Menschen(s)kinder im März – Kinderkleidung für Kinder von heute und warum Märchen von gestern sind

Ihr Lieben, ich begrüße Euch zu einer neuen Runde „Menschen(s)kinder“. Danke für über 40 großartige  Verlinkungen im Februar! In diesem Monat waren die Hoodies ganz vorne mit dabei. Ich bin z. B. ganz verliebt in den Schwalbenhoodie von Brülläffchen, den Elefantenhoodie von Heiter bis wolkig oder auch den Kuschelhoodie von „my handcrafted things“. Wie schön, dass auch wieder einige Modelle in „großen Größen“ dabei waren!

Die Bilder, die Ihr hier heute seht, zeigen einen ganz wundervollen Unisex-Hosenschnitt für Webstoffe – und das auch noch nach einem Freebook. Es ist die Hose Severin von Muckelie. Ich habe eine Cord-Variante genäht – und es werden noch viele folgen. Sie hat viel Bewegungsspielraum, sitzt aber trotzdem sehr gut – ein Kinderkleidungsstück im besten Sinne.

Ja, bei Menschen(s)kinder findet man keine Kleidung für Prinzen und Prinzessinnen, sondern für starke, selbstbewusste Kinder. Und das bringt mich zu dem Thema, über das ich mich heute kurz auslassen möchte: Märchen. Ich bin mir durchaus bewusst, mit diesem Thema zu polarisieren, denn wer sich kritisch über Märchen äußerst, macht sich meist keine Freunde. Ich wage es aber trotzdem, weil ich es sehr wichtig und notwendig finde, mit Märchen kritisch-bewusst umzugehen.

Zeitgemäße Kinderbücher thematisieren ein friedliches Miteinander oder versuchen, Kindern selbstbewusstes Verhalten zu vermitteln. Das Aufschlitzen von Tieren, um in ihren Bauch Steine zu füllen und sie dann in einem Brunnen zu versenken oder die Aufforderung zum Mord (z.B. der Jäger, der das Schneewittchen töten und als Beweis Lunge und Leber vorlegen soll) – das findet man zum Glück nicht in moderner Kinderliteratur. Oder: Man stelle sich vor, eine Autor/in würde ein Kinderbuchmanuskript bei einem Verlag einreichen, in dem am Ende ein Mensch im Ofen verbrannt werden soll, um das Böse zu besiegen…

Aber trotzdem sind Märchen überall: „Kinder brauchen Märchen“ – diesen Spruch liest man in nahezu jeder Elternzeitschrift.  Im Kindergarten und in der Vorschulzeit werden sie „rauf und runter“ gelesen. Märchen sind für „Kinder im Märchenalter“ (ca. 4-9 Jahre) etablierte Standardliteratur.

Dabei sind Märchen in der Pädagogik höchstumstritten. Sie sind wahnsinnig brutal, spielen mit der Angst und vermitteln ein erzreaktionäres Geschlechterbild. Märchen kommen aus einer Zeit, in der man Kinder zu Gehorsam, Anpassung und Passivität erziehen wollte. Die märchentypischen Kontraste von „Gut und Böse“ und die positive Moral am Ende sind auf kindliche Lebenswelten kaum zu übertragen – ich zumindest erlebe Kinder zumindest als sehr feinfühlige, kluge Menschen, die keine ultrabrutalen Märchen brauchen, um ein gesundes Gerechtigkeitsempfinden zu entwickeln. Aber genau dieses Argument wird immer wieder „pro Märchen“ genannt.

Außerdem: Sehr viele Kinder fürchten sich beim Lesen von Märchen. Aber diese Furcht wird selten ernst genommen. Stattdessen wird den Kindern vermittelt, dass Märchen etwas „wundervolles“ sind, wovon schon Kinder vor 200 Jahren angeblich begeistert waren. Ich wage die These, dass viele Kinder Märchen links liegen lassen würden, wenn man sie ließe.

Klar, das gilt sicher nicht für alle Kinder: Es gibt viele Kinder, die sich für Märchen von sich aus begeistern und die die brutale Ebene ausblenden können. Aber – auch diese Kindern lernen in Märchen kein lesbisches Prinzessinnenpaar kennen, sondern nur passive Frauenfiguren, die davon träumen, von einem Prinz erlöst zu werden…

Und für eine besondere Kindergruppe sind Märchen auch aus pädagogisch-wissenschaftlicher Sicht durchaus wertvoll: Die Forschung hat gezeigt, dass Märchen für Kinder aus „zerrütteten familiären Verhältnissen“ oder bei  Heimkindern tröstend wirken können, weil in sehr vielen Märchen Streit und Zwietracht in der Familie vorkommen. Da erkennen die unter Umständen selbst erlebte Brutalität wieder und können sich mit den Figuren identifizieren. Und sie erleben, dass ihre Geschichte theoretisch auch gut ausgehen könnte.

Was ich sagen will: Kindern unreflektiert Märchen vorzulesen, sollte man sich sehr gut überlegen und dies ggf. sehr intensiv mit Gesprächen und Aufklärung begleiten. Märchen sind schon für Erwachsene eine sehr herausfordernde Literaturgattung – und für Kinder in besonderem Maße.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen wundervollem März mit vielen schönen, herzlichen, humorvollen Geschichten und freue mich sehr auf Eure Verlinkungen!

Alles Lieber, Eure Karin

Hier lang gehts zur Linkparty (bitte auf das Fröschchen klicken!):

Stoff: Feincord von Stoff und Stil (nicht mehr erhältlich), Bündchen in GOTS-Bio-Qualität von  „Stoffeversand4You“
Schnitt: Hose Severin von Muckelie
Linked @: Ich näh Bio, Selbermachen macht glücklich, Cord, Cord, Cord, Freebook-Linkparty


2 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im März – Kinderkleidung für Kinder von heute und warum Märchen von gestern sind

  1. Das Thema „Märchen“ finde ich sehr interessant – ursprünglich sind es ja gar keine Kindergeschichten, sondern mal für Erwachsene geschrieben worden …
    Ich finde Märchen schon okay für Kinder (die, die dem entsprechenden Kind keine Angst machen), solange es nicht die _einzigen_ Geschichten sind, die Kinder zu hören bekommen. Es gibt ja auch wundervolle moderne Märchen (Ich liebe das Buch „Her mit den Prinzen!“), die wunderbar dazu passen, wenn ein Kind Märchen mag, man aber nicht nur antiquierte Weltbilder vermitteln möchte …

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Karin, ich hatte mir bisher nicht so differenziert Gedanken über klassische Märchen gemacht wie du, aber unbewusst hatte ich wohl die gleiche Einschätzung. Wir haben mit unserem Fünfjährigen fast alle Astrid-Lindgren-Klassiker durch und damit ja früh dran, aber mein Grimms-Märchenbuch habe ich bisher immer im Regal stehen gelassen, weil ich mit Albträumen gerechnet habe. Und da erwarte ich auch so bald nichts anderes. Zum Glück gibt es auch friedlichere Märchen, die nicht so stark mit Klischees arbeiten, insofern habe ich keine Sorge vor einer Bildungslücke, wenn wir die Gebrüder Grimm völlig links liegen lassen sollten. Das „Märchen“-Buch von Astrid Lindgren haben wir auch schon gelesen!
    Liebe Grüße, Meike

    Gefällt 1 Person

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