Menschen(s)kinder im April: Sind Röcke und Kleider Unisex-Kleidungsstücke ?

Mit dieser (für sicher viele Ohren provizierenden Frage) begrüße ich Euch zur Linkparty „Menschen(s)kinder“ im April! Dazu gleich mehr :-)
Erstmal möchte ich mich wieder für Eure Verlinkungen im März bedanken! Besonders begeistert haben mich z.B.

  • Der Wendepailletten-Pulli von „Zum Nähen in den Keller“  –  denn Pailletten und alles was glitzert, lieben alle Kinder!
  • Der Kuschel-Giraffen-Overall von „mit Schönheitsfehlern“ – denn auch sämtliche Tiermotive sind für alle Kinder da!
  • Und eine „Menschen(s)kinder-Stamm-Verlinkerin“,  Mara Zeitspieler,  hat u.a. ein Set für ihre beiden Kinder gezeigt, und zwar aus einem wunderschönen Lillestoff (hier gibt es immer eine große Auswahl an Unisex-Stoffen für Kinder).

Ich danke Euch und allen anderen von Herzen für jeden einzelnen Post. Ihr macht das Netz bunter und um viele Gedanken reicher!

Heute möchte ich mein Auftakt-Posting mal dazu nutzen, eine recht schwierige Menschen(s)kinder-Frage anzugehen: Sind denn Röcke und Kleider Unisex-Kleidungsstücke? Immer wieder werden bei Menschen(s)kinder Kleider und Röcke verlinkt – und zwar für Jungs (ein Beispiel hier von „Kleine Stöpsel“). Das überrascht, ja provoziert nahezu, ist in ganz vielen Köpfen sehr schwer nachzuvollziehen. Aber warum?

Grundsätzlich sind – auch für mich, das gebe ich an dieser Stelle offen zu – Röcke und Kleider klassische Kleidungsstücke für Mädchen/Frauen. Natürlich gibt es Röcke  und Kleider, die weiblich-sterotyper daherkommen als andere (Glitzer, Rosa, Rüschen…), aber von der Sache her bleiben Röcke und Kleider in meiner ersten Gedankenschleife Kleidungsstücke für Frauen.

Ja, und genau mit dieser Gedankenschleife tappe ich in die große Geschlechterfalle: Ich urteile nach „alter Gewohnheit“. In der Theorie gestehen wir Mädchen und Jungen alle Charaktereigenschaften, Verhalten und Entfaltungsmöglichkeiten zu. Alle sollen alle Möglichkeiten haben. Aber nur einen Augenblick später, in der Praxis, im Alltag, zeigen sich dann die alten Gewohnheiten, die historischen Werte, die stereotypen Muster, die so fest in unserem Denken verbunden sind, dass sie die guten Vorsätze aus der Theorie lässig zur Seite kicken.

Warum fällt es uns leichter, ein Mädchen in Hose zu akzeptieren als einen Jungen im Rock? Der Schlüssel liegt wie so oft in der Wertung dahinter. Während sich ein Mädchen durch das Tragen einer Hose zu etwas entwickelt was erstrebenswert ist, nämlich einem männlichen Bild, lässt sich ein Junge im Kleid herab auf ein weibliches; er macht einen Rückschritt (das Muster ist ähnlich dem, warum schwule Männer als „schwächer“ eingestuft werden: Sie sind angeblich weiblicher als heterosexuelle Männer). Wenn man sich das vergegenwärtigt, wird mir zumindest meine erste Gedankenschleife total peinlich…

Das Fazit? Die alten Geschlechterbilder sind subtil und sehr tief in uns verankert. Und sie brechen nicht durch bloße „gute Vorsätze“ auf. Man muss aktiv damit umgehen, sein Verhalten sehr reflektieren und versuchen, aktiv gegenzusteuern. Das kostet Kraft und Mühe. Ich versuche bei Menschen(s)kinder immer wieder, Denkanstöße zu geben – doch auch ich bin meilenweit davon entfernt, hier gedanklich frei zu sein.

In meiner Idealvorstellung sollten Kinder das anziehen dürfen, was sie schön finden: Alle Farben, alle Formen, alle Arten von Kleidungsstücken. Und wenn sich Jungs Röcke und Kleider wünschen (was z.B. im Sommer sehr oft vorkommt, weil einfach nichts so luftig und angenehm zu tragen ist wie ein Rock!), ist das in Folge auch geschlechtergerecht. Und hoffentlich findet das schöne Werk dann seinen Weg zu „Menschen(s)kinder“!

Bezüglich der Linkparty gehe ich deshalb wie folgt vor: Gerade bei Kleidungsstücken, die eigentlich eine Geschlechterschublade bedienen und hier verlinkt werden, sollte ein bewusster Umgang im geschlechtersensiblen Sinne damit erkennbar sein. Ich lese mir also (wie immer!) die Blogbeiträge zu denen Verlinkungen durch. Und stellt sich dabei raus, dass das Kleidungsstück nicht in diesem Sinne entstanden ist, lösche ich die Verlinkung. Also: Nicht jedes Kleid ist ein Unisex-Kleid…oder müsste es so sein?? Was denkt Ihr??

Ach ja, bevor ich es vergesse: Zum Oster-Wochenende zeige ich Euch ein Hasenshirt, das kürzlich nach dem Schnitt „Pilvi“ von Näähglück entstanden ist. Der Stoff ist ein Lillestoff-Jersey und hört auf den schönen Namen „Fridolin“. Der grasgüne Bündchenstoff ist ebenfalls von Lillestoff.

So, dann freue ich mich auf alle Kleidungsstücke im April! Und, ein kleiner Teaser: Große Menschen(s)kinder-Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, hihi –  bleibt gespannt! Im Laufe des Aprils erfahrt Ihr mehr!

Hier geht’s zur April-Linkparty:

Frohe Ostern und alles Liebe wünscht Euch
Karin

Stoff: Jersey „Fridolin“ von Lillestoff, z.B. noch hier erhältlich, Bündchen ebenfalls von Lillestoff
Schnitt: Raglanshirt „Pilvi“ von Näähglück
Linked @: Ich näh Bio, Selbermachen macht glücklich, Lillelieblinks


11 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im April: Sind Röcke und Kleider Unisex-Kleidungsstücke ?

  1. Ganz genau so. Natürlich ist ein Rock für einen Jungen unisex. Genauso wie ein rosa Einhornshirt. Wenn das ganze aber für ein Mädchen ist, gehört es, aus meiner Sicht, nicht hierher.
    Mein Sohn hat bis er drei Jahre alt war gerne Röcke getragen, danach ließ es leider nach. Falls es noch mal wieder eintritt, verlinke ich gerne.

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  2. Liebe Karin, ich war ja hier schon mehrmals mit Kleidern für meine Jungs vertreten, und ich freue mich noch regelmäßig über ihre Unbefangenheit (mit der der Jüngere auch zurzeit Glitzer-Haarspangen und blauen Nagellack trägt). Aus meiner Sicht liegt das größte Problem darin, dass mit Kleidungsstücken „außerhalb der Norm“ auch die dicke Haut kommen muss, seine Präferenzen gegen die Konventionen zu verteidigen, die leider die meisten Kinder von zu Hause mitbekommen. Ich erlebe immer wieder, wie bösartig und gedankenlos unser Größerer in der Kita gehänselt wurde und wird, wenn irgendetwas „falsch ist“, wenn allein die Socken rosa Streifen haben. Das kann ein Kind meist nicht leisten, und als Eltern ist man nicht dabei. Insofern würde ich deine Titel-Frage differenziert beantworten: Ja, so lange ein Kind unbefangen entscheidet. Und die Phase endet leider meist im Kita-Alter. Bis dahin nähe ich weiter Kleider und erweitere unseren Nagellack-Bestand!
    LIebe Grüße, Meike

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  3. Hallo alle zusammen, ich habe eine Mädchen, das gerne Hemden trägt – so wie Papa. Also hat sie Hemden im Schrank, die sie gerne trägt. Mit ihren kurzen Haaren und ihrer zierlichen Figur treibt sie die Menschen teilweise echt in Verwirrung. Die sind total unsicher, ob es jetzt ein Junge oder ein Mädchen ist.
    Im Kindergarten ist das bisher kein Problem. Mir ist allerdings auch bewusst, dass es weniger auffällig ist als ein Rock oder Kleid bei einem Jungen. Mädchen tragen ja auch Blusen…
    Dieser grün-gelbe Pulli ist übrigens der Hammer. Mein Mädel hat als Lieblingsfarben gelb und grün. Ich glaube, ich muss mal gelbe Stoffe suchen.
    Schöne Ostern, Maryme

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  4. Ich sehe es auch so. Nicht jedes Kleidungsstück passt in die Menschenskinder-Sammlung. Ein Kleid für meine Nichten würde ich hier nicht verlinken, eines für meine Söhne (falls sie sich eines wünschen sollten) schon. Ich finde es prima, dass du dir den Beitrag genau ansiehst und ggf. auch löschst.
    Der Hasenpullover deines Sohnes gefällt mir gut. Tolle, freundliche Farbe.
    Ich bin schon gespannt auf die großen Ereignisse, die du angekündigt hast.
    Viele Grüße! Tina

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  5. Ein sehr schöner Hasenpulli. Hier wurden auch schon Kleider sehr gern getragen in bunten Farben bis er drei war. Seitdem steht er abwechselnd auf ohne Klamotten oder kurze Hosen … mal sehen ob der Sommer heue neue Ideen bringt. Ich mag deine Gedanken und dielinkparty sehr, die ich heuer bei dir entdeckt habe, vielen Dank dafür. Liebe Grüße Ingrid

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  6. Vielen Vielen Dank für diesen sehr ehrlichen Blogeintrag! Ich halte mich eigentlich auch für total tolerant, merke dann aber doch wie ich bei bestimmten Sachen automatisch denke: Aber das ist doch falsch, dass geht doch nicht. Oft bescheuert wenn man genauer drüber nachdenkt, aber trotzdem tief verwurzelt. Ich habe noch keine Kinder, bin aber mal sehr gespannt wie ich damit umgehen kann wenn diese dann gegen Konventionen handeln.
    Liebe Grüße
    Susi

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    1. Schöner Blogbeitrag, danke.
      @Susi: Ich tue mich momentan gerade deshalb so schwer, weil meine Kinder sich an die Konventionen halten. Tochter: am liebsten nur Röcke, je mehr blingbling und je pinker, desto besser. Sohn kriegt die Krise, wenn die Haare zu lang sind und mag alle Farben ausser „Mädchenfarben“. Für mich nicht ganz so einfach zu akzeptieren …
      Lg Sandra

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  7. Liebe Karin,
    vielen Dank für das Verlinken vom Fuchs-/Dachs-Pullover! Ich bin leider eben erst drüber gestolpert, die Verlinkungen wandern leider immer in die Spam-Kommentare :-/ Und da ich momentan weder zum Nähen noch zum Bloggen und auch nicht zum Lesen komme (hoffentlich wird das bald besser!!!), konnte ich mich erst jetzt freuen.
    Tja, Röcke für Jungs… Da merke ich dann auch, dass ich an die Grenzen komme. Der Bub hat sich kürzlich auch einen Rock gewünscht, einen, mit dem man sich ganz schnell drehen kann. Aber ich habe einfach zu viel Angst, dass er ausgelacht und zum Außenseiter gemacht wird, wenn er einen Rock trägt. Und finde das gleichzeitig total schade! Der Wunsch nach dem Rock kam bislang nur einmal auf und ich habe auch nicht nein gesagt oder dass Röcke doch für Mädchen seien, sondern nur nachgefragt, wer im Kindergarten denn so einen tollen Drehrock anhatte. Kommt die Bitte wieder und wird zum dringenden Wunsch, werde ich wohl noch einmal recherchieren und nachdenken, wie wir eine Lösung finden, die sich dreht und dennoch nicht nach typisch-Mädchen aussieht. Also ein Menschenskinderkleidungsstück. :-)
    Schönes Wochenende!
    Jana

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