Das Näh-Nerd-Interview mit Ines vom Blog Nähzimmerplaudereien

Ich freue mich sehr, dass ich heute ein weiteres „Näh-Nerd-Interview“ präsentieren kann, und zwar mit Ines vom Blog „Nähzimmerplaudereien„. Ines ist 47, lebt im süddeuschen Raum, näht seit ungefähr 40 (!!!) und bloggt seit gut dreieinhalb Jahren. Ich bin immer wieder sprachlos, welche Bandbreite von Nähwerken Ines auf ihrem Blog zeigt: Kleidung aller Colour für sich und ihre Familie, Modern Quilting, Taschen… Und was mich sehr fasziniert: Ines ist eine wahre Künstlerin an der Nähmaschine. Ihre Werke, egal ob kleines Kissen, ein komplizierte Bluse oder ein riesiger Quilt, sind sowohl vom Design her als auch nähtechnisch immer eine Augenweide. Neben all Ihrer Nähkust ist Ines übrigens noch dreifache Mutter von vier Söhnen zwischen 12 und 18 Jahren und als Dipl. Ökonomin selbstständige Unternehmerin. Freut Euch also nun auf das Interview mit einer sehr intelligenten, nähbegeisterten und inspirierenden Person!

Liebe Ines, wie schön, dass ich dieses Interview mit Dir führen darf!

Hallo liebe Karin – wie schön, dass Du mich eingeladen hast und wir heute einen kleinen Plausch miteinander halten.

Fangen wir gleich mal direkt mit dem Thema „Nähen“ an: Magst Du erzählen, welche Art von Nähobjekt Du am liebsten nähst?

Hm, ich nähe eigentlich alles gleich gern: Kleidung, Patchwork, Taschen und was mir sonst noch so einfällt. Was ich so gar nicht mag, sind Flickarbeiten, aber auch die müssen halt manchmal sein.

An welchem Nähprojekt arbeitest Du denn gerade, was ist geplant?

Vor kurzem habe ich den letzten meiner 100 Blöcke (für die #100days10blocks auf Instagram) fertiggenäht. Danach habe ich ein Shirt für mich genäht und jetzt nähe ich verschiedenes für die Paddeltour meiner Männer: Sonnenhüte, Bootstaschen, Hosen kürzen und eine Halterung, damit sie mit ihren Isomatten sitzen können.

Und welchen Arbeitsschritt beim Nähen liebst Du am meisten?

Ich mag eigentlich alle einzelnen Schritte. Schon das Zusammenkleben eines Schnittes bzw. das Abpausen, danach den Zuschnitt, eventuelles Heften und wie dann Naht für Naht das Ganze entsteht. Ich nähe gerne Reißverschlüsse ein und nähe gerne Knopflöcher. Eine Handnaht zum Abschluß eines Projektes finde ich auch schön, da habe ich das Ganze nochmals richtig in der Hand.

Bist Du jemand, der immer an einem Objekt bleibt oder arbeitest Du an mehreren Nähprojekten gleichzeitig?

Ich nähe meist ein Projekt fertig. Das war jetzt bei meinem 100-Blöcke-Projekt echt doof, da ich auf meinem Nähtisch nichts anderes haben wollte, bis ich die 100 Blöcke fertig hatte. Beim Patchwork ist bei mir allerdings die Gefahr, dass die Einzelteile anschließend in einer Kiste verschwinden. Davon habe ich mittlerweile 4 Kisten und die stören mich schon. Ich habe mir fest vorgenommen, dass zuerst diese Kisten zu jeweils einem Top und einem fertigen Quilt genäht werden, bevor ich wieder etwas anfange.

Beim Kleidungsnähen nähe ich immer fertig oder entsorge das Teil, wenn es absolut nicht passt oder ein Probeteil war. Da habe ich eigentlich weder Zugeschnittenes noch Halbfertiges rumhängen. Eher Kisten, in denen das komplette Material samt Schnitt auf das Nähen wartet. Aber wenn die Kiste dann hervorkommt, nähe ich das Projekt auch komplett fertig.

Du bist ja eine Näherin, die in vielen „Näh-Bereichen“ zu Hause ist: Kleidung, Modern Quilting, Taschen…: Was macht Dir am meisten Spaß? Oder hast Du im Grunde keine Vorlieben?

Ich brauche die Abwechslung. Die Konzentration, die ein Foundation Paper Piecing-Projekt erfordert, muss ich mit einer Sache ausgleichen, bei der ich nicht nachdenken muss, wie bspw. einem Shirt. Und nach etwas so kleinteiligem wie einem Geldbeutel brauche ich etwas „Großes“, das richtig Stoff verbraucht. Und manchmal krame ich auch noch ein Strickzeug raus.

Ganz viel Spaß macht es mir, wenn ich ein Geschenk für jemand nähen kann – und ich freie Hand habe, was Stoff und Muster angeht. Vielleicht gefällt mir deshalb das Patchworken so, weil ich endlich schöne selbstgemachte Sachen wie Quilts, Kissen oder Täschchen verschenken kann. Das war, als ich nur Kleidung genäht habe, nur ganz selten so.

Lass uns ein bisschen über das „Stoffe kaufen“ sprechen: Kaufst Du „projektbezogen“ oder hast Du einen Vorrat an Stoffen zu Hause?

Meine Bekleidungsstoffe habe ich alle projektbezogen gekauft – aber da immer andere Projekte dazwischen kamen, haben sich da mittlerweile viel zu viele angehäuft. Das steht im Herbst ein großes Ausräumen an. Bei Patchworkstoffen habe ich zwar auch einen gewissen Vorrat, den möchte ich aber so haben. An Kunstleder, Unistoffen und Kurzwaren habe ich auch einen Vorrat – da freue ich mich immer dran, wenn ich ein Projekt im Kopf habe und es schnell umsetzen kann.

Wenn Du jetzt von mir den Auftrag bekämst, für 150 € online Stoffe und Nähzutaten zu shoppen, und zwar binnen der nächsten 10 Minuten: Wo würdest Du den Warenkorb befüllen und womit?

Da würde ich bei „Quiltmania“ oder „Fadengerade“ einkaufen. Entweder einen Quiltkit oder von den „Ombre Confetti Metallic“ von jeder Farbe ein Stück oder ein FatQuarter Paket oder… Ich kaufe online keine Bekleidungsstoffe, sondern nur Patchworkstoffe und Kurzwaren.

Magst Du uns ein bisschen was über Deine Nähmaschine(n) erzählen? Worauf nähst du, liebst Du sie, würdest Du sie bzw. die Marke empfehlen?

Das könnte jetzt länger dauern… :-) Wer schon mal mit mir genäht hat, weiß, dass ich von meiner Bernina Aurora 450 schwärme. Diese Maschine habe ich mir vor einigen Jahren gekauft, nachdem meine alte Bernina, die ich als Teenager bekam, an ihre Grenzen kam. Sie näht einfach klasse, hat mittlerweile einiges an Zubehör wie Obertransport, Bandeinfasser, Paspelfuß und einen BSR-Fuß, das einfach nur toll ist. Sie lässt sich ruckzuck einfädeln, der Nähfuß ist mit einem Handgriff ausgetauscht – ich mag sie einfach (ich habe allerdings immer nur mit Bernina-Nähmschinen genäht und bin unfähig, an einer anderen Maschine einzufädeln, geschweige denn, den Nähfuß zu wechseln – das sorgt dann immer für Kopfschütteln und Schmunzeln bei gemeinsamen Nähen…)

Als ich mehr für meine Jungs nähen wollte, habe ich mir eine Babylock Enlighten (eine Overlock) gekauft – da stimmt der Stofftransport und die Spannung eigentlich immer und erfordert kaum Veränderungen bei den Einstellungen. Die ist ruckzuck ohne Verknoten eingefädelt, das Messer ist mit einem Griff abgeschaltet und sie näht einen wunderschönen Rollsaum.

Vor vielleicht zwei Jahren habe ich mir eine Elna Easycover gekauft. Da habe ich nicht zum Oberklassemodell gegriffen, da eine Cover eigentlich „Luxus“ ist, aber schöne Nähe in dehnbaren Stoffen näht. Manchmal muckt sie, aber dank ihr bekomme ich ein Shirt wirklich an einem Nachmittag ordentlich genäht.

Und meine witzigste Maschine ist eine alte Pfaff 260 im Einbaumöbel, die ich mir vergangenen Winter gebraucht gekauft habe. Die kommt zum Einsatz, wenn die Bernina im Kundendienst ist oder ich ständig mit zwei verschiedenen Farben nähe.


Woher beziehst Du in der Regel die Schnittmuster, nach denen Du nähst? Gibt es Labels, bei denen Du praktisch jeden Schnitt blind kaufst?

 

Ich nähe ja seit vermutlich 40 Jahren. Da gab es v.a. Burda und Neue Mode-Schnitte, die man gekauft hat. Und dieses dünne Papier fand ich damals sehr ungemütlich. Daher bin ich ein großer Fan der Ebooks, die ich selbst ausdrucken oder plotten lassen kann. Aber in diesem Jahr habe ich mir tatsächlich wieder zwei Burda-Schnitte gekauft – da kamen schon fast nostalgische Gefühle auf.

Aus Zeitungen nähe ich nur ab und zu. Beim Label „Lillesol & Pelle / lillesol Woman“ weiß ich, dass mir die immer passen – aber ich habe auch da nur die Schnitte, die zu mir passen.

Kommen wir zur inspirierenden Literatur: Gibt es denn eine Nähzeitschrift, die Du schätzt und regelmäßig kaufst? Was hältst Du von Näh-Büchern? Wie viele stehen in Deinem Bücherregal?

Die ersten La Maison Victor-Hefte habe ich alle, aber die letzten waren nicht mehr so meins und ich habe sie nicht mehr gekauft. Ottobre-Kinderzeitungen habe ich einige – das sind ja im Prinzip Klassiker. Mir selbst passen die  Frauen-Schnitte leider nicht so. Nähbücher habe ich einige, aber hauptsächlich übers Patchworken und Taschennähen.

Lass uns zuletzt noch kurz auf die Nähbloggerwelt schauen: Was muss ein Näh-Blog haben, dass es auf Deine Follow-Liste kommt?

Ein Nähblog muss für mich „authentisch“ sein. Ich mag das Gefühl nicht, wenn ich nur als Konsument gesehen werden („kauf‘ diesen Stoff, kauf‘ jenen Schnitt“). Ich mag mitgenommen werden und sehen, wie sich ein Projekt entwickelt. Ich mag auf Blogs Anregungen bekommen. Und ganz wichtig ist der Austausch. Wenn ich dreimal auf einem Blog kommentiere und bekomme weder eine Antwort oder die Bloggerin schreibt bei mir niemals einen Kommentar, rutscht dieser Blog in Richtung „schau ich mir bei Bedarf an“, aber intensiv wird da die Beziehung nicht. Da ich Blogs über Bloglovin lese, kann ich schon in der Übersicht nur die Blogartikel anwählen, die mich interessieren.

Wie hältst Du es mit dem internationalen Surfen: Folgst Du auch internationalen Blogs?

Beim Patchworken kommt man um englischsprachige Blogs nicht drumrum. Aber da mein Englisch nun wirklich nicht berauschend ist, überfliege ich die Beiträge meist. Zum Glück habe ich mir mittlerweile ein Fachvokabular angeeignet – es wird also etwas besser. Bei Kleidungsblogs bin ich bei fremdsprachigen Blogs noch nicht so richtig angekommen – vielleicht auch, weil ich eher klassische Schnitte mag und nicht so die hippen Sachen nähe. Ich komme mit den Schnittmustern auch nicht so zurecht, v.a. wenn da die Nahtzugabe dabei ist. Wenn die dann überall gleich ist, wäre das ja in Ordnung. Aber wenn ich immer die Anleitung neben mir liegen haben muss, damit ich die richtige Nathzugabe erwische – das ist nicht so meins.

Zum Abschluss: Welchen Tipp gibst Du einer Anfängerin mit auf den Weg, die gerade überlegt, mit dem Nähen zu beginnen?

Wenn Du Lust hast: Stoff kaufen und ausprobieren. Und wenn es wirklich Deines ist: kauf eine ordentliche Nähmaschine, guten Faden, viele Stecknadeln, ein gutes Bügeleisen und probiere verschiedene Schnitte aus. Und dann bau das Bügeleisen gleich neben der Nähmaschine auf – Bügeln ist beim Nähen der halbe Erfolg.

Liebe Ines! Herzlichen Dank, für den tollen Plausch und danke, dass Du Dir für das Näh-Nerd-Interview Zeit genommen hast!

 

 

Das Urherberrecht der gezeigten Bilder liegt bei Ines vom Blog „Nähzimmerplaudereien“. Dieser Blogpost ist ein redaktioneller Beitrag. Zu den genannten und verlinkten Firmen und Produkten besteht keinerlei kommerzielle Verbindung.


2 Gedanken zu “Das Näh-Nerd-Interview mit Ines vom Blog Nähzimmerplaudereien

  1. Liebe Karin,
    danke für das nette Interview mit Dir! Ich bin sehr froh darüber, nette, inspirierende und kreative Frauen wie Dich über das Bloggen kennengelernt zu haben!
    Liebe Grüße
    Ines
    PS: Spendierst Du mir noch einen Sohn in Deiner Beschreibung? Ich habe vier davon….

    Gefällt 1 Person

  2. Schön, dass es wieder Interviews gibt, da bekommt man immer einen Blick hinter die Kulissen. Und vor allem die Herangehensweise wie unterschiedlich die Einkausgewohnheiten zu Schnitt und Stoff ist, ist spannend. Ich finde es auch gut, dass es jetzt nicht die „grossen“ Blogger sind die eh immer und überall schon Interviews gegeben haben.
    Ich freue mich auf die nächsten Interviews.
    lg Sabine

    Gefällt 1 Person

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