Menschen(s)kinder im November – und ein Wort zu geschlechtergerechten Kinderschuhen

Ihr Lieben,

ich begrüße Euch zu einer neuen Runde „Menschen(s)kinder“ – schon der vorletzten in diesem Jahr. Auch die Kinderkleidung wird nun deutlich kuscheliger, das hat man auch schon im Oktober beobachten können. Ihr habt wieder so viele schöne Sachen gezeigt, tolle Stoffe, überraschende Schnitte – jede Sammlung ist auf Neue eine große Inspirationsquelle! Und natürlich auch die Geschichten zu Euren Werken berühren mich,

Besonders klasse fand ich im Oktober:

  • Die Sternenjacke von „Kleine Stöpsel“, die so wunderbar die „Kinderhandschrift“ trägt
  • Den wunderschönen Faultier-Quilt von „mit Schönheitsfehlern“ oder auch
  • Den süßen Strampler von „Hummelchens Blog“

Diese und 39 weitere Verlinkungen waren großartig – ich danke Euch sehr fürs Mitmachen!

Natürlich wird in den kommenden Wochen nicht nur die Kleidung wärmer – sondern auch die Schuhe. „Schuhe kaufen gehen“ ist für viele Familien ein verhasster Pflichttermin zum Saisonwechsel. Das weiß ich auch aus vielen Kommentaren von Euch: Das Thema „Schuhe“ bringt viele von Euch auf „180“. Und deshalb will ich heute mal kurz den Fokus auf das Thema „Schuhe“ lenken.

Nicht nur, dass man für „gute Kinderschuhe“ oft ein Vermögen anlegen muss; nein: das Kinderschuhangebot ist nur so übersät von hässlichen, schrecklichen, gesundheitsgefährdenden und natürlich geschlechterstereotypen Modellen. Viele von Euch schreiben mir, wie sehr es Euch nervt, dass es für Jungs nur dunkle, klobige Modelle gibt; und für Mädchen rosa, lila, immer mit Glitzer und gerne- und das finde ich unglaublich, mit Absatz (!) (das ist im Sommer wohl noch schlimmer als im Winter…)! 98 Prozent der Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt, aber nur vier von zehn Erwachsenen stehen auf gesundem Fuß. Da läuft also echt so einiges schief…

Um mal kurz bei den Mädchenschuhen zu bleiben: Ehrlich gesagt finde ich es nicht nur aus  gesundheitlichen Gründen fatal, Mädchen Schuhe mit Absatz anzuziehen. Sondern es vor allem auch gefährlich! Es ist eine „alte Weisheit“, die Frauen in Selbstverteidiungskursen als erstes lernen: Aus einer Gewaltsituation kann nur schnell weglaufen, wer Schuhe ohne Absatz anhat (und das beweisen auch alle Statistiken: Frauen mit flachen Schuhen werden wesentlich seltener Opfer von Gewalttaten. Für Täter spielt es eine große Rolle, wie schnell und sicher jemand (weg)laufen kann…). Unter diesem Aspekt sollten wir Mädchen nur Schuhe ohne Absatz anziehen – mit sicherem Stand.

Bei Jungs ist die Sachlage anders. Meiner Einschätzung nach ist es hier problematisch, dass viele Schuhe viel zu breit, zu schwer und zu klobig sind. Hauptsache „männlich“ eben… Unser Sohn mag auch auf Schuhen keinen Kampfhund, keinen blutrünstigen Dinosaurier oder kämpfende Monster. Schlicht, leicht und bequem – das wünscht er sich. Und ich glaube, so geht es ganz vielen…

Ich frage mich mal wieder: Warum kann die Industrie nicht geschlechterunabhängige Schuhe für Kinder herstellen?  Was wir brauchen, sind Schuhe für Kinder mit schmalen Füßen, Schuhe für Kinder mit breiten Füßen, in Designs, die beide Geschlechter gut tragen können.
Es gibt ganz, ganz wenige Hersteller, die in diese Richtung denken. Aber gerade die sind dann – oh Wunder – so hochpreisig, dass sie nur für eine gewisse Elternschicht in Frage kommen.

Wie löst Ihr das Schuh-Problem? Gibt es Marken, auf die Ihr schwört? Welche Rückmeldungen bekommt Ihr von Euren Kindern zu den Designs der Schuhe? Ich freue mich sehr, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen schreibt!

Das Shirt, das Ihr heute hier bewundern dürft, ist kürzlich nach klaren „Designangaben“ des zukünftigen Trägers entstanden. Möglicherweise erkennt Ihr ein Muster: Lieblingsfarbe mint, mit Tieren und mit Bündchenabschluss. Das ist ihm lieber als (wortwörtlich!) ein „Saum mit der Zwillingsnadel“.  Es geht doch nichts über fundierte Nähfachkenntnisse bei Fünfjährigen…

In diesem Sinne wünsche ich Euch gute Nerven beim Schuhkauf, viel Freude beim Nähen von kindgerechter Kuschelkleidung und freue mich sehr auf Eure Verlinkungen! Hier geht’s lang:

Alles Liebe,
Karin

Schnitt: Kindershirt Paul von Pattydoo
Stoff:  Bio-Jersey von Stoffonkel, Design von „Muttu Ralla“ (ähnlich noch online zu finden)
Plüschkatze:  Fa. Trudi :-) (Eine enge Begleiterin seit Säuglingszeiten…ihr Name: „Minki“)
Linked @: Selbermachen macht glücklich

Es handelt sich bei obigen Blogbeitrag um einen redaktionellen Text. Ich stehe mit den genannten Firmen in keinerlei kommerzieller Verbindung; die Nennung der Namen/Marken erfolgt lediglich zur Information meiner Leserinnen, da ich dies selbst als wertvoll für den kreativen Prozess empfinde.

9 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im November – und ein Wort zu geschlechtergerechten Kinderschuhen

  1. Hallo Karin :) Danke für das verlinken meines Stramplers. Ist es nicht komisch, dass mensch mit seinen selbstgemachten Werken immer sehr viel unzufriedener ist, als die Anderen? Ich freue mich gerade wirklich sehr von dir eine so positive Resonanz bekommen zu haben, eben weil ich mit dem fertigen Strampler nicht so ganz zufrieden war :) Das hilft mir daran zu arbeiten über solche Dinge auch mal hinweg zu schauen…
    Das Schuhthema betrifft uns ja noch nicht, aber ich bemerke das von dir angesprochene Phänomen auch in anderen Bereichen sehr oft. Erst gestern waren das Hannibaellchen und ich erst im normalen Supermarkt und dann im Bio-Laden und da sage ich noch zu ihr (mit Blick auf das Süßigkeitenregal), dass mensch in den Bioladen muss, um nicht an jeder Ecke mit geschlechtsspezifischen Süßigkeitenverpackungen konfrontiert zu werden. Sowas wie ‚Mädchen-ü-Eier‘ oder Nikolaustüten in rosa und blau gibt es da überhaupt nicht nicht. Klar kann mensch auch im normalen Supermarkt noch geschlechtsunspezifische Süßigkeiten kaufen, aber die Anzahl derer die extra für Jungen* ODER Mädchen* gemacht werden, nimmt in meiner Wahrnehmung immer weiter zu… Wusstest du übrigens, dass die Mädchen-Ü-Eier nicht hergestellt wurden, um Mädchen gesondert anzusprechen, sondern weil sich Eltern beschwert hatten, dass ihre Jungs in den Ü-Eiern auch manchnal ‚Mädchensachen‘ hatten und die Firma die Armen Jungs vor diesen Situationen schützen wollte? Naja, ich schreibe wieder zu viel ^^ Ich wünsch dir deshalb jetzt noch schnell einen schönen Tag und freu mich auf deine ersten Strickpulli-Bilder! Liebe Grüße!

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  2. Danke für den wieder zum Denken anregenden Beitrag, schon lange beobachte ich auch folgendes bei unserem fast 2 Jährigen: Ich habe 3 paar Herbstschuhe Second Hand gekauft, 2 in dunklen Blautönen, beige und grün und ein paar einfarbig rotes. Ich lasse ihn immer aussuchen, welche er anziehen will, es sind immer die Roten. Es steht ihm soo gut!

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  3. Liebe Karin, unserem Sohn passen seit dem ersten Winterschuhkauf die Superfit. Die sind aus meiner Sicht recht schlicht, keine Bilder drauf, schwarz mit Highlights in einer anderen, meist leuchtenden Farbe. Die kommen auch deshalb bei dem Lauser so gut an, weil er hier seine Lieblingsfarben findet – orange und neongelb hat er sich bislang immer ausgesucht. Schuh kaufen dauert keine 10 Minuten bei uns und an der Kasse lockt immer ein Luftballon. Den sucht er dann in orange oder lila aus :-) Alles Liebe! Jana

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  4. Liebe Karin,

    das Schuhthema beschäftigt uns auch schon lange. Unsere Tochter brauchte von Anfang an aus bestimmten Gründen Schuhe, die ihr guten Halt geben, möglichst über den Knöchel gehen und zum Schnüren sind (um sie besser an Fuß und Bein anzupassen). Dazu im Material nicht zu fest und klobig, sonst funktioniert das mit dem Anpassen durchs Schnüren nicht. Ist natürlich für alle Kinder wünschenswert, aber in diesem Fall … egal, das ist nix fürs Internet. Die Auswahl ist da jedenfalls relativ gering und spielt sich fast ausschließlich im höherpreisigen Bereich ab. Uns bleibt da nichts anderes, als in den sauren Apfel zu beißen und halt zuzusehen, dass wir das Geld an anderer Stelle sparen. Wir haben inzwischen eine Marke gefunden, bei der ich mich drauf verlassen kann, dass die Schuhe passen. Da schaue ich auch manchmal, ob ich vielleicht heruntergesetzte Modelle vom Vorjahr finde oder so. Wenn die dann rosa-glitzerig und kitschig sind, ist es mir mittlerweile fast egal. Hauptsache, die Schuhe sitzen gut, ich kann sie bezahlen, und die Tochter zieht sie auch an.

    Inzwischen müssen wir nicht mehr ganz so streng drauf achten, deshalb habe ich der Tochter letzte Woche, als sie neue Hausschuhe brauchte, am Schuhregal mal fast freie Wahl gelassen (der Kindergarten verlangt Hausschuhe mit fester Sohle und Klettverschluss). Am liebsten hätte sie interessanterweise ein Paar ganz schlichte, dunkelblaue Hausschuhe ohne irgendwas drauf genommen. Das waren aber die billigsten, die es überhaupt gab, und da war die Passform dann leider doch inakzeptabel. So hat sie sich schließlich für ein Paar dunkelblau-pinke Ballerina-Hausschuhe mit Glitzer und Schleifchen und Pailletten entschieden und für ein Paar jeansblaue Hausschuhe mit roten Rennautos und Hotwheels-Schriftzug drauf. Die Schleifchenschuhe wollte sie für zuhause nehmen und die Autoschuhe für den Kindergarten. Die Schuhverkäuferin meinte seufzend, ja, die Mädchen hätten heute halt ihren eigenen Geschmack, da müsse man dann eben auch mal solche Autoschuhe kaufen. Und ich war total stolz auf meine kleine Große, dass sie noch nicht in diesen Klischee-Kategorien denkt und sich aussucht, was ihr gefällt.

    Als ich sie ein paar Tage später aus dem Kindergarten abgeholte, erklärte sie mir nachdrücklich, ihre Hausschuhe seien Mädchen-Hausschuhe. Ich antwortete, dass sie wunderschöne Kinder-Hausschuhe habe, die von Mädchen UND Jungen getragen werden könnten. Daraufhin erzählte sie ganz aufgebracht, dass ein Junge aus ihrer Gruppe gesagt habe, sie trage Jungen-Hausschuhe. Aber ihre Autoschuhe seien Mädchen-Hausschuhe! Ich bin gespannt, wie es beim nächsten Schuhkauf weitergeht!

    Liebe Grüße
    Victoria

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  5. Liebe Karin, das Schuh-Thema triftt bei mir gerade einen Nerv. Wir kaufen Schuhe immer im Fachgeschäft, lassen uns zur Passform beraten und haben deshalb in der Regel höchstens zwei verschiedene Paare zur Auswahl. Schuhe mit Motiven hatten wir noch nie. Wenn wir den Großen aussuchen lassen, hat er immer grüne Schuhe, weil das seine Lieblingsfarbe ist, dem Kleinen geht es mehr um die Art der Schuhe („Rennschuhe“, „Schneeschuhe“, „Kletterschuhe“). Nachdem aber beide Kinder diesen Sommer in guten, teuren Sandalen (bunt, unisex) immer wieder Blasen hatten, habe ich mich überwunden und ihnen schweineteure Barfußschuhe von VIVOBarefoot gekauft, und zwar nicht online, sondern im Laden. Innerhalb von sechs Wochen haben wir die Teile dreimal zurückgebracht bzw. umgetauscht, weil sich durch einen Produktionsmangel bis zu 90 Gramm Sand in der Schuhsohle eingelagert haben. Das ist also auch keine Option mehr. Langsam bin ich ratlos. Für den Winter sind wir aber immerhin schon gerüstet: Ein Kind hat die Superfit-Stiefel, die auch Tante Jana beschreibt, eins hat graue Stiefel mit lila Verzierungen und Glitzerstern. Letztere finde ich großartig. Ich lese also hier weiter mit und hoffe auf andere Tipps und Erfahrungen für den Frühling…
    Liebe Grüße!

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  6. Kinderschuhe…
    Ich verstehe das Drama um den Preis nicht so richtig. Ich habe jetzt zwei Paar Schuhe für meine Tochter kaufen „müssen“, beide im Fachgeschäft mit super Beratung und Service, beide für 50 bis 60 Euro. Und das finde ich ehrlich gesagt angemessen! Klar, mensch kann sagen „weniger Material“ als bei den Großen, also auch geringerer Preis? Aber jede/r von uns Nähenden weiß doch auch, wie fummelig die kleinen Größen zu nähen sind. Da sitze ich an Kinderkleidung genauso lange wie an der für Erwachsene. Und bei den Schuhen ist das vermutlich nicht anders. Und klar, die Kids wachsen schnell aus den Schuhen wieder raus, aber das ist ja kein Argument um dem Hersteller die Produktionskosten nicht zu ersetzen. Ob die angemessen sind, ist dann die andere Frage, aber das ist bei Schuhen für Erwachsene ja auch so…
    Und was die Farben angeht, im Schuhladen meines Vertrauens war alles dabei, vom schrecklichen Klischee bis hin zum herrlich neutralen. Alles gute Qualität und in meinen Augen, fairer Preis. Meine Tochter hätte mit ihren damals 15 Monaten übrigens gerne ein Monstrum in Pink,Lila und Glitzer gewählt. Die waren aber nicht Herbsttauglich und ich konnte sie auf Grau mit Pinken Nähten und Schnürsenkeln „runter handeln“.
    Ich bin gespannt, was sie als nächstes auswählen wird, mit jetzt 17 Monaten hat sie schon die eine oder andere Vorliebe im Kleiderschrank…
    Zum Thema Schuhe könnte ich jetzt noch was zu billig und schlechten Produktionsbedingungen sowie mangelnder Nachhaltigkeit schreiben, aber mein Kommentar ist so schon viel zu lang geworden :-)
    Ich hoffe, ich konnte eine andere Sicht auf den Preis beisteuern :-)
    LG und weiter so, ich lese deinen Blog sehr gerne und mag gerade deine politischen Beiträge besonders!
    Verena

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  7. Also ich kaufe für das Kind, fünf Jahre und inzwischen bei Größe 34 …. immer noch oft gebrauchte Schuhe oder aus Restposten vom Vorjahr. Bei uns passen Superfit prima und auch Geox .. bei beiden Marken gibt es neutrale und normale Schuhe. Viele andere Marken sind meinem Kind zu klobig oder haben vorn so eine dicke Kante (da kann man nicht rennen oder klettern und bleibt im Wald überall hängen) … oder dann gibt es komische Motive etc. Wir haben auch das Problem, dass in der Größe die einfach anzuziehenden Schule rarer werden. Bei den gebrauchten Schuhen lohnt es sich wirklich zu schauen, da wir schon oft welche gefunden haben, die kaum getragen waren.liebe Grüße Ingrid

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  8. Liebe Karin, ich hab das Schuhproblem ja bei der letzten Linkparty kurz angerissen und schildere daher nur kurz unsere Lösung: Wir kaufen bei Winterstiefeln schlichtes, skandinavisches Design gebraucht – ich kann einfach nicht hingucken, wenn ein nagelneuer Schuh für 100 Euro mit Laufrad, Roller und Co runtergerockt wird und mir ist auch der Preis einfach zu hoch. Mit drei Jahren will ich mein Kind auch noch nicht permanent darauf hinweisen, dass es auf seine Schuhe aufpassen muss – das kommt noch früh genug. Glücklicherweise gibt es scheinbar genug Kinder, deren Schuhe man noch eine zweite Saison tragen kann ohne dass es so aussieht, also wurden wir bisher immer fündig.
    Sandalen hatten wir letzten Sommer von Birkenstock, da ist bei Bedarf auch „bunt ohne hässlich“ erhältlich und die Schuhe gibt es in unterschiedlichen Breiten.
    Statt klassischer Halbschuhe greifen wir auf Sneakers zurück, da findet man schon auch farbenfrohe Modelle ohne Fußbälle, Monstertrucks und Aliens – auch wenn selbige natürlich auch hier präsent sind.

    Liebe Grüße
    Änni

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