Mein Kranich-Urlaubs-Shirt – und ein Wort zu lesbischer (Urlaubs-)Freiheit

Ihr Lieben, „Ich packe meinen Koffer“ heißt es heute beim Me-Made-Mittwoch – und gerne bin ich mit meinem „Kranich-Shirt“ – dazu gleich noch mehr –  mit von der Partie und erzähle ein bisschen von „meinem“ Urlaub. Den nutzen wir als Regenbogenfamilie nämlich gerne auch dazu, ein bisschen aus der „Heterowelt“ auszubrechen.

Wir leben in einer heterosexuellen Welt. Egal, in welcher Lebenssituation: Es wird immer angenommen, dass das Gegenüber heterosexuell lebt, denkt und fühlt. Sieht eine neue Arbeitskollegin meinen Ehering, erkundigt sie sich nach meinem Mann und ob wir Kinder hätten – dass ich lesbisch sein könnte, kommt in ihren Gedanken nicht vor. „Heterosexuelle Vorannahme“ nennt man dieses Phänomen, dem übrigens bereits Säuglinge ausgesetzt sind.

Ja, und gerade im Urlaub, da brechen wir tatsächlich ab und zu aus dieser „Heteroblase“ aus  – und suchen bewusst Orte auf, in denen homosexuelles Leben ganz „normal“ ist. Frauenferienorte, Camps für Regenbogenfamilien, Ferienwohnungen, die bewusst innerhalb der schwul-lesbischen Community vermietet werden. Und ich sage es Euch: Das zu erleben, ist einfach herrlich. Das hat tatsächlich etwas von dem aufregenden Gefühl, mit dem man mit 16 das erste Mal in eine Szenedisco gegangen ist und gespürt hat: „Ey, es gibt tatsächlich noch viele andere, denen es genau so geht, wie Dir! Du bist AUCH normal!“ Das fühlt sich unendlich gut an.

Regenbogenfamilien an deutschen Ostseestränden sind rar – und ob wir wollen oder nicht: Uns begleiten viele Blicke (und Kommentare). Wenn wir jedoch einen Community-Urlaubsort wählen, haben wir dort einen Rückzugsort, an dem wir einfach unsere Ruhe davor haben. Wo niemanden (vor allem Männern…) vor Schreck das Eis in den Ostseesand fällt, weil ich meiner Frau ein Küsschen gebe. Wo keiner fragt: „Wer von Ihnen beiden ist denn jetzt nun die richtige Mutter?“. Wo wir wissen, dass sich niemand nach uns umdreht, weil unser Sohn laut ruft: „MamiMama, kommt schnell, ich muss Pipi!“ Da sind wir dann einfach eine ganz normale Familie mit Frisbeescheibe, Wasserball und 5jähriger Urlaubs-Nervensäge.

Wenn ich meinen Text jetzt so lese, klingt das alles ein wenig anklagend – das ist aber gar nicht meine Absicht. Ich bin stolz und froh, in einem Land zu leben, in dem ich mir die Freiheit nehmen kann, so zu denken und zu lieben, wie es mir mein Herz sagt. Ich bin eine lesbische Mutter, ich bin mit einer Frau verheiratet (!!!) – ich lebe eine Freiheit, die für nur eine Generation vor mir – auch in Deutschland – so kaum zu leben möglich war.

Kein anderes Tier ist für mich so sehr mit Freiheit verbunden, wie der Vogel. Wahrscheinlich liebe ich Vogel-Stoffe auch deshalb so sehr :-) . Und so habe ich mir für den diesjährigen Sommerurlaub ein „Kranich-Shirt“ genäht. Vielleicht sind es auch Möwen – bei mir sind es Kraniche. Wie auch immer: Ich hatte mich direkt in den maritimen Stoff verliebt, als er mir bei Dawanda begegnete. Der Schnitt ist übrigens das „Shirt No. 1″ von Leni P.Punkt, mit selbst-konstruiertem 3/4 Arm und einem leicht erweiterten Ausschnitt. Diesen habe ich mit einem dunkelblauen, schmalen Bündchen abgeschlossen. Alle anderen Säume habe ich mit einem dunklen Blau mit der Zwillingsnadel genäht. Die Schnäbel der Kraniche / Möwen sind ebenfalls dunkelblau, so dass das sehr harmoniert.

So, und mit diesem „Urlaubsshirt im mehrfachen Sinne“ betrete ich also heute die Me-Made-Mittwoch-Bühne – und bin sehr gespannt, was die anderen Damen so im Koffer dabei haben oder von ihren Urlaubsorten erzählen!

Alles Liebe und Euch allen tolle Urlaubstage an Orten, wo es Euch so richtig gut geht!

Karin

Linked @: Me-Made-Mittwoch, After Work Sewing

Es handelt sich bei obigen Blogbeitrag um einen redaktionellen Text. Den Stoff sowie das Schnittmuster habe ich selbst käuflich erworben. Ich stehe mit den genannten Firmen in keinerlei kommerzieller Verbindung; die Nennung der Namen/Marken erfolgt lediglich zur Information meiner Leserinnen, da ich dies selbst als wertvoll für den kreativen Prozess empfinde.


20 Gedanken zu “Mein Kranich-Urlaubs-Shirt – und ein Wort zu lesbischer (Urlaubs-)Freiheit

  1. Liebe Karin, erst mal mag ich dein Shirt!
    Und dann hat mich dein Text erst mal ein bisschen traurig gemacht, aber mit dem Absatz „Wenn ich meinen Text jetzt so lese…“ irgendwie dann doch rund abgeschlossen. Du hast recht. Trotzdem finde ich oll, dass du dir bewusst ins Gedächtnis rufen musst, dass dein Leben so vor fünfzig Jahren nicht möglich gewesen wäre. Ein Blogpost, der zum Nachdenken anregt…
    Liebe Grüße!
    Meike

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  2. Tolles Shirt und ein wunderbarer, wichtiger Text! Wünsche Euch einen entspannten Urlaub! Ich glaube gern wie anstrengend der Alltag sein kann, wenn die „heterosexuelle vorannahme“ komische Blicke, gedankenlose Kommentare und Fragen nach sich zieht. Genießt die Ferienzeit! LG Kuestensocke

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  3. Liebe Karin,
    ich finde dein Shirt toll. Die Farbe ist große Klasse!
    Was du über euren Urlaub schreibst, macht mich nachdenklich. Gut, dass der Urlaub ein Stück Freiheit bringt, aber schade, dass es im Alltag immer und in so vielen Bereichen ein Schubladen-/Normendenken gibt.
    Liebe Grüße! Tina

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  4. Ein schöner Post, ich kenne auch ein Paar hier im Viertel, die 2 Kinder haben. Ich finde es toll, dass man ihnen nicht ansieht oder am Verhalten merkt, wer welches Kind geboren hat (da beide den gleichen Spender haben und sich dadurch voll ähnlich sehen).

    Bei einem Workshop im Frühjahr habe ich auch eine Person kennengelernt, die offiziell ein Mann geworden ist mit Papieren und pipapo…..aber einen Frauenkörper hat und daher oft als Mama und nicht als Papa ihrer Kinder angesprochen wird, obwohl die Kinder Papa sagen und dann immer verwirrt sind, wer gemeint ist ;)

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    1. Liebe Ina, danke für Deinen Kommentar. Ja, das höre ich auch immer wieder, dass gerade bei transexuellen Eltern natürlich die Verwirrung total groß ist. Nicht bei den Kindern natürlich :-) Für die sind einfach immer die Eltern die Eltern. Da spielt Geschlecht keine Rolle. Aber wenn z.B. ein Mensch, der als sozialer Mann lebt, schwanger wird, weil er/sie biologisch eine Frau ist – ja, das stellt alle Denkmuster auf den Kopf. Es gibt einfach mehr Geschlechter(bilder) zwischen Himmel und Erde als es uns Erwachsenen gelernt wurde :-) Ich hoffe, dass die junge Generation hier offener wird… Liebe Grüße!! Karin

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  5. Liebe Karin, ich würde mich bestimmt auch umdrehen. Aber nicht, weil ihr als lesbisches Paar mit Kind unterwegs seid. Sondern weil das Shirt so toll ist und ich mich fragen würde, ob ich dich aus dem www kenne. :-) Viele Grüße von Maryme

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      1. Das wäre echt toll, leider wohnt ihr bisschen weit weg für „mal eben treffen“. Wenn ihr in Südniedersachsen unterwegs sein solltet, dann melde dich gerne. Vielleicht klappt ein echtes Treffen dann ja mal irgendwann.

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  6. Liebe Karin, schönes Shirt, besonders der Ausschnitt gefällt mir gut, ich wünsche dir viel Spaß beim Tragen. Danke für den interessanten Post. Die „heterosexuelle Vorannahme“ ist wahrscheinlich überhaupt nicht böse gemeint, und du solltest sie auf keinen Fall persönlich nehmen oder gar als Kritik verstehen. Wichtiger ist doch, wie die Menschen reagieren, wenn du ihnen von deinem Leben erzählst, ich hoffe doch positiv. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass es anstrengend ist, zu spüren, dass euer Leben anders ist.
    Herzlichen Gruß und einen erholsamen Urlaub wünscht
    Andrea

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    1. Liebe Andrea, danke für Deinen lieben Kommentar. Negative Reaktionen darauf, wenn ich mich in einem Gespräch oute oder es „richtig stelle“, dass ich nicht mit einem Mann, sondern einer Frau verheiratet bin, erlebe ich wirklich sehr selten. Den meisten Menschen ist es sogar peinlich, dass sie grundsätzlich davon ausgehen, dass das Gegenüber hetero wäre, das tut mir dann auch leid :-) Aber klar, und das ist einfach so: Es gibt einfach Momente, da wünscht man sich, dass man eben nicht „klarstellen“ muss. Ganz liebe Grüße! Karin

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  7. Also erst mal zu deinem Shirt aus dem tollen blauen Stoff, das dir super steht und die Vögel drauf wirken sehr hübsch. Ein bisschen macht es mich traurig, dass du dich mit deiner Familie im Alltag nicht so angenommen fühlst – auch wenn ich es gut nachvollziehen kann und solche Oasen gerade im Urlaub ja immer toll sind. Ich bin nicht verheiratet und mein Sohn hat den Names seines Vaters und ich werde ständig gefragt „ach das ist ja gar nicht deiner – sieht dir auch nicht ähnlich“. Mir macht es ehrlich gesagt wenig aus, aber für die 5jährige (Urlaubs)-nervensäge (hier auch!) ist es augenscheinlich oft schlimm – weil für ihn die Mama ja klar ist und er es dann immer richtig stellen will. LG Ingrid

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    1. Liebe Ingrid, das was Du schreibst, ist echt furchtbar und macht mich sofort wütend – es ist nicht zu glauben, wie „wichtig“ es für die Menschen ist, dass alles so ist, wie es sich gehört: Gleicher Nachname für alle, die Kinder müssen den Eltern wie es aus dem Gesicht geschnitten ähnlich schauen, natürlich muss man verheiratet sein…das macht mich verrückt! Was für ein Schwachsinn, den wir in (veränderter) Form natürlich auch kennen (…weil mir als die Mutter, die unsere Nervensäge nicht geborten hat, gern unterstellt wird, unser Verhältnis sei weniger eng, weil wir ja nicht blutsverwandt seien…). Ingrid, wir brauchen guten Nerven – ich hoffe, ihr habt (auch) eine tolle Urlaubsoase gefunden und sammelt dort Kraft!! Ganz liebe Grüße! Karin

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  8. Ein wirklich schönes Shirt, liebe Karin! Ich wünsche euch einen wundervollen und erholsamen Urlaub – und unseren Kindern, dass sie in eine Welt hineinwachsen, in der die Menschen gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass der Mensch, den man liebt, ein bestimmtes geschlecht hat/haben sollte.
    Alles liebe!
    Jana
    PS: ich hab doch tatsächlich meinen Bloglovin-Account reaktiviert – Danke! ;-)

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