Top und Flop in der Sommershirt-Produktion

Swag und „By the Lake“ passen hervorragend zusammen!

Ihr Lieben,

auf meinem Nähtisch lagen kürzlich zwei „Shirt-Wunschzettel“, einer von meiner Frau – und einer von mir höchstselbst :-) Mein Shirt war ein recht kleines Abenteuer mit geringer Fallhöhe, da ich hierfür auf einen bewährten Schnitt zurück gegriffen habe. Doch das Shirt meiner Frau war ein kleines Wagnis – mit leider auch nicht ganz zufriedenstellendem Ergebnis. Gerne möchte ich Euch jedoch beide Shirts (mit ihren glanzvollen und weniger glanzvollen Eigenschaften) vorstellen.

Die Falten im Vorderteil sind ein sehr schönes Detail!

Zuerst zum Shirt meiner Frau:
Meine Frau hatte sich in den noch recht neuen Schnitt „Santa Barbara“ von „Pech & Schwefel“ verguckt. Für meine Frau kann Kleidung nicht blumig und verspielt genug sein, insofern passte der Schnitt „Santa Barbara“ von Pech & Schwefel genau in ihr Beuteschema. „Santa Barbara“ ist ein Shirt-Schnitt für dehnbare Stoffe mit Falten im oberen Bereich am Vorderteil. Das Shirt hat außerdem überschnitte Ärmel und sämtliche Saumabschlüsse werden, so der Plan der Erstellerin, mit Bündchen abgeschlossen. Insbesondere das Bauchbündchen soll dafür sorgen, dass „Santa Barbara“ die Figur ein wenig umschmeichelt – außerdem soll sich das Shirt für den Yoga-Sport eigenen und dank besagten Bündchens an Ort und Stelle bleiben.

Soweit, sogut. Bisher war hier noch kein Schnitt von „Pech & Schwefel“ eingezogen, obwohl ich eigentlich einige Schnitte sehr ansprechend finde. Wurde also längst mal Zeit :-) Da passte es perfekt, dass der auserkorene Stoff von „Alles für Selbermacher“ stammt – ein floraler Baumwolljersey nach einem Design von „Abby and me“, den ich etwa vor einem halben Jahr dort gekauft hatte [die beiden Damen hinter „Pech & Schwefel“ und „Alles für Selbermacher“ sind Schwestern – und ich bin von dem „Wirken“ der beiden wirklich sehr beeindruckt!].

Auf mich wirkt die Schnittführung der Schnitte von „Pech & Schwfel“ eher weit, weshalb ich mich, beim Auswahl der Größe nach Maßtabelle, eher „nach unten“ orientiert habe (Gr. 44).
Schon beim Zuschnitt kamen mir die Schnittteile wahnsinnig groß und vor allem irre lang vor; dieses Gefühl bewahrheitete sich bei der ersten Anprobe und ich habe in der Länge direkt 12 cm (!) weggenommen. Das Nähen der Falten ging übrigens erstaunlich leicht, die Markierungen sind eindeutig und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl entsteht ein, wie ich finde, sehr schöner Effekt.

Ich habe dann die Bündchen, ebenfalls nach Schnittmustervorgaben, angebracht. Bei Hals- und Saumbündchen war das Ergebnis auch ok, aber die „Armabschlüsse“ wurden durch das Annähen der Bündchen zu unförmigen, röhrenhaften Gebilden. Was für riesen Armlöcher! Also habe ich die Bündchen wieder abgetrennt, die Länge ordentlich gekürzt und dann nochmal neu angenäht.
Das Ergebnis seht Ihr auf den Bildern. Wie hat meine Frau so schön gesagt: „Das Shirt tut irgendwie nix für mich“ – und das trifft es ziemlich gut. Es ist nicht schlecht. Aber das wars auch schon. Insgesamt wirkt das Shirt immer noch zu weit und lang. Durch die überschnittenen Ärmel in Zusammenspiel mit den Falten wird die Schulterpartie ziemlich betont, das muss man mögen.

Die Armlöcher nach Verkleinerung – immer noch sehr groß…

Wenn Euch „Santa Barbara“ gefällt, wären meine Tipps: Nehmt einen eher leichten Jersey (dieser hier ist fast zu fest…), nehmt eine Größe kleiner, macht unbedingt eine Zwischenanprobe wegen der Länge und verkleinert die Ärmelsäume durch das Anbringen eher kurzer Bündchenstreifen deutlich. Und: Wahrscheinlich wirkt der Schnitt in kleinen Größen deutlich gefälliger als in größeren – da wird das obenrum, wie gesagt, durch die Falten und die angeschnittenen Ärmeln, echt verdammt viel Stoff.

Bei meinem Shirt hingegen war das größte Wagnis die Stoffwahl. Lange bin ich um den Bio-Jersey „By the lake“ von Stoffonkel herumgeschlichen – doch vor Kurzem ist er dann doch endlich in den Warenkorb gewandert. Musterstoffe und ich, wir funktionieren ja oft nicht sehr gut miteinander – aber ich liebe dieses Design, seit ich es bei Meike mal im Blog gesehen hatte. Und petrol ist MEINE Farbe – das sollte passen. Und: Ich bin sehr happy mit dem Shirt! Der Schnitt ist wieder das „Swag“ von Fashiontamtam, das ist einfach mein Basic-Schnitt für nicht-körperbetonte Shirts. Auch hier habe ich an den Armen und am Hals mit Bünchenabschlüssen gearbeitet, den Hüftsaum hat die Zwillingsnadel genäht. Das Shirt ist übrigens ca. 3 cm gekürzt.

Die schwarzen Bündchenabschlüsse sind sehr stimmig!

Ja, und die Moral von der Geschicht‘? Beide Shirts machen uns Freude, allerdings das eine deutlich mehr als das andere. Während „Swag“ zum Dauerbrenner wird, wird „Santa Barbara“ wohl erstmal keine Wiederholung folgen. So ist einfach das Nähleben!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Shirt 1: Schnitt „Santa Barbara“ von Pech & Schwefel, Stoff: Floraler Blütenjersey von „Abby and me“ über Alles für Selbermacher (vergriffen)
Shirt 2: Schnitt „Swag“ von Fashiontamtam, Stoff: „By the Lake“ in petrol von Stoffonkel“; alle Bündchen von „Stoff & Stil“

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15 Gedanken zu “Top und Flop in der Sommershirt-Produktion

  1. Dein Shirt ist super und der Stoff beschäftigt mich auch schon lange ;)
    Ich habe mir soeben die Beispielbilder bei Pech&Schwefel angeschaut, ganz am Ende kommt eine füllige Frau und die Armausschnitte sind ja riesig! Außerdem geht das Shirt bei ihr auch über den Po, wohingegen bei kleineren Größen das Shirt auf der Hüfte endet. Ob das ein Montagsschnitt ist? Ich meine, man wächst ja nicht gleichmäßig in die Breite und die Höhe. Und die Arme sind bei großen Größen ja auch nicht so dick wie Oberschenkel (und der würde da ja sicherlich sogar durch das Armloch passen. Vorm Schnitte kaufen muss man wirklich lernen, die Beispielfotos richtig zu lesen, in kleinen Größen sieht es super aus, aber in den großen wurde nicht ordentlich angepasst an die Körperfigur. Schade, dass dafür so ein schöner Stoff nun im Schrank einstaubt! LG Ina

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    1. Liebe Ina, danke für deinen Kommentar – Du hast total recht. Ich habe mich hinterher auch total geärgert, die Beispielbilder nicht genauer angeschaut zu haben. Das habe ich erst gemacht, als ich nachsehen wollte, ob das Ergebnis nur bei mir so doof ausschaut oder ob das so gehört… Und leider, wie Du schreibst, insbesondere bei den „großen Größen“ (wobei ich Gr. 44 nicht als so riesig einschätzen würde…), sehen die Armausschnitte alle schrecklich aus. Vielleicht hätte man das Größenspektrum bei diesem Schnitt einfach bei Gr. 42 abschließen sollen – das wäre wahrscheinlich ehrlicher gewesen. Liebe Grüße! Karin

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      1. Ich habe auch schon gelernt, dass ich immer Beispielbilder ab Gr. 40 suche, um zu schauen, wie der Schnitt da sitzt. Und doch etliche Schnitte sitzen nur in der 36 und 38 gut, ab dann sieht es doch komisch aus. Schade. In dem Fall wäre es wirklich gut gewesen, eher die Größen zu begrenzen oder sich mehr Zeit zu nehmen um ein besseres Ergebnis zu erzielen.

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  2. Es gibt bei mir Schnittmusterersteller, um die mache ich einen etwas größeren Bogen. Meine Beobachtung, dass dort die größeren Größen nicht so durchdacht sind, hat Dein Bericht jetzt bestätigt. Da ich mittlerweile auch etwas kräftigere Oberarme bekommen und auch die Schultern nicht wirklich schmal sind, nähe ich keine Shirts mit überschnittenen Ärmeln mehr. Aber vielleicht lässt sich ja das Faltendetail auf ein anderes (ohne überschnittene Ärmel, insgesamt passender) übertragen? Denn das sieht wirklich sehr schön aus.
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Liebe Ines, danke für deinen Kommentar. Ja, ich habe auch schon überlegt, ob ich das mit den Falten „übertrage“ – das müsste eigentlich funktionieren. Ich bin wirklich erstaunt, dass das mit den überschnittenen Ärmeln diesen Effekt hat – man lernt nie aus. Ich hatte nur schon oft für mich (auch in Gr. 44) das „Kimono-Tee“ genäht, und da hatte ich den Effekt so gar nicht. Aber gut. Wie Du sagst: Leider ist dieser Schnitt hier wohl nicht bis zu Ende gedacht… Liebe Grüße! Karin

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  3. Das blaue Shirt sieht wirklich klasse aus!
    Bei Santa Barbara bin ich auch etwas unschlüssig … ich habe es ebenfalls genäht und zwar in 38, aber irgendwie … hmm … vermutlich braucht man eine ganz spezielle Figur, damit es gut aussieht. Ich würde es am ehesten Frauen mit sehr wenig Oberweite empfehlen.

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  4. Das bestärkt mich wieder, keine Schnitte mehr von Pech und Schwefel zu kaufen. Getestet hatte ich einen ganz simplen Tshirt– Schnitt. Ich habe viel anpassen und ändern müssen bis es einigermaßen okay war. Da vergeht einem der Spaß.
    Herzliche Grüße
    Christel

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    1. Liebe Christel, danke für Deinen Kommentar. Das ist echt verrückt, dass es scheinbar so viele negative Erfahreungen mit Pech & Schefel gibt. Das überrascht mich echt… Ich hoffe, Du hast mittlerweile viele andere Labels gefunden, die besser zu Dir passen! Liebe Grüße! Karin

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  5. So was Passier mir auch dauernt, ich nähe ein Kleid oder Rock nach und dann ist der viel zu eng, weil ich auversehen keine Nahtzugabe oder den falschen Stoff genommen habe. Aber Schwam drüber weiter nähen. Macht doch Spass und Fehler gehören dazu.
    LG Marion

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  6. Der Stoff und die Falten von der Santa Barbara sind super und alles passt wunderbar zusammen. Wenn ich Du wäre, würde ich die Bündchen nochmal abtrennen und die Armabschlüsse nur mit einem schmalen Stoffstreifen einfassen. Diese „zarte“ Variante würde zum romantisch-verspielten Stoff viel besser passen und macht die Schultern schlanker. Ich mach das bei überschnittenen Schultern auch immer so, da ich sehr breite Schultern habe und diese nicht unnötig betonen möchte.

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    1. Hallo, vielen Dank für deinen Kommentar und Deine Anregung. Das Einfassen der Armabschlüsse habe ich ich tatsächlich auch schon überlegt, nur da ich ja schon die Bündchen abgetrennt habe, haben die Stoffkanten schon sehr gelitten. Noch mal abtrennen hieße „abschneiden“, und das will ich vermeiden. Aber für das nächste Mal, wenn ich ein Shirt mit überschnittenen Schultern nähe, werde ich mir Deinen Tipp merken! Danke Dir! Liebe Grüße! Karin

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  7. Liebe Karin, ich kann deine Erfahrung nur bestätigen: Schnittmuster von P&S sehen nur bis Größe 40 gut aus. Ich habe auch schon drei davon erfolglos ausprobiert – und bin mit Größe 44 obenrum wirklich keine Plus-Size. Ich glaube, dass da schöne Ideen auf viel Enthusiasmus, aber wenig Sachverstand beim Gradieren treffen. Beim Oberteil deiner Frau sind die Falten wirklich schön und sehen sehr fein genäht aus, auch den Stoff mag ich sehr. Aber die Passform tut ehrlich nichts für sie, das hat sie sehr treffend ausgedrückt. Schade!
    Ich drücke euch die Daumen, dass du noch mal ein besseres Schnittmuster für deine Frau findest. Und ich freu mich für dich, dass dein Standard-Basis-Schnitt auch mit dem Libellenstoff so gut funktioniert. Der ist einfach schön.
    Liebe Grüße!
    Meike

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    1. Liebe Meike, danke für deine Worte. Das ist ja echt verrückt, dass die Schnitte nur in den kleinen größen gut funktionieren – das überrascht mich! Wenn ich Schnitt auch in „großen Größen“ (was auch immer das heißt) verkaufen möchte, kann man halt nicht einfach die 36 hochgradieren… Wie Du schreibst: Der Enthusiasmus ist da und den merkt man den Schnitten auch an – aber irgendwie scheint da fachlich ein wenig was zu fehlen. Das hätte ich nicht gedacht. Danke nochmal für die Inspiraton zum „Libellenstoff“ – mein neuer Liebling! Liebe Grüße! Karin

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  8. Liebe Karin,
    Schade das deine Frau von dem schönen Schnitt nicht so begeistert ist. Das du in der Länge so viel weggenommen hast ist bei kleinen Personen normal. Das musste ich auch, der Schnitt ist für eine Größe von 1.75 glaube ich. Musst du noch mal schauen. Ich habe nur drei Falten genäht und bin begeistert. Leg doch mal ein gut sitzende Shirt auf das Schnittmuster vielleicht kannst du ja auch eine Größe kleiner nähen?
    Habt ein tolles Wochenende und ganz liebe Grüße eure Nähbegeisterte 😊

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