Augen auf beim Nähmaschinenkauf – Oder: Nähmaschinen & Nachhaltigkeit

Ihr Lieben, wenn man beim Planen eines Blogposts mit der „Androhung von rechtlichen Schritten“ konfrontiert wird – dann weiß man, dass man scheinbar ein echt heißes Eisen angefasst hat. Ich hatte nämlich eigentlich geplant, eine Serie zum Thema „Nähmaschinen & Nachhaltigkeit“ auf meinem Blog zu starten. Wie gesagt: Eigentlich. Davon habe ich aus gerade genannter Erfahrung heraus Abstand genommen. Aber ein bisschen berichten von meiner Recherche und meinen Erlebnissen möchte ich dann doch :-)

Auf vielen Blogs lese ich Tipps für den Nähmaschinenkauf. Was sollte eine Maschine können? Worauf sollte man achten? Was mir in diesen Diskussionen jedoch immer fehlt, ist der Blick durch die Nachhaltigkeitsbrille: Wie werden denn die Maschinen hergestellt? Ist sie langlebig verbaut? Wie lange wird es Ersatzteile geben? So dachte ich mir, hier mal den Austausch mit den Herstellern zu suchen, um Euch mit entsprechenden Informationen versorgen zu können. So habe ich vor einiger Zeit an alle gängigen Nähmaschinen-Hersteller (ca. 15 Firmen) eine Anfrage geschickt, in der ich um Informationen zum Thema Nachhaltigkeit bat: Meine (natürlich sehr freundlich formulierten) Fragen waren u.a.:

  • Wo (also in welchem Land) werden die Maschinen gebaut?
  • Wie werden die Personen, die die Maschinen bauen, bezahlt (gibt es Tarifverträge o.ä.)?
  • Wie sind die Arbeitsbedingungen dieser Menschen?
  • Wie werden Umweltstandards beachtet?
  • Wird auf Langlebigkeit der Maschinen geachtet? Wie lange sind Ersatzteile lieferbar?

Ich hatte die (wie ich heute weiß sehr naive) Annahme, dass jeder Hersteller so etwas wie „Presseinformationen“ zum Thema hat und natürlich im Austausch mit mir daran interessiert wäre, die eigene Marke diesbezüglich gut aussehen zu lassen. Aber so war es nicht. Die Reaktionen der Hersteller waren sehr unterschiedlich:

  • Lediglich 3 (!) Firmen gingen mit mir in einen ausführlichen Dialog (dazu gleich mehr) und versuchten, die Fragen zu beantworten.
  • Einige schickten einfach gar keine Antwort, trotz zweifacher Nachfrage.
  • Und zwei Hersteller lieferten recht unverschämte Antworten, dass sie dazu keine Aussagen machen würden. Und eine davon drohte recht unverblümt damit, dass, und wenn sie darüber etwas im Netz lesen würden, ich vom Rechtsanwalt hören würde.

Die Punkte 2 und 3 lasse ich an dieser Stelle unkommentiert – ich möchte den Fokus lieber auf die drei erstgenannten Firmen lenken: Es waren die Fa. Bernina, die Firmengruppe Janome/Elna und die Fa. Carina.

Aber Achtung: Bitte versteht die Nennung der drei Namen nicht „automatisch“ als Empfehlung in Sachen Nachhaltigkeit – macht Euch ein eigenes Bild. Die drei Firmen argumentierten nämlich sehr unterschiedlich, was sie unter „Nachhaltigkeit“ verstehen. Was man jedoch sagen kann, ist, dass sich alle drei Firmen intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und versuchen, auf ihre jeweilige Art eine „gute Antwort“ darauf zu finden. Ob mir die als Käuferin „reicht“ – das muss ich selbst entscheiden.

  • Elna/Janome produziert beispielsweise nicht in China, sondern in Thailand. Man sagte mir, dass man auf gute Arbeitsbedingungen achte, fair bezahle und langlebige Maschinen bauen möchte.
  • Die Fa. Carina dagegen beschrieb sehr offen, dass man bewusst in China baue, aber den dort bestmöglichen Standard mithilfe des Erwerbs von Nachhaltigkeitszertifikaten umzusetzen versuche.
  • Sehr in die Offensive in Sachen Nachhaltigkeit geht die Fa. Bernina. Dort sagt man, dass Bernina-Maschinen „über mehrere Generationen halten sollen“, weswegen es auch alle Ersatzteile mindestens 30 Jahre gäbe. Die Bernina-Top-Maschinen werden in der Schweiz gebaut, alle anderen in Thailand in einem Werk unter Schweizer Leitung.

Und die Moral von der Geschicht´? Natürlich muss eine Nähmaschine zur Näherin und ihren Ansprüchen passen  – aber das ist eben „nicht alles“. Ich kann Euch nur raten, beim Nähmaschinenkauf das Thema „Nachhaltigkeit“ mitzudenken. Fragt bei den Händler/innen und Hersteller/innen nach. Macht Euch ein Bild von der Verarbeitung der Maschine, um einschätzen zu können, wie lang sie hält. Und stellt Euch die Frage „Kann diese Maschine, wie sie vor mir steht, für den angegeben Preis von jemanden mit Fachverstand gebaut worden sein, der dafür auch noch angemessen bezahlt wurde?“

Anhand der Reaktion der Hersteller seht Ihr, dass es wahrscheinlich sehr viele Maschinen auf dem Markt gibt, bei denen das wohl nicht der Fall ist. Ich selbst möchte zumindest nicht auf einer Maschine nähen, die jemand unter schrecklichen Arbeitsbedingungen zusammenbauen musste. Und ich hätte gern, dass das Maschinchen länger als 10 Jahre durchhält.

Der Kauf einer Nähmaschine ist also, wie so oft, auch eine politische Entscheidung. Und deshalb darf dieser Post auch zur wunderbaren Politisierungssammlung von Jule.

In diesem Sinne: Augen auf beim Nähmaschinen-Kauf! Keine Entscheidung ist einfach.

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

Linked @: DIY or die – Politisierungssammlung

 

 

 

 


22 Gedanken zu “Augen auf beim Nähmaschinenkauf – Oder: Nähmaschinen & Nachhaltigkeit

  1. Wie immer ein spannendes Thema. Wenn die Fotos von deinem Maschinchen sind, vermute ich, dass wir das gleiche Modell benutzen.

    Ich habe mich vor Ort von einem kauzigen Herrn in seinem kauzigen und unauffälligen Laden beraten lassen. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich nicht direkt über Nachhaltigkeit gesprochen habe, aber ich habe ungefragt die Info über die Produktionsort und Firmengeschichten bekommen – sehr interessant. Am Ende einer ausführlichen Beratung bin ich (wie bei der Overlock) bei Janome gelandet. Der freundliche Nähmaschinenmechaniker war in direktem Austausch mit den Entwicklern verschiedener Firmen und konnte viele spannende Dinge berichten.
    Nie würde ich eine Maschine einfach so im Internet bestellen oder in einem Laden kaufen, der nur eine Marke führt. Ein intensives Beratungsgespräch inklusive Probenähen mit eigenen Stoffen und aussuchen der dazu passenden Nadeltypen ist aus meiner Sicht der beste Weg um nachher mit der Wahl glücklich zu werden.

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    1. Liebe Kerstin, vielen Dank für Dein Feedback! Ich nähe auf einer Elna, ich denke, unsere Modelle sind „Geschwister“, Elna/Janome baut die meisten Maschinen baugleich. Deine Erfahrung, die Du beschreibst, freut mich sehr. Und ja, das Ausprobieren im Laden ist sicher der Netzbestellung vorzuziehen, nicht nur, um ein Gefühl für die Maschine zu kriegen, sondern auch, und das sieht man an Deinem Beispiel wieder, wegen der Beratung und der Informationen, die man eben nur im persönlichen Gespräch bekommt. Lieben Gruß, Karin

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  2. Hallo Karin,
    eine sehr interessante Geschichte. Und: ein schlagkräftiges Argument gegen 80-€-Maschinen (ich finde die so schrecklich).
    Natürlich wüsste ich zu gern, welche Hersteller mit dem Anwalt gedroht haben (denn das wird wohl seine Gründe haben), verstehe aber voll, dass du dich darüber ausschweigst. Man lebt doch gefährlich als Blogger.
    Im Prinzip muss/sollte man sich die Frage der Nachhaltigkeit wohl bei jedem Gerät stellen. Was wir dann wohl noch zu Hause hätten? Ich werde weiterhin bei allem möglichen auf Qualität setzen, dafür ein paar Euro mehr ausgeben und hoffen, dass davon bei allen am Produkt beteiligten entsprechend was ankommt.
    Liebe Grüße,
    Katharina

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  3. Liebe Karin,
    mit gefällt Dein Ansatz, Nähmaschinen auf ihre Nachhaltigkeit hin anzuschauen. Bei uns gilt mittlerweile im ganzen Haushalt der Satz: Wir sind zu arm, um billig zu kaufen – denn dann kaufen wir zweimal und müssen mindestens einmal Schrott entsorgen. Ich will jetzt nicht die Werbetrommel rühren, aber die alte Bernina-Nähmaschine meiner Mutter aus den 50er konnte über die Jahre immer wieder repariert werden und näht nach wie vor. Und meine Bernina aus den 80er näht mittlerweile bei meiner Schwester (die weniger als ich näht). Wir waren zwar vor sieben Jahren enttäuscht, dass meine jetzige Bernina nicht in der Schweiz hergestellt wurde, aber das Werk in Thailand hält sich seit Jahren und mir sind auch keine unguten Geschichten von dort bekannt.
    Und so wie es uns stört, dass Menschen überall auf der Welt für unsere billige Kleidung ausgebeutet werden, sollte es uns stören, wenn Menschen unter unwürdigen Bedingungen Nähmaschinen für uns bauen – danke für Deinen Bericht!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Liebe Ines, danke für Deine liebe Rückmeldung! Deine Erfahrungen mit Bernina bestätigen die Aussagen, die von der Firma gemacht werden: Eine Bernina hält offenbar wirklich mehrere Generationen. Ja, und Bernina zeigt als einziger Hersteller auf der Webseite auch Bilder von beiden Produktionsstandorten. Auch das ist ja schon mal ein Zeichen. Soweit ich weiß, werden die Bernette-Maschinen jedoch nicht in Thailand, sondern in China gebaut (gehört ja auch zum Bernina-Konzern). Man muss immer genau hinschauen :-) Liebe Grüße und nochmal danke! Karin

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  4. Hallo also ich habe eine Maschicne von W6 eine deutsche Firma. Auf Wunsch und gegen Bezahlung sende ich alle 2 Jahre meine Nähmaschien zur Inspection ein. So bleibt die Gute Funtionsfähig und geht nicht so schnell kaputt. Auserdem ist das die Beste Nähmaschien die ich je hatte und ich hatte schon 3!
    Toller Beitrag.
    LG Marion

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    1. Liebe Marion, danke für Dein Lob. Das freut mich, dass du Deine W6 so nachhaltig pflegst :-), ist ja ein schönes Angebot von der Firma, das so zu handhaben. Soweit ich weiß werden W6-Maschinen in China gebaut – was ja aber per se nicht schlecht sein muss. Es kommt eben immer drauf an… Lieben Gruß, Karin

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  5. liebe karin,
    das ist ja krasser kram. also vor allem das mit der androhung rechtlicher schritte. puh! repression ist überall. danke für diesen aufrüttelnden beitrag. ich habe eine freundin, die sich mit so herstellungsprozessen und wie und unter welchen bedingungen recht gut auskennt. wir hatten das thema mal bei einem nadelkränzchen. es ist halt überall der gleiche scheiß…. mach weiter so!
    liebst,
    jule*

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  6. Liebe Karin,
    danke für den Blogpost und vor allem den Denkanstoß!
    Das ist tatsächlich ein Thema, mit dem ich mich beim Kauf nicht auseinandergesetzt habe. Made in China ist ja irgendwie schon zu selbstverständlich geworden, obwohl in jedem Kopf drin sein dürfte, was das letzten Endes meistens bedeutet. Mutig von dir, das anzusprechen.
    Liebe Grüße,
    Ronja

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    1. Liebe Ronja, danke für deine lieben Worte. Ja, „Made in China“ ist schon selbstverständlich – und sicher sind dort viele Arbeitsverhältnisse und die Arbeitsbedingungen in der Herstellung einfach nur menschenverachtend. Aber man darf, da bin ich überzeugt, nicht alle „über einen Kamm scheren“. Der Preisdruck ist einfach enorm – was heißt: Wir Verbraucherinnen haben es in der Hand. Wir haben die „Macht des Warenkorbs“. Liebe Grüße!! Karin

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  7. Liebe Karin,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ehrlich gesagt habe ich mir über die Nachhaltigkeit von Nähmaschinen bisher keine Gedanken gemacht. Da bei mir demnächst aber eine neue Nähmaschine geplant ist, werde ich diesen Punkt bestimmt in meine Kaufentscheidung mit einbeziehen.

    Liebe Grüße
    Britta

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  8. Liebe Karin, danke für den Versuch und deine Mühe, etwas bei den Herstellerfirmen rauszukriegen. Sie machen es einem echt nicht leicht, Produktionsbedingungen und -wege einzusehen und nachzuvollziehen. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Wir müssen alle viel mehr hinschauen, nachfragen und unbequem sein. Vielleicht ändert sich dann was. Auf jeden Fall ein wichtiger Denkanstoß, dein Blogartikel! :-) Liebe Grüße, Katharina

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  9. Meine Güte… Wo man hinschaut, überall tun sich Abgründe auf. In der Fast Fashion sowieso. Aber auch wenn ich meine Kleidung selber nähe, muss ich immer noch drauf achten, woher die Stoffe kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Und auch die Geräte – eigentlich logisch, aber wer denkt schon dran? Ach, es ist doch zum Kotzen. Die ganze „Kaufen Sie, kaufen Sie! Billiger, billiger!“ Mentalität geht mir so auf die Nerve, weil so viele Leute einfach nicht kapieren, dass es in der Spirale dann auch wieder sie selber – uns alle nämlich – trifft. Und dass das auch der Grund ist, warum bei uns kaum mehr vernünftige Preise für Handwerk zu erreichen sind… lg, Gabi

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  10. Danke für Deinen Bericht! Da hab ich doch gleich mal den Hersteller meiner Covermaschine, die nun nicht billig war, aber deren Hersteller sich nicht unter den Dreien findet, angeschrieben. Die dürfen ja ruhig merken, daß sich die Kunden da durchaus Gedanken machen :-) – so wird das nämlich zum Verkaufsargument..

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  11. Ich bin gerade dabei, mich nach einer neuen Nähmaschine umzuschauen und bin über deinen Beitrag gestolpert. Danke für deine Anregungen zum Thema Nachhaltigkeit, werde dies bei meinem Kauf auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten bzw. mich vorm Kauf diesbezüglich informieren.

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  12. Informationen und Statistiken findest Du bei http://naehmaschinenwerk.de.
    30 Jahre habe ich mit einer Veritas genäht, danach wollte ich mal alles was geht: Kombinäh- und Stickmaschine. Die ist jetzt mein Ersatzgerät weil sie mir zu störanfällig und wartungsintensiv ist.
    Inzwischen nutze ich wieder eine mechanische Maschine mit Obertransport. Preislich lag sie zwischen Discounter und Bernina. Allerdings werden diese Maschinen jetzt nicht mehr hergestellt/importiert. Vielleicht lag es an der Nachfrage und die wird meistens vom Preis bestimmt.
    Günstige Maschinen verleiten bei Reparaturbedarf zum Neukauf, ist eine leichte Rechnung. Auch ich bedaure diesen Trend sehr. Wer etwas hochwertiges möchte, kauft Bernina.
    LG Ute

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