine deutlich günstiger Ovi hat eine bessere Hülle aus echtem Stoff verdient. Und das sollte meiner Meinung nach auch für einen Hersteller wie Brother machbar sein.

Insgesamt fühlt sich die Maschine sehr gut und solide verarbeitet an. Wo ich jedoch mittlerweile Ermüdungserscheinungen feststelle, sind die Gewinde der Nadelhalterung. Ich wechsle die Nadeln recht oft (zwischen Jersey und Webware), was auch mit Hilfe eines kleinen Imbussschlüssels sehr einfach funktioniert. Aber ich meine zu spüren, dass das Gewinde schon ein wenig „ausgeleiert“ ist. Das werde ich mal beobachten…und hoffe auf ein gutes Ersatzteillager der Nähmaschinenwerkstatt.

Mein Fazit:

Ich habe lange überlegt, wo mich meine 4234D bislang im Stich gelassen hat – aber mir fällt tatsächlich nichts ein. Die 4234D ist wirklich eine solide, technisch sehr ausgereifte Arbeiterin auf dem Nähtisch, die all das mit Bravour erfüllt, was man sich von einer Overlook-Maschine wünscht.

Ok, sie ist laut – aber dafür sind ihre Arbeitsergebnisse tadellos, dafür nehme ich zumindest diesen Nachteil gern in Kauf und nähe einfach etwas langsamer – dann wird es auch deutlich leiser :-)

Für alle, die sich eine „gute Overlook-Maschine“ kaufen wollen, kann ich die 4234 D sehr empfehlen, da ihre Vorteile deutlich, deutlich die Nachteile aufwiegen. Für mich ist sie in diesem Preissegment die beste Overlook-Maschine auf dem Markt (Stand Juli 2019). Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut. Wer bei der Anschaffung einer Overlook in den vierstelligen Euro-Bereich vordringt, bekommt natürlich nochmal ganz andere Maschinen zu Gesicht. Aber bis das bei mir soweit sein wird, nähe ich noch sehr gerne viele, viele Shirts auf meiner 4234D!

Wenn Ihr noch Fragen zur Maschine habt, werde ich gerne versuchen, sie zu beantworten!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

 

Link zur Herstellerseite „4234D Overlook von Brother“

 


Ein Gedanke zu “Meine Overlock-Maschine: Die Brother 4234D – Portrait und Erfahrungen

  1. Schöner Erfahrungsbericht! Als ich mir letztes Jahr (endlich) eine Overlock gegönnt habe, war diese Maschine auch in der engeren Auswahl. Letztlich habe ich mich aber für die BERNINA L 450 entschieden, und zwar genau aus dem von dir angeführten „Minuspunkt“ – der Lautstärke. In einer Altbau-Mietwohnung ist das einfach ein wichtiger Aspekt, und das Einfädeln klappt für mich auch ohne Fädelhilfe problemlos, deshalb war mir das nicht so wichtig. Bei den mitgelieferten Hüllen bekleckert sich ja kein Hersteller mit Ruhm ;-)

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