Regenbogenfamilien im Visier – Wut auf Bundesbildungsministerin Kaliczek!

Es war mal wieder soweit: Von höchster politischer Stelle gab es mal wieder einen Angriff der delikaten Sorte auf uns Regenbogenfamilien. Die Bundesbildungs(!)ministerin unseres Landes, Frau Karliczek, sagte in einem Interview mit dem Sender NTV doch tatsächlich, dass man dringend endlich eine Langzeitstudie initiieren müsse zur Frage, welche Auswirkungen gleichgeschlechtliche Elternschaft auf Kinder hat. Es gehe um die Frage, „ändert es grundsätzlich etwas“. Zugleich kritisierte sie, die „Ehe für alle“ sei vor gut einem Jahr überstürzt eingeführt worden.

Ich kann Euch kaum sagen, wie sehr ich innerlich brodle, wenn ich soetwas höre. Ich finde es unfassbar, dass eine Ministerin so diskrimierende Aussagen machen darf, ohne, dass man ihr umgehend ihr Amt wegnimmt. Denn: Natürlich gibt es mittlerweile eine große Anzahl an Studien zu Kindern in Regenbogenfamilien, die alle zum Schluss kommen, dass die sexuelle Orientierung der Eltern sich in keinster Weise negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirkt (es gibt sogar eine Studie, in der die Kinder aus Regenbogenfamilien im Vergleich zu denen aus Familien mit heterosexuellen Eltern besser abschnitten… :-) ).

Es ist also schon längst belegt, dass gleichgeschlechtliche Elternschaft nichts ändert. Weder grundsätzlich noch sonst wie. Und trotzdem wird nach wie vor dieser Homohass gestreut, Homophobie geduldet – und in diesem Fall sogar auf den Rücken der Kinder!

Wir sehen jeden Tag, wie sich unser Sohn entwickelt und dass er ein „ganz normales Kind“ ist. Jetzt könnte man sagen, dass unser Blick verstellt sei – den Vorwurf lasse ich mir gefallen (welche Eltern haben bitte keinen verklärten Blick auf Wunschkind?). Aber auch die Rückmeldungen aus unserem Umfeld, vom Kindergarten, der Kinderärztin oder von anderen Familien, decken sich mit unserem Eindruck.

Es ist total egal, welches Geschlecht wir Eltern haben. Kinder, die bei liebevollen Eltern aufwachsen, deren Bedürfnisse gesehen werden und die behütete Kinderheit erleben, werden wundervolle Menschen. Das belegt die Wissenschaft schon längst – und wer von Euch Regenbogenfamilien im Umfeld hat, hat es vielleicht auch schon selbst erlebt und beobachtet. Wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, sich nicht gesund entwickelt, hat das in der Regel Gründe, die nichts (und zwar gar nichts) mit dem Geschlecht bzw. der sexuellen Orientierung der Eltern zu tun haben. Und auch das ist in allen Familien so, mit und ohne Regenbogenfahne.

Und dass die Ehe für alle „überstürtzt“ eingeführt worden wäre, ist ebenso himmelschreiender Blödsinn wie die Forderung nach einer Studie. Zum damaligen Zeitpunkt waren mehr als 70 % der Bundesbürger für die Einführung. Die „Ehe für alle“ ist schon längst gesellschaftlicher Konsens, was aber nicht heißt, dass es keine Diskrimierung mehr gibt. Aber das steht wieder auf einem anderen Blatt (und habe ich z.B. hier ein wenig unterfüttert).

Wer uns Lesben und Schwule, wer unsere Kinder, meinen Sohn diskriminiert, ist hier aber ganz allein die Bundesbildungsministerin. Eine solche Aussage ist hochgefährlich. Solche Worte eines so hochrangigen Regierungsmitglieds sind Wind auf die Mühen der rechten Kräfte. Gerade die Partei mit dem C im Namen tut so, als würde sie „geradeaus“ in der Regierungsmitte fahren – und blinkt doch in einer Tour nach rechts. Und hier jetzt mal wieder auf Kosten der Homos und der Kinder homosexueller Eltern. Wie widerlich!

So, dieser wütende Beitrag, ganz ohne Nähwerk, musste jetzt mal sein.  Bleibt laut und wachsam und lasst Euch von solch bodenlosem Gerede nicht den Kopf verdrehen!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin


9 Gedanken zu “Regenbogenfamilien im Visier – Wut auf Bundesbildungsministerin Kaliczek!

  1. Du schreibst mir gerade von der Seele. Es ist unfassbar. Diese Aussagen haben rein garnichts mit rationalen Fakten, sondern einzig und allein mit dem ‚Bauchgefühl‘ das wir aus der Regierung ja schon kennen, zu tun. Zu behaupten die Ehe für alle sei überstürzt eingeführt worden und es hätte nicht genug Diskussionszeit gegeben oft wohl nach mind. 15 Jahren Debatte etwas lächerlich. Dieser Schrei nach immer neuen Studien zum Thema Regenbogenfamilien ist nichts anderes als ein Geständnis dafür, dass die Ergebnisse alter Studien nicht gefallen. Ein Aspekt an der ganzen Sache kotzt mich dann noch im Speziellen an und zwar, dass bei Pflegekindern plötzlich nicht mehr auf das Geschlecht der Eltern geguckt wird. Gleichberechtigtes Kinderbekommen und Adoptieren ist nicht drin, aber bei den Kindern aus nicht so guten Verhältnissen sind wir dann wieder gut genug und plötzlich sind die Bedenken vergessen. Dieses Messen mit zweierlei Maß ist einfach ekelhaft…

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  2. Hahahahahaha – überstürzt. Ja, klar. Ich bin ja schon froh, dass wir wenigstens noch im Mittelfeld sind und nicht das euopäische Schlusslicht sein werden, ist so schon ein bisschen albern und peinlich. Aber gut, Hauptsache, ist jetzt endlich mal soweit.

    Kennst Du eigentlich den Roman „Ein schönes Kleid“ von Jasper Nicolaisen? Da nehmen zwei Männer ein Pflegekind auf, und es wird Dich sicher kein Stück überraschen, wie liebevoll und vernünftig und stinknormal die kleine Familie ist – also jenseits des bürokratischen Irrwitzes drumherum -, aber es ist trotzdem wunderbar und sehr lustig zu lesen. Nur beim Ende find ichs ein bisschen viel, aber trotzdem ein ganz großartiges Buch.

    Liebe Grüße
    Maike

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  3. Liebe Karin, ich kann dich gut verstehen. Karliczek, das ist doch die Hotelfachfrau mit der grandiosen Eignung für ihren Posten als Ministerin. Ich sehe wie du, das solche Äußerungen in der aktuellen politischen Landschaft gefährlich sind. Das sollte ein Regierungsmitglied besser wissen. Für uns ist Familie da, wo geliebt wird und man füreinander da ist. Wir schätzen uns glücklich, dass unsere Kinder das auch im Freundeskreis als selbstverständlich erleben können und wir nicht nur auf Bilderbücher wie das vom Pinguin und seinen beiden Papas angewiesen sind. Und wir wünschen jeder Regenbogenfamilie einen starken Freundeskreis, der sich auflehnt, wenn eine Frau Karliczek solchen Mist von sich gibt. Alles Liebe! Meike

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  4. Ich bin auch fassungslos. Warum nochmal ist diese Frau für Bildung und Forschung in unserem Land zuständig? Zumindest haben alle Medien die ich so konsumiere mit Befremden über ihre Aussage berichtet und auf die vorhandenen Studien zum Thema hingewiesen.

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  5. Ich dachte auch ich höre nicht recht … sowas ist unverschämt und passt irgendwie in diese Zeit, in der alles irgendwie falsch oder richtig sein muss … sonst ist es für viele zu kompliziert … lasst euch nicht beirren … liebe ist alles was zählt! Liebe Grüße Ingrid

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