Stoffspielereien: Wenn aus Rechtecken und Quadraten Kirschen werden…

Der fertige Kirschen-Wandquilt mit gelbem Binding :-)

Im Februar war ich zum ersten Mal bei den „Stoffspielereien“ dabei – und weil es mir so viel Spaß gemacht hat, bin ich heute, wo das Thema „Geometrie“ heißt, gleich wieder mit von das Partie!! Und zwar habe ich Rechtecke und Quadrate in Kirschen verwandelt…oder so :-) Gerne erzähle ich Euch ein bisschen mehr.

Bei den „Stoffspielereien“ geht es ja im Kern um „textile Experimente“ – mit Stoff und Faden soll etwas neues ausprobiert werden. Man könnte vielleicht auch sagen: Hier geht es darum, die eigene Nähkomfortzone zu verlassen und sich auf neue Pfade zu begeben.
Meine Nähkomfortzone ist ganz klar: Kleidung aus Jersey bzw. dehnbaren Stoffen. Hier bin ich bisher ganz überwiegend nähtechnisch mit viel Herzblut „zu Hause“. Doch seit einiger Zeit stelle ich fest, wie mich zunehmend auch „Patchwork und Quilting“ magisch in ihren Bann ziehen – vor allem, nachdem ich meinen ersten „richtigen Quilt“ beendet hatte. Ich habe 1000 Quilt-Projekte im Kopf (zusätzlich zu den 1000 Kleidungsnähprojekten) :-) . Und auf dieser Welle bin ich auch das Thema „Geometrie“ heute gesurft…

Der Zuschnitt: Rechtecke und Quadrate

Schon ewig will ich eines der vielen wunderschönen Block-Schnittmuster (ich glaube, die Quilterinnen sprechen auch in Deutschland hier immer von „Pattern“) von Nadra alias „Ellis and Higgs“ ausprobieren. Wenn ich mir ihren Etsy-Shop anschaue, gibt es quasi kaum ein Motiv, das mir nicht gefällt. Mir kommt es so vor, als würde Nadra quasi mit Stoff basteln: Häschen, Schetterlinge, Schäfchen, Halloween-Motive, Gummistiefel…und eben auch Kirschen! Diese figürlichen Motive entstehen bei Nadra jedoch nicht durch Nähen auf Papier („Foundation Paper Piecing“), sondern mittels einer Technik, die sich „Easy Corner Triangle“-Methode nennt. Das funktioniert in etwa so, dass man unterschiedlich große Quadrate und Ecken so aufeinander näht und dann zurückschneidet, dass sich dadurch einzelne kleine Teile von Motiven ergeben, die dann am Ende zusammengesetzt werden. Klingt total einfach :-)

Viele Blöcke von Nadra haben sehr kleine Teile – die Kirschen erschienen mir da etwas „handfester“ und ein guter Einstieg, diese Technik mal auszuprobieren.

Die „rohen“ Kirschen :-)

Es geht also damit los, dass man Ecken zuschneidet. Die Stoffe kommen alle aus meinem heimischen Fundus: Die roten Stoffe sind Gütermann-Stoffe („Ring a rose“), die Blätter sind Tilda-Stoffe, und die beiden grauen für die Stiele und den Hintergrund kommen von Buttinette (und sind qualitativ eindeutig um Klassen schlechter…).

Genäht wurde dann von oben nach unten: zuerst das Blatt-Stück, dann der Stiel, dann Kirsche eins und die drei Abschnitte zusammensetzen. Das gleiche dann nochmal für die rechte Seite – und nach einer guten Stunde hat man plötzlich zwei zuckersüße Kirschen vor sich! Ich war total begeistert von meinem (Zwischen-)Ergebnis und wie sich die Stoffe zu einem harmonischen Gesamtbild gefügt haben.

Ich beschloss: Das sollte ein kleines „Quiltwandbild“ werden :-) Also stellte ich das Quiltsandwitch her. Ich bügelte Vlieseline (H650) auf das Top – das schien mir recht passend und hatte ich noch von einem Taschenprojekt im Vorrat. Für den Rückseitenstoff wählte ich auch einen Gütermann-Stoff aus den Tiefen meines Stoffregals.

So sehen die Kirschen von hinten aus!

Gequiltet habe ich die Kirschen dann recht dezent. Ich habe die Konturen der Kirschen mit Hilfe des Obertransportfußes „nachgefahren“, so dass sie sich etwas mehr vom Hintergrund abheben. (Freihandquilten versuche ich ein anderes mal…).

Ja, fehlte „nur noch“ das Binding, also die Einfassung drum herum. Hier habe ich dann einen Fehler gemacht: Ich habe einen recht dicken, leinenartigen Stoff vom Möbelschweden genommen. Die Farbe war toll – taupe – und ich dachte „das geht schon“. Wie ich lernen musste: Es ging eben nicht. Der Rand wurde ziemlich dick und der Übergang am Ende des Bindings mehr als sichtbar und grob. Das musste also wieder ab.

Meine Frau meinte dann, dass ein „gelber Rand“ doch wahrscheinlich eh fröhlicher wäre und besser passen würde…und da sie eigentlich immer Recht hat, habe ich einen „richtigen“ gelbgemusterten Patchworkstoff besorgt, ein Weilchen fluchend das vermurkste Binding abgetrennt und ein deutlich zarteres, gelbes Binding angenäht.

Quiltsandwitch mit Vlieseline H 650

Ja, so hängen die süßen Kirschen jetzt bei uns in der Küche an der Wand und bringen gute Laune! Ich bin mit diesem Ergebnis jetzt sehr zufrieden. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, die Kirschen entstehen zu lassen! Da mach ich weiter!! Ich finde, dass die Kirschen auch erstaunlich akurat geworden sind; diese Technik funktioniert also ganz hervorragend. Das wird sicher nicht mein letzer Block aus Nadras Feder gewesen sein – und die Nummer mit dem Binding, da muss ich einfach üben, üben, üben…

So, jetzt dürfen die Kirschen noch zu „Feuerwerk by KAZE„, wo heute die Werke der Stoffspielereien gesammelt werden. Ich bin gespant, welche tollen, inspirierenden Werke dort heute gezeigt werden. Ich habe den Eindruck, dass das technische Niveau bei den Stoffspielereien verdammt hoch ist.

Der Kirschen-Block mit verhunztem Binding – das musste wieder ab…

Und bei der immer schönen „Nähzeit am Wochenende“ und dem „Modern Patch Monday“ schauen die Kirschen natürlich auch vorbei!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Es handelt sich bei obigen Blogbeitrag um einen redaktionellen Text. Ich stehe mit den genannten Firmen in keinerlei kommerzieller Verbindung; ich habe sämtliche Materialien selbst gekauft und bezahlt. Die Nennung der Namen/Marken erfolgt lediglich zur Information meiner Leserinnen, da ich dies selbst als wertvoll für den kreativen Prozess empfinde.

 

 

 

 


19 Gedanken zu “Stoffspielereien: Wenn aus Rechtecken und Quadraten Kirschen werden…

  1. Ah Kirschen … ich liebe sie … mir läuft gerade das Wasser im Mund zusammen, dabei blühen sie noch nicht mal … lach … toll ist sie geworden deine Kirsche und ja mir geht es bei Nadras Motiven auch oft so. Binding ist bei mir auch immer ein heikles Thema und ich bin sicher das machst du kein zweites Mal :-) … gelb kann ich mir gut vorstellen dazu. Mein Problem sind immer die Ecken – ich bekomme das nie schön hin. Ich freue mich das du dich auch auf diese Pfade begibst, ich entdecke bei uns immer mehr Gemeinsamkeiten, schade das du nicht in der Nähe wohnst. LG Ingrid

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    1. Liebe Ingrid, ich danke dir für deine lieben Worte! Ja, die Ecken sind echt blöd. Aber ich habe den Eindruck, dass um so „dünner“ der Bining-Stoff ist, um so besser werden die auch…aber das ist scheinbar echt ein großes Übungsfeld – ich habe mir jetzt mal den Makeristkurs zum Thema Binding zugelegt… :-) Liebe Grüße – und vielleicht ergibt sich ja mal irgendwie die Möglichkeit, dass wir uns „in echt“ sehen! Liebe Grüße! Karin

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  2. Also, liebe Karin, die Kirschen sind zum Reinbeißen schön – und wirklich super akkurat – so eine Akkuratesse fehlt mir ja immer. Ein tolles Stück ist da entstanden. Glückwunsch dazu, und toll, dass du bei den Stoffspielereien mitmachst! LG. Susanne

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  3. Pass auf- wenn dich das Quiltvirus mal packt ist die Jerseynäherei irgendwann langweilig :)
    Deine Kirschen sind ein Supereinstieg und für ein Stück außerhalb deiner Komfortzone perfekt geworden.

    (Ich komme ja auch aus dem Kleidungsnähen und bügle instinktiv immer alle Nähte auch bei Quilts auseinander. Und bin da ziemlich unbelehrbar…. Aber einfacher ist es für viele, das in eine Richtung laufen zu lassen, gerade bei engen Mustern. Aber wie gesagt: Ich mach das intuitiv auch so wie du….)

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    1. Liebe Griselda, danke für deine lieben Worte. Da bin ich gespannt, ob die Quilterei dem „Jerseynähen“ noch den Rang ablaufen wird :-) Ich finde irgendwie, dass die Übergänge schöner werden, wenn man die Nahtzugaben auseinander bügelt. Aber in den meisten Anleitungen steht es ja anders („zur dunklen Seite hin“)…dann verlassen wir uns einfach weiterhin auf unsere Intuition! Liebe Grüße! Karin

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  4. Oh Karin, wenn man einmal mit dem Patchworken anfängt – das macht einfach Spaß, wie aus den kleinen Stoffstücken ein neues Ganzes entsteht (und dann entfällt noch die ganze Anpasserei…).
    Die Nahtzugaben kann man auseinander oder in eine Richtung bügeln, je nachdem. Bei manchen Blöcken ist das „in eine Richtung“ bügeln praktisch, weil die Blöcke dann in einander einrasten. Aber auseinander macht es flacher. Ich bin schon gespannt, was Du noch alles patchen wirst!
    Liebe Grüße
    ines

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    1. Liebe Ines, danke für deine lieben Worte! Dass mich der Quiltvirus befallen hat, daran bist Du nicht ganz unschuldig :-) Ich werde das mal beobachten mit den Nahtzugaben- momentan liegt mir das „auseinanderbügeln“ mehr, weil ich finde, dass die Blöcke flacher werden… Ich bin auch bei Dir auf jedes neue Werk gespannt :-) Liebe Grüße! Karin

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  5. Liebe Karin, das hast Du sehr schon ausgedrückt: „Die eigenen (Näh-)Komfortzone verlassen, (Achtung! Die Stoffspielereien können auch dazu anregen, Techniken außerhalb des Nähens auszuprobieren!) Super, dass Du schon zum zweiten Mal dabei bist! Und du machst das ganz genau richtig: Finde die Grenzen deiner eigenen Komfortzone und lass Dich bloss nicht davon abschrecken, wie hoch (vermeintlich) das Niveau bei anderen ist. Alles, was man neu probiert, bringt einen weiter. (Bei mir war das heute der verdammt flutschige Chiffon, vor dem ich mich vorher fast zu wenig gefürchtet hatte, dafür aber dann beim Nähen gehörig geflucht :-) ) Jede das Ihre, und insgesamt gibt es eine bunte Mischung aus Inspiration. Ich freu mich auf weitere Stoffspielerei-Beiträge von Dir! Liebe Grüße, Gabi

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  6. Liebe Karin, mir macht das Mitlesen bei dir schon seit einer Weile Lust auf auch mal Quilten. Realistisch nehme ich mir das für 2021 vor. Wenn mal das Stöpselchen abends schlafen geht und mir Zeit für Geduldsproben lässt. Und dann bist du bestimmt schon Profi und kannst mir ganz, ganz viele Tipps geben!
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Meike, da freu ich mich jetzt schon drauf, wenn wir beide mal „Quilt-Fachsimpeln“. Ich komme mir dabei immer noch vor wie eine totale Nähanfängerin…zurückversetzt in die Zeit der ersten Jersey-Shirts, wo ich nicht wusste, wie man das Bündchen annäht, ohne sich die Finger zu brechen… Ich freu mich, wenn dir meine Quilt-Beiträge Spaß machen! Ganz liebe Grüße! Karin

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  7. Schön sind sie geworden ,deine Kischen, sehen irgndwie sportlich aus, was mir sehr gefällt.Was bei dem grauen Binding verhunzt sein soll, sehe ich nicht. So herrlich kleine Reststücke kannn man verarbieten, einmal getan, wirft man nicht mal mehr briefmarkengroße Stücke weg.
    Viele Grüße,Kaze

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  8. Ein gelungener Einstieg in die Patchworkwelt. Dein Kirschmini ist sehr gelungen.
    Ich versuche immer die Nahtzugaben auf eine Seite zu bringen und an Eckpunkten zu drehen. Meistens quilte ich im Nahtschatten auf den Nahzugaben. Das festigt zusätzlich.
    Jersey nähen ist nach meinem Gefühl ein anderer Planet und funktioniert auf meinem Zuschneidetisch nicht zwischen Patchwork. Es gibt Zeiten für Patchwork und für Jersey.
    LG Ute

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