Jersey-Hoodie und Jeans ohne Knöpfe – Oder: Wenn Kinder ihre Kleidung selbst gestalten könnten…

Ihr Lieben, kindgerechte Kleidung ist ja ein großes Thema. Wann ist Kleidung „kindgerecht“? Oder, die bessere Frage wäre wohl: Wie würden Kinder ihre Kleidung selbst entwerfen?
Ich habe zu diesem Feld schon so manches gelesen, aber eben auch selbst „Expertengespräche“ mit Kindern, allen voran meinem 4jährigen Sohn, geführt. Die Ergebnisse sind übereinstimmend immer etwa so:
  • Alle Kleidungsstücke sollen nicht einengen, man soll darin „viel Platz“ haben
  • Sie sollen leicht und ohne Hilfe eines Erwachsenen an- und auszuziehen sein
  • Die verwendeten Stoffe sollen „weich“, also angenehm auf der Haut zu tragen sein
  • Alle Kleidungsstücke sollen möglichst viele Taschen haben, insbesondere auch Oberteile!
  • Die verwendeten Stoffe sollen farbenfroh sein und möglichst oft bedruckt sein mit „lustigen Motiven“
Drehen wir die Perspektive um, heißt das also, dass bei Kindern Kleidung dann durchfällt, wenn sie
  • körperbetont ist,
  • enge Ausschnitte hat,
  • Verschlüsse/Knöpfe hat,
  • sehr schlicht gehalten ist (unbunt, keine Taschen…).
  • unbequeme, nicht dehnbare Stoffe verwendet werden.

Das ist eigentlich nicht sonderlich erstaunlich. Erstaunlich ist jedoch, wie wenig „Kaufkleidung“ diese Wünsche der Kinder erfüllt. Sie erfüllt die (vor allem ästethischen) Ansprüch der Eltern (oder glaubt es zumindest zu tun – ich kenne viele Eltern, die die aktuelle „Kindermode“ einfach nur schrecklich finden…). Durch die Näherei haben wir das Glück, nur noch sehr selten in den Kinderkleidungsabteilungen stöbern zu müssen. Aber wenn, dann bin ich doch immer wieder sehr entsetzt. Warum soll mein Sohn eine Slim-Jeans (natürlich mit Knopf!) anziehen wollen? Wie soll er damit im Kindergarten toben? Ich komme bei diesem Thema immer wieder in Rage…

Nun denn,  ich bin wirklich froh, dass wir hier „ausbrechen“ können – und ich Euch heute ein Set  aus Jersey-Hoodie und Hose zeigen kann, das die oben genannten Kriterien erfüllt.

Das Oberteil ist ein Hooded Raglan Sweatshirt, entstanden nach dem Freebook von „Brindille & Twig“ (hier habe ich schon mal ein Exemplar gezeigt und über das Ebook geschrieben). Ich kann den Schnitt nur wärmstens empfehlen – nicht nur wegen der schönen Bauchtasche, in der sich „die Hände treffen“ können (das ist laut Sohn nämlich das Beste :-) ). Verwendet habe ich für den Raglan-Hoodie einen wunderschönen Lillestoff: „Tier Bubbles“ nach einem Design von „Käselotti“. Mint ist einfach eine großartige Farbe für Kinderkleidung, und die Tiere sind herzallerliebst gemalt. Die Qualität dieses Bio-Jerseys besteht jeden „Kuscheltest“ – das Shirt ist sehr „weich“.
 
Die Hose ist nach dem Schnitt „Denim Jeans“ aus dem sehr empfehlenswerten Buch „Selbst Genähtes für kleine Abenteurer – Outdoor-Mode aus Jersey, Softshell & Co.“ von Cecilia Hanselmann entstanden. Da der Schnitt keine Gesäß-Taschen vorsieht (Alarm!), habe ich kurzerhand welche entworfen und aufgenäht. Außerdem habe ich, entgegen der Empfehlung, in das Bauchbündchen keinen Gummizug eingezogen. Zum verwendeten Stoff kann ich leider wenig sagen; es handelt sich um einen Denim-Stoff mit Elastananteil von Karstadt.
Meinem Empfinden nach sieht man an dieser Hose, dass selbst eine Jeans, die auch in Gr. 116 doch einiges an Gewicht hat, keine Knöpfe oder komplizierte Verschlüsse braucht. Und: Sie sieht trotzdem nach einer „ordentlichen Hose“ aus :-)
Wie sagt Maria Montessori so schön: Der Leitsatz von uns Erziehungspersonen muss sein „Hilf mir, es selbst zu tun!“. Diese Hose kann mein Sohn alleine an- und ausziehen; auch im Kindergarten braucht er kein „fremde Hilfe“, was ihm sehr wichtig ist.

In diesem Sinne stehen schon wieder viele weitere Projekte an – und mit jeder Naht freue ich mich mehr, dass ich meinem Sohn Kleidung nähen kann, die seinen Ansprüchen genügt – nicht meinen und auch nicht denen der Bekleidungsindustrie!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin
Stoff für Hoodie: Jersey „Tier Bubbles“ von Lillestoff, noch über Dawanda erhältlich
Stoff für Jeans: Denim mit Stretchanteil, gekauft bei Karstadt

 


9 Gedanken zu “Jersey-Hoodie und Jeans ohne Knöpfe – Oder: Wenn Kinder ihre Kleidung selbst gestalten könnten…

  1. Oh ja! Das kenne ich nur zu gut. Mein Sohn (7) hasst Jeans. Wenn es nach ihm ginge würde er nur in Jogginghose durch die Gegend rennen :-) oft darf er es auch, aber es gibt Situationen, da ist es eben unpassend. Auch schimpft er immer wieder über diese Knöpfe, doch leider ist er schon sooo groß, dass es in seiner Größe keine Hose mehr mit diesen Schiebeknöpfen gibt… Das ist echt ein Problem und es würde einiges einfacher machen, wenn die Mode sich anpassen würde.
    Dein Set ist wirklich toll geworden!!
    Liebe Grüße
    Claudia

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  2. Ich erinnere mich, dass mein Bruder nur Jogginghosen tragen wollte – wahrscheinlich waren ihm Jeans auch zu unbequem. An eigene Hosenvorlieben erinnere ich mich nicht mehr, aber daran, dass dieser eine rot-weiß geringelte Nicki-Pulli mit der Känguruhtasche das großartigste Kleidungsstück ever war.
    Ich finds toll, dass dein Sohn so intensiv Einfluss darauf nehmen kann, was er gerne tragen möchte und was ihm angenehm ist. Voll gut!

    Liebe Grüße
    Sabrina

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  3. Meine Tochter würde kindgerechte Kleidung genau so beschreiben. Ich glaube sie würde außerdem Oberteile ohne Kapuze bevorzugen, weil sie dann auch nicht gezwungen werden kann diese aufzusetzten :p Das Buch kannte ich noch gar nicht, ein interessanter Tip. LG Julia

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  4. Ja, deine Auflistung trifft es hier auch ziemlich. Nur Bauchtaschen mag meiner nicht so, lieber zwei tiefe Taschen. Das mit den engen hosen aus kratzstoffen mit blöden Verschlüssen werde ich nie begreifen. Und Türkis und petrol auch hier erklärte lieblingsfarben … die Hose sieht besonders schön aus, deinen buchtipp sehe ich mir gleich an. Liebe Grüße Ingrid

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  5. Liebe Karin, das Buch klingt wirklich gut. Und die Hose gefällt mir super, das muss ich mir wirklich mal merken. Welches Kind im Kita-Alter mag schon Knöpfe? Ich glaube, alle kleinen Menschen zerren die Hose einfach so hoch und runter, oder?
    Liebe Grüße, Meike

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  6. Das Hosenproblem kennen wir auch. „Zum Glück“ kann ich meiner Tochter Jungshosen anziehen, die sitzen dann bequem, aber Mädchenhosen sind echt schlimm. ich habe die Wahl zwischen skinny und super skinny (!!!)
    Auch die anderen Anforderungen an Kleidung werden hier weitestgehend mitgetragen.

    LG Anja

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  7. Zumal eine nicht kindgerechte Kleidung einen Rattenschwanz nach sich zieht:
    man kann nicht toben, balancieren, klettern wie man will, im Extremfall tuts dann sogar weh, weil die Kleidung unnachgiebig ist -> plötzlich bewegen sich die Kinder weniger und die Erwachsenen schreien auf – *Bewegungsmangel* *Ungelenkigkeit*
    Dann gibts diesen ganz großen Trend des „schnell-raus-aus-der-Pfütze“ – die (weiße!) Hose wird dreckig, die Brombeeren dürfen nicht gegessen werden.. Und dem Kind werden ganz spannende Dinge verweigert, weil die Kleidung (und deren Unbeflecktheit) wichtiger ist..
    Und daneben gibts noch die alltäglichen Herausforderungen mit aufs-Klo-gehen-wollen und aber nicht können, weil man eben nicht schnell als Kind aufs Klo rennen kann und die Hose runterziehen, sondern einen Erwachsenen braucht, der erstmal gefunden werden will. Deshalb gibts dann auch einfach länger Windeln, weil das ja praktischer ist, wenn die Kleidung schon nicht praktisch ist..

    Deshalb wird hier ausschließlich genäht, auch für den Erstklässler Hosen ohne Reißverschluss und Knopf (auch wenn ers nun wirklich könnte ;-) )

    Gefällt 1 Person

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