Des Kindes Streichelstoff „Experimente“ – oder: Wie viele Teile gehen aus einem Meter Stoff?

Ihr Lieben,

Stoffe-Shoppen macht mir am meisten Spaß, wenn ich weiß, dass das Stöffchen mit hoher Wahrscheinlichkeit Jubelstürme auslösen wird :-) .  So ging es mir mit einem Jersey im „Experimente-Design“, den ich Euch heute hier zeige. Kinder lieben Experimente – und auch unser Sohn macht aus jedem Becherchen ein Reagenzglas, verquirlt darin Spitzerabfall und Papierschnipsel, schraubt, schüttelt und sitzt am Ende mit unserem besten Küchensieb (ungefragt selbstverständlich) im Badezimmer, um zu überprüfen, welche spezielle Masse entsteht… Und ein Mikroskop steht selbstverständlich ganz oben auf der Wunschliste.

Also war klar: Der Experimente-Jersey von Lillestoff würde wahrscheinlich verdammt gut ankommen. Mein innerer Plan war, daraus einen Jersey-Hoodie zu nähen – ein Kleidungsstück, das hier sehr geschätzt wird und für das ich mit einem Meter gut auskomme.

Der Stoff löste noch größere Jubelstürme aus, als angenommen. Er wurde sofort bestaunt, gekuschelt und ungewaschen als Decke mit aufs Sofa geschleppt. Und ich bekam recht schnell die Order, daraus „ganz viele Sachen“ zu nähen.

Also warf ich meine Hoodie-Pläne über Bord, denn das wäre ja nur „eine Sache“ gewesen. Stattdessen versuchte ich, zwei Shirts zu basteln: Einmal ein schlichtes Longsleeve und dann noch ein T-Shirt, beides nach dem Schnitt „Paul“ von Pattydoo (der bewährt sich hier gerade).

Beim T-Shirt musste ich allerdings, damit es für ein ganzes reicht, eine Teilung einbauen. Hier konnte ich auch nicht darauf achten, wo denn die beste Stelle wäre: auf Brusthöhe, drunter oder drüber – die Teilung ist genau da, wo der Stoff endete… :-) . Der uni-ockerfarbene Kombistoff ist ebenfalls von Lillestoff. Um das Shirt ein wenig aufzupimpen, habe ich aus einem Verschnittrest noch ein kleines Brusttäschchen gebastelt, ähnlich wie bei diesem Shirt hier nach einem Schnitt aus einer La Maison Victor. Dieses Detail mit dem Kind, das durch das Mikroskop schaut, finde ich sehr niedlich (und lenkt von den leicht schiefen Nähten ab…).

Bei den Bündchen habe ich alles, was hier noch an „ockerfarben“ in der Bündchenkiste vorhanden war, herausgekramt. Ihr seht: Das Langarmshirt hat ein helleres Bündchen als das T-Shirt. Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, welche Kombination die schönere ist. Die Herbsttöne passen einfach irgendwie alle gut zusammen.

Aus dem allerallerletzten Rest Verschnitt, der noch übrig war, habe ich dann noch ein Halstuch gezaubert. Der „Schnitt“ ist von einem Kaufexemplar abgenommen und sehr praktisch, weil das Tuch durch die sehr lange obere Kante unkompliziert geknotet werden kann. Drei Teile sind nun also aus dem Meterchen Stoff entstanden – und unser Sohn liebt sie alle sehr. Das ist das größte Lob.

Zu guter Letzt komme ich aber nicht umhin, an dieser Stelle auch nochmal mal ganz kurz die „Genderbrille“ aufzusetzen (mir wird nachgesagt, dass ich diese immer dabei hätte..tsts…):
Das Design des Lillestoffs ist von SUSAlabim. Ihre Designs sind oft total großartig –  doch leider sind, meiner Empfindung nach, auch immer wieder „Katastrophendesigns“ dabei, bei denen die Geschlechterstereotypen sehr extrem bedient werden. Wenn ich mir „Experimente“ anschaue, wird schon auch deutlich, dass es sich hier um einen „Jungsstoff“ handeln sollte.

Naturwissenschaftliche Motive, dann noch auf blauen Grund – das ist eindeutig.  Ich nehme an, dass der Stoff aufgrund seines Motivs selbst in rosa-lila nicht als „Mädchenstoff“ durchgehen würde.  Denn die angebliche Wahrheit, dass Mädchen kein Talent für die Naturwissenschaften hätten, hält sich nach wie vor eisern in den Köpfen der Republik. Aber, und das will ich auch sagen: Auf diesem Stoff sind zumindest auch Mädchen als Forscherinnen abgebildet (die man an den getuschten Wimpern erkennt…dazu sag ich jetzt mal widerrum nichts). Ich freue mich trotzdem, dass hier beide Geschlechter im Labor hoffentlich gleichberechtigt arbeiten dürfen – auch wenn eindeutig die Jungs in der Mehrzahl sind.

Insofern setze ich die Brille wieder ab und hoffe einfach, dass der Stoff auch bei dem einen oder anderen Mädchen zu ähnlichen Jubelschreien geführt hat, wie bei unserem Sohn.

Ich wünsche Euch ein tolles Wochenende!
Karin

Schnitt: Kindershirt Paul von Pattydoo (Teilung und Brusttasche sowie Halstuch Marke Eigenbau)
Stoffe: Bio-Jersey „Experimente“ von Lillestoff (noch Reste z.B. auf Ebay erhältlich), Bündchen und unifarbener Kombistoff in ocker ebenfalls von Lillestoff
Linked @: Menschenskinder, Nähzeit am Wochenende, LilleLieblinks, Selbermachen macht glücklich

Es handelt sich bei obigen Blogbeitrag um einen redaktionellen Text. Ich stehe mit den genannten Firmen in keinerlei kommerzieller Verbindung; die Nennung der Namen/Marken erfolgt lediglich zur Information meiner Leserinnen, da ich dies selbst als wertvoll für den kreativen Prozess empfinde.


3 Gedanken zu “Des Kindes Streichelstoff „Experimente“ – oder: Wie viele Teile gehen aus einem Meter Stoff?

  1. Jetzt musst ich gleich mehrfach beim Lesen groß und fett grinsen, denn du hast so schön beschrieben, was dieser SToff auflöst. Auch hier war klar – den habe ich sogar extra bestellt und sogar so viel davon, dass er für mich reichen würde (dann gibts sicher Protest beim Junior). Aber auch ich habe ihn dann kritisch betrachtet und mich über manche Szenerien doch bisschen gewundert (z.B. die Wimpern :-)). Bei mir wird er sicher als Teil meiner neuen Schultasche verarbeitet – das passt einfach perfekt und sei es nur um auch einen „Mädchenstoff“ draus zu machen. Mit den „Mädchen und Naturwissenschaften“ – Vorurteilen kämpfe ich schon mein ganzes Leben … von Kindesbeinen an (erst für mich selber) und heute für die Schülerinnen (und natürlich auch Schüler). Liebe Grüße Ingrid

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Karin,

    ich finde den Stoff sehr schön und eigentlich total geschlechtsneutral. Viele Mädchen mögen sehr gerne blau und gelb wird doch eh gerne Mädchen zugeordnet (nicht, dass ich das genauso sehe, aber man sieht es ja im Geschäft).

    Ich habe den Stoff leider nicht, aber auf den Bildern, die ich davon gesehen habe, habe ich ein sehr ausgewogenes Geschlechterverhältnis gesehen. Die Wimpern finde ich überhaupt nicht schlimm, sondern eher gut, denn schließlich kann man auch in typisch weiblicher Kleidung Chemie studieren, im Labor dann halt mit angemessener Kleidung, um die Sicherheit nicht zu gefährden. Interessanter Weise gibt es in Spanien und Italien mehr Naturwissenschaftlerinnen, als in Deutschland und die sind meistens sehr weiblich zurecht gemacht.

    Meiner Meinung nach, kommen wir beim Thema Frauen in MINT- Fächern erst weiter, wenn das „Mannweib“-Vorurteil aufhört.

    Ich bin selber Physikerin und fast immer ungeschminkt, finde es aber schön inzwischen in einer Umgebung als Vorgesetzte zu arbeiten, in der ich trotz technischem Umfeld auch Röcke und Kleider tragen kann und trotzdem ernst genommen werde. Das fehlte mir im Studium. Vorher habe ich sehr gerne Kleider getragen, im Studium habe ich es mir dann komplett abgewöhnt und erst in einem Berufsumfeld, das nur zur Hälfte aus NaturwissenschafterInnen besteht, traue ich mich wieder zu tragen, was mir gefällt.

    Entschuldige bitte den langen Kommentar, aber das Thema Frauen in MINT-Fächern gehört zu meinem Alltag, der sich auf meiner Karrierestufe sehr männlich dominiert zeigt und ich frage mich häufig warum das so ist bzw. warum sich so wenige Frauen etwas zutrauen.

    Liebe Grüße,
    Kerstin

    Gefällt 1 Person

Danke für Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.