Menschen(s)kinder im März `19 – und ein Wort zu Unisex-Schnitten für Erwachsene

Strampler aus French Terry „Magical Zodiac“

Ihr Lieben,

da ist doch tatsächlich schon März! Herzlich Willkommen zu einer neuen Runde „Menschen(s)kinder“!
Obwohl der Februar so kurz war, habt Ihr es Euch nicht nehmen lassen, wieder wunderschöne Unisex-Kleidung zu verlinken. Ganz besonders schön fand ich
Euch und auch allen anderen von Herzen vielen Dank fürs Dabeisein!
Die Bilder, die ich Euch zeige, sind die eines Stramplers, den ich die Tage für das Kind einer Freundin zur Geburt genäht habe. Ich finde den Sternzeichen-Stoff, den French Terry „Magical Zodiac“, allerliebst und für ein neues Menschlein sehr passend. Beleg und Bündchenstoff sind dunkelbrau, was ich auch sehr stimmig finde.
Wie schaffe ich jetzt einen Bogen zu dem Thema, das ich heute hier ansprechen möchte? Gar nicht, denk ich :-) Das Thema, das ich heute ansprechen möchte, bewegt mich persönlich schon länger, spielt aber in der „Nähszene“ scheinbar so gut wie überhaupt keine Rolle: Und zwar Unisex-Kleidung für Erwachsene.
Gibt es im Bereich der Schnittmuster für Kinder wenigstens hier und da noch Schnitte, die nicht offensichtlich für ein Geschlecht erdacht sind (bzw. die man unisex interpretieren kann – das beweist Ihr hier ja jeden Monat aufs Neue…), so ist das bei den Erwachsenen (zumindest im deutschsprachigen Raum) nahezu unvorstellbar. Ich sehe ein, dass es anatomische Unterschiede gibt (ja, auch ich weiß davon :-) ) , aber es liegt in der Natur der Sache, dass es einfach sehr viele Kleidungstücke gibt, bei denen das keine oder nur eine minimale Rolle spielt. Ich denke da z.B. an Jacken, T-Shirts, sportliche Hosen, Kopfbedeckungen aller Art…und wenn man ehrlich ist, gibt es noch eine ganze Menge mehr an Kleidungsstücken, die man durch minimale Änderungen an anatomische Gegebenheiten in die eine oder andere Richtung anpassen könnte.
Strampler-Vorderseite

Was mich übrigens auch sehr erstaunt ist die Tatsache, dass z.B. in Schnittmusterzeitschriften, Männerschnitte in viel weniger Größenschritten angeboten werden, als Frauenschnitte. Warum? Sind Männer weniger individuell? Und meistens ist es, wenn man genau hinschaut, erstaunlich, wie eng die „Männerwerte“ und die „Frauenwerte“ beieinander liegen. Meist unterscheiden sich die Schnitte darin, dass Männerschnittteile einfach ein wenig länger sind und insgesamt weniger „kurvig“. Aber diese Unterschiede sind oft erstaunlich überschaubar, wenn man den eigenen Blick einmal dafür schärft.

Aus dem Kinderbereich kenne ich einige Labels, die sog. „Echtgrößenschnitte“ erstellen. Hier misst man vorgegebene Werte aus, anhand derer man dann eine Größe bestimmt, die dann z. B. „G7“ bei einem breiten, hochgewachsenen Kind heißt und „H6“ bei einem schmalen, eher kleinerem Kind im gleichen Alter.
Die Werkzeuge für individuelle Schnitte, die nur den Körper sehen, nicht das Geschlecht, sind also eigentlich längst da – nur an der Umsetzung hapert es noch. Dabei ist ja eigentlich an sich genau das Großartige am Nähen, dass man auf Basis von individuellen Maßen ein Kleidungsstück schafft. Und das sind ja an sich erstmal Werte, die unabhängig vom Geschlecht zu sehen sind…
Strampler-Rückseite

Mir ist momentan nur ein (!) ausgewiesener Unisex-Schnitt für Erwachsene bekannt, und zwar das Shirt „Mika“, das man bei Makerist beziehen kann. „Mika“ ist quasi eine Auskoppelung einer Unisex-Kollektion, die im Rahmen einer Bachelorarbeit entstanden ist (ich werde das Shirt übrigens demnächst hier im Blog mal zeigen…).

Ansonsten schaut es im deutschsprachigen Raum düster aus – aber auch international ist es um das Thema „gender-neutral sewing“ eher ruhig.
Geschlechterneutrale Schnitte stellen einfach auch, wie so oft bei diesem Thema, sicher geglaubte Wahrheiten in Frage. Und darauf hat einfach keiner Lust :-)
Wie geht es Euch mit diesem Thema? Näht Ihr geschlechterübergreifend? Oder schüttelt Ihr angesichts von Unisex-Schnitte für Erwachsene den Kopf? Ich freue mich sehr auf Eure Meinungen – und natürlich Eure Verlinkungen!
Hier gehts lang:

Alles Liebe und einen schönen März wünscht Euch
Karin

10 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im März `19 – und ein Wort zu Unisex-Schnitten für Erwachsene

  1. Ich finde Unisex-Schnittmuster für Erwachsene tatsächlich eher sehr schwierig – so minimal sind die Unterschiede einfach nicht. Ich habe zwei oder drei gekaufte Männerkleidungsstücke, bei denen ich Druck oder Muster sehr schön fand und die musste ich deutlich ändern (ich seufze jedes Mal laut, wenn ich vor den Regalen mit Männer-T-Shirt stehe, weil ich die viel toller finde als die meisten Frauen-T-Shirts; ich hasse nämlich Blümchendrucke etc.)
    Unisex funktioniert dann eventuell, wenn es sehr weite, gerade fallende Kleidungsstücke sind. Frauen haben einfach deutlich schmalere Schultern, mehr Taille, breitere Hüften – die Teile müssten also an den Schultern für Frauen zu weit und an den Hüften für Männer zu weit sein, d.h. bei 99% der Bevölkerung sch*** sitzen. Davon mal ganz abgesehen, dass Männer im Schnitt deutlich größer sind als Frauen. Soll der Schnitt dann auf eine Durchschnittslänge von 1,65 m oder 1,80 m ausgelegt sein? Oder nimmt man den Mittelwert und sorgt dafür, dass die große Mehrheit der Kunden noch eine Längenanpassung durchführen muss?
    Wenn ich die heutigen Hobbyschneider/innen auf FB so sehe, nehme ich eine eher verschwindend geringe Bereitschaft wahr, Schnittmuster anzupassen und irgendwie erscheint es mir auch sinnlos, einen Schnitt anzubieten, der fast niemandem passt.
    Sprich: Schnittmuster sind m.M.n. einer der ganz wenigen Bereiche, bei denen es tatsächlich sinnvoll ist, nach Geschlechtern zu trennen. Nein, ich denke nicht, dass es bei locker geschnittenen Hosen, Jacken, Shirts keine Rolle spielt – ich habe alles aus o.g. Gründen bereits in der Männerversion anprobiert und es funktionierte definitiv überhaupt nicht. Hängt aber vielleicht auch von der eigenen Figur ab.
    Eine Freundin von mir ist 1,85 m und nicht sehr schmal gebaut; sie kauft in der Männerabteilung ein – aber sooo gut ist der Sitz halt nicht bei ihr, grad bei Hosen ist es sehr schwierig.

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  2. Da ich bei Kaufkleidung oft auf Männerkleidung angewiesen bin, bin ich bei Schnittmustern tatsächlich für Damenschnitte dankbar. Sie sitzen doch einfach besser. Wenn mein Mann ein T-Shirt braucht habe ich allerdings kein Problem einen einfachen Damenshirtschnitt zu verwenden. Auch bei einem einfachen Hoodie mag es noch funktionieren, aber ansonsten bin ich froh wenn es richtig passt.

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  3. Halte ich für ähnlich sinnvoll wie „One Size fits all“ – in der Realität passt es niemandem gut.
    Mützen, Handschuhe und sonstige Teile, die mit dem Torso nicht in Berührung kommen, nehme ich davon aus – das ist in Unisex-Variante möglich und ja durchaus auch zu kaufen.

    Einen Unisex-Schnitt, der den Torso (mit-)bekleidet, würde ich auf keinen Fall kaufen.
    Für androgyn gebaute Männer und Frauen kommt das vielleicht infrage – also Frauen mit wenig Oberweite und schmalen Hüften und schmalschultrige Männer: Personen, bei denen die geschlechtsspezifischen Unterschiede gering ausgeprägt sind – aber für die Mehrzahl der Menschen heißt Unisex-Schnitt „Schnitt, der schlecht sitzt“.
    Auch bei Jogginghosen ist die Hüftweite und das Taille-Hüft-Verhältnis für einen guten Sitz wichtig, auch bei Shirts die Schulterbreite und das Verhältnis Schulterbreite-Oberweite … wenn man formlose Oversize-Hoodies mag, bei denen die Passform wirklich überhaupt keine Rolle mehr spielt, mag ein Unisex-Schnitt eine Option sein. Aber sobald Passform in irgendeiner Form relevant ist, kommt man bei Kleidungsschnitten für Erwachsene um Anpassung an geschlechtsspezifische Körperformen nicht drumrum.

    Natürlich könnte man dasselbe Schnittdesign in zwei Versionen anbieten, für Männer und Frauen – aber Unisex-Schnitte? Nein danke, schlecht sitzende Schnittmuster gibts schon genug …

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  4. Das ist ein wirklich spannendes Thema! Ich bin noch nicht auf die Idee gekommen, mir Männerschnitte zu nähen (bei den Kindern mache ich das natürlich regelmäßig). Ich denke, hier ist der Unterschied an der Schulterbreite wahrscheinlich der Größte.

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  5. Ich schließe mich den obigen Kommentaren an – ich denke, die Körperformen sind da doch zu verschieden für gut sitzende Unisex-Kleidung. Ich hatte z.B. lange auch in Männerabteilungen nach einer kurzen Wanderhose gesucht, da mich bei den Damenmodellen meistens sowohl die Farben als auch die Schnitte (viel zu kurz / zu eng, keine funktionalen Taschen) gestört haben. Fündig geworden bin ich nicht, mein Taille-Hüft-Verhältnis hat für die Männergrößen einfach nicht gepasst. Unisex-Schnitte kann ich mir nur bei weiten T-Shirts bzw. Sweatshirts vorstellen.

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  6. Hmmm, ich habe darüber noch nie nachgedacht … vielleicht nähe ich zu wenig für Erwachsene, obwohl ich mir oft Schnitte angucke … Also ich bin eine Wuchtbrumme … überall breit , da passt schon kein Damenschnitt … allerdings wenn du es so sagst, ich habe traditionell für mich schon immer viel Männerklamotten gekauft. Vor allem bei Oberteilen … Pullis, Shirts und vor allem Jacken … aber ich mags auch eher weit und lege auf eine enge anatomische Passform keinen Wert … lol, sorry, aber es macht mir immer Freude über mich nachzudenken, bei deinen Gedankenanschubsern … ich habe also keine Ahnung, werde aber in Zukunft mal die Augen offen halten. Viele Grüße Ingrid

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  7. Liebe Karin, den Beitrag habe ich mir jetzt ein paar Tage durch den Kopf gehen lassen, und ich verstehe zwar den Wunsch und den Grundgedanken im Zusammenhang mit Unisex-Schnitten für Erwachsene, aber ich glaube, die Zielgruppe, die man damit erreichte, wäre unwirtschaftlich klein. Das Bild, das mir dabei immer wieder vor das innere Auge rückt, ist mein Klassenfoto aus der achten Klasse, auf dem ich mit 1,77 m in einem unförmigen Männerpullover, Männerturnschuhen und irgendeiner Jeans unglücklich in der hintersten Reihe bei den Jungs stehe. Für Kinder bin ich überzeugte Verfechterin von mehr geschlechtsneutralen Stoffen und Schnitten, aber am erwachsenen Körper kann ich mir das nicht vorstellen. Wenn ich sehe, welchen Stellenwert der Passform-Check in Probenähen einnimmt, dann müsste man davon ausgehen, dass die Leute sehr viel Zeit in die individuelle Anpassung eines Unisex-Schnitts investieren. Und das ist ganz sicher mehr Wunsch als Wirklichkeit.
    Liebe Grüße!
    Meike

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  8. Liebe Karin,
    das Unisexkonzept überzeugt mich für Schnittmuster nicht wirklich.
    So habe ich annähernd die gleiche Hüftweite wie mein Mann, ich kann auch in seine Hosen hineinschlupfen, aber sie passen mir trotzdem nicht. Nicht am Oberschenkel, nicht an der Taille, wo ich übermäßig Luft habe. Würde ich jetzt noch zur Hose passendes Sakko nehmen, das meinem Mann passt, wär das für mich an den Schultern um Häuser zu groß.
    Das kann meiner Meinung nach nur für sehr oversized geschnittene Kleidungsschnitte funktionieren.
    LG Elke

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