Mit einem misslungenen Langarmshirt beim MMM – Oder: 3 Fehler, aus denen ich hoffentlich lerne…

Ihr Lieben,

es ist Me Made Mittwoch und getreu meines Vorsatzes, an jedem ersten Mittwoch in diesem Jahr mit von der Partie zu sein, zeige ich Euch heute ein (leider ziemlich misslungenes) Jersey-Shirt. Ich finde ja, dass viel zu wenig misslungene Kleidung auf den Nähblogs dieser Welt zu sehen sind. Es macht nur zugegebener Weise auch echt wenig Spaß, seinen eigenen Murks zu erklären und dann auch noch auf Bildern das Ergebnis des Murkses für die Ewigkeit festzuhalten. Aber vielleicht könnt Ihr ja mit mir zusammen aus meinen Fehlern lernen…weshalb ich heute mal über diesen Schatten springe.

Ich denke, ich habe hier 3 zentrale Fehler gemacht:

Fehler 1: Ich habe die Stoffzusammensetzung ignoriert

Eigentlich dachte ich, das Shirt wäre eine „sichere Bank“. Den Schnitt hatte ich bereits einmal ausprobiert und als großartig eingestuft: Es ist das „Birgitte Basic Tee“ von Maria Denmark. Meine erste Version des Shirts (ich hatte sie hier gezeigt) passt super und trage ich sehr, sehr gerne. Gefertigt hatte ich mein erstes Birgitte Tee jedoch aus einem Baumwolljersey in der Zusammensatzung „95 % Baumwolle und 5 % Elasthan“. So war der Stoff eben, es war also keine bewusste Wahl. In meinem bisherigen Nähleben habe ich zugegebener Weise nicht all zu sehr auf die Angaben der Zusammensetzung bei Baumwolljerseys geachtet…und eben auch die Empfehlungen, die oft bei Schnitten zur Stoffzusammensetzung angegeben sind, schlicht ignoriert.

Den Stoff, den ich für mein zweites Birgitte Tee ausgesucht hatte, war wieder ein Baumwolljersey, und zwar von Stoff und Stil, der auf den schönen Namen hört: „Heidekraut mit Muster“. Und dessen Zusammensetzung ist, Achtung: 92 % Baumwolle und 8 % Elasthan. Ich hätte niemals gedacht, dass diese 3 % die Stoffbeschaffenheit und auch das Verhalten des Stoffes nach dem Vernähen so kolossal verändern. Mir ist das Shirt an den Schultern ein gutes Stück zu weit, dafür sitzt es am Bauch wahnsinnig eng. Gut, das Birgitte Tee ist figurbetont, aber ich hatte in meiner Version 1 nicht das Gefühl, keine Luft zu bekommen… Ich habe keine andere Erklärung für diese krasse Passformveränderung, deshalb nehme ich an, dass dieser Effekt zumindest zum Teil auf den Stoff zurückzuführen ist.

Fehler 2: Ich habe die Ärmel nach „Gutdünken“ verlängert

Dass ich ein selbstgenähtes Kleidungsstück am Oberkörper trage, erkennt man bei mir recht einfach daran, dass die Ärmel lang genug sind. Bevor ich zu nähen begann, kannte ich dieses Gefühl nicht, da meine Armlänge einfach extrem über Durchschnitt liegt. Also habe ich natürlich auch die Ärmel des Birgitte Basic Tee verlängert – und zwar in dem ich „einfach wie immer“ am Saum 10 cm zugegeben habe. Es ist nicht so, dass ich nicht schon das eine oder andere Kapitel in Nähratgebern oder auf Nähblogs zum Thema „So verlängert man einen Ärmel richtig“ gelesen hätte (an Ober- und Unterarm Länge einfügen und sowas… ich weiß das durchaus) – aber 10 cm unten anfügen geht einfach so viel schneller! Aber so habe ich nun also im Ergebnis zwei Ärmel, deren Proportionen überhaupt nicht stimmen. U.a. ergibt sich dadurch eine Art „Puffärmel-Effekt“, da sich der Ärmel immer wieder falsch „hochschiebt“. Abgesehen davon, dass ich kein Fan von Puffärmeln bin, passen sie auch zu einem eher sportlich-legeren Shirt so ziemlich überhaupt nicht.

Fehler 3: Ich habe bei der Stoffauswahl meine mahnende, innere Stimme unterdrückt

An diesem Fehler arbeite ich derzeit ganz besonders: Ich möchte meine Finger von Musterstoffen lassen, auch wenn sie mir NOCH SO GUT gefallen und auch, wenn die Farben DOCH EIGENTLICH gut zu mir passen und dann vielleicht sogar noch der PREIS EINFACH SUPER ist. Ich weiß das alles. Die mahnende Stimme in mir wird lauter und lauter, während ich einen Stoff wie „Heidekraut mit Muster“ aus dem Stoff & Stil-Regal ziehe, ihn streichle und dann in den Einkaufskorb hieve. Aber wenn ich dann am Ende das Birgitte Tee zum ersten Mal überziehe und mich im Spiegel sehe, höre ich genau diese Stimme in mir flüstern: „Ich habe es Dir schon im Laden gesagt – aber Du hast nicht auf mich gehört.“ Es gibt einfach nur echt wenige Musterstoffe, die mir gut stehen – Heidekraut mit Muster gehört nicht dazu.

Was lerne ich jetzt daraus? Wie Ihr seht, ist das Lernfeld groß (auch wenn die Bilder, wie ich gerade feststelle, gar nicht so schlimm aussehen…): Ich werde mehr Augenmerk auf die Stoffzusammensetzung richten, die Ärmel zukünftig nach den Regeln der Schneiderkunst verlängern und beim Stoffkaufen versuchen, weniger impulsives Handeln zu zeigen. Ob’s klappt? Ich werde Euch berichten 🙂

So, und bevor ich noch bei allen anderen (hoffentlich vielen hundert!) Verlinkungen des MMM heute stöbern gehe, möchte ich mich noch ganz herzlich für Euer Feedback auf mein Posting zum MMM im Januar bedanken. Ich freue mich, dass ich ein bisschen zum Nachdenken und zur einen oder anderen Kontroverse anregen konnte. Danke für die Zeit, die Ihr Euch zum Kommentieren und Diskutieren genommen habt!

In diesem Sinne Euch alle einen schönen MMM – und bis zum 07. März!!

Karin

Stoff:  Baumwolljersey „Heidekraut mit Muster“ von Stoff & Stil
Schnitt: Birgitte Basic Tee von Maria Denmark
Linked @: MMM, After Work Sewing


17 Gedanken zu “Mit einem misslungenen Langarmshirt beim MMM – Oder: 3 Fehler, aus denen ich hoffentlich lerne…

  1. Ich finde das Shirt – bis auf die Ärmel, da gebe ich dir recht – gar nicht sooo misslungen. Die Musterung ist, auf den Fotos, so dezent, dass es bei uns Quilterinnen schon fast als Faux Uni durchgehen würde, und als Basicsteil ist das Shirt vollkommen in Ordnung. Vielleicht müsst ihr euch erst aneinander gewöhnen.

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  2. Ich finde das Shirt auch recht nett. Das Muster ist wirklich dezent und ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses so störend wirken soll. Mach doch aus den langen Ärmeln einfach bewusste 3/4 Ärmel. Dann muss die Passform doch wieder hinhauen.
    LG Uta

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  3. Guten Morgen! Die Sache mit den Ärmeln kann ich nachvollziehen. Die restliche Passform sieht auf den Fotos gut aus. Und das Muster finde ich auch in Ordnung. Ich kenne das aber aus eigener Erfahrung. Manchmal sieht das Muster am Ballen toll aus, als Shirt kann ich es mir dann aber doch nicht vorstellen. Viele Grüße von Maryme

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  4. Liebe Karin,
    ich finde, auf den Fotos sieht das Shirt wirklich gar nicht so misslungen aus. Aber du wirst schon wissen, was du da schreibst. Das Muster finde ich auch wirklich schön und dezent, aber da versteh ich dich absolut. Bei Oberteilen bin ich auch absolut kein Mustertyp, obwohl mir das bei anderen sehr gut gefällt.
    Man lernt ja immer dazu, und alles bei einem einzigen Shirt .. da hast du dir vielleicht ein paar weitere Verfehlungen mit erspart, immer das Positive sehen 😉
    Liebe Grüße,
    Ronja

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  5. Oh ja, diese Art Erlebnis kennt wohl jede von uns. Ich bin bei gemusterten Stoffen immer extrem vorsichtig. Was leider dazu führt, das meine Garderobe vorwiegend uni ,geringelt oder gepunktet ist. Irgendwas ist halt immer.
    Allerdings finde ich anhand der Fotos dein Shirt gar nicht so misslungen. Vielleicht werdet ihr doch noch Freunde?
    LG
    Sandra

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  6. Danke für deinen ehrlichen Post. Ich kann zwar deine Kritikpunkte anhand der Fotos größtenteils nicht nachvollziehen, aber solche Unzufriedenheitspunkte kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut. Ein Kleidungsstück muss sich richtig anfühlen und nicht nur auf Fotos richtig aussehen.
    Die Ärmel beuteln tatsächlich oben an der Armkugel. Wie kann das sein, wenn du die Ärmel unten am Saum verlängert hast? Dann müsste sich doch dieses Problem beheben lassen, indem du die Ärmel einfach etwas kürzer schneidest und erneut umnähst.
    LG
    Wiebke

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  7. Hey Karin, ich kann deine Punkte gut nachvollziehen und glaube jede (Hobby-)Näherin macht sie mal. Ich habe anfangs auch viel mehr Musterstoffe vernäht und mich erst mit der Zeit immer mehr davon gelöst. Aber sieh es positiv, jetzt hast du es einmal aufgeschrieben und kannst beim nächsten Mal im Stoffladen nicht so leicht vergessen, dass du ja eigentlich keine Muster kaufen wolltest 😀 Auf den Bildern sieht das Shirt aber gut aus!
    LG, Jenny

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  8. Ach wie schön du dass beschrieben hast! Ich habe selber grade meinen schrank aufgeräumt und Shirts mit krassen mustern aussortiert. Die stammen aus den Anfängen meiner nähzeit und gehen garnicht weil deutlich krasser als dein Muster! Das finde ich sogar ziemlich ansprechend…aber was mach ich jetzt mit den Muster Shirts… begebe mich auf die suche nach schnittmustern für Unterwäsche, da sieht mn den Stoff nicht mehr…. ,-) lg Sarah

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  9. Ich habe sehr interessiert Deinen Bericht gelesen und finde gar nicht, dass das Shirt so fehlerhaft ist, wie Du es siehst. Der Stoff gefällt mir sehr gut, da er sehr dezent gemustert ist. Ich finde auch nicht, dass das Shirt um den Bauch herum zu eng sitzt und die Ärmellänge kannst Du ja noch ändern. Ich finde auch 3/4 Ärmel würden zu diesem Shirt sehr gut passen und dann wäre auch dieses Problem beseitigt! Ich finde nämlich das Shirt ist sehr hübsch!
    LG Carolin

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  10. Jaa, alles drei hab ich auch schon so gemacht 🙂 Wobei Ärmel verlängern bei mir bisher noch immer gut gegangen ist und ich bin da auch immer sehr großzügig mit 10 cm. Muster-Shirt habe ich auch schon ein paar aussortiert, irgendwie tappt man in die Falle doch immer wieder. Aber dieses Muster find ich ausgesprochen hübsch! Mir geht’s auch öfters bei Schnitten so, da hab ich eigentlich ein gutes Gespür dafür was zu mir passt, aber bestimmte Schnitte bildet man sich dann trotzdem ein und hat dann ein Kleidungsstück das man doch nie trägt.
    Aber ein bisschen was lernt man ja doch mit jeden Kleidungsstück und zur Stilfindung find ich das eigene Nähen doch super geeignet – so viele Gedanken hab ich mir über Kaufkleidung nie gemacht.
    Ich hoffe du freundest dich mit den Shirt noch an (zur Not mit 3/4 Ärmel)
    Liebe Grüße
    Susi

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