Menschen(s)kinder im Oktober – und ein Wort über Fragen an eine Regenbogenmama :-)

Ihr Lieben, ich grüße Euch zu „Menschen(s)kinder“ im Oktober!
Schon fast traditionell beginne ich den Auftaktpost mit einer kleinen Rückschau auf den vergangenen Monat, bevor ich heute mal wieder einen kleinen Schwank aus unserem Leben als Regenbogenfamilie zum Besten geben möchte 🙂

Im September wurde wieder so großartige Unisex-Kleidung verlinkt, dass mir die Auswahl einer persönlichen „Top 3“ erneut sehr schwer fällt. Besonders gelungen finde ich jedoch diese hier:

  • Diese elefantös-schöne Kuschelhosen-Kombi in gelb-braun von Moritzwerk finde ich einfach wundervoll;
  • Mehrfach tauchte im vergangenen Monat „schwarz-weiß“ als mögliche, wunderschöne Farbkombination für alle Kinder auf. Großartige Shirts hat z.B. Brülläffchen gezeigt.
  • Und dass Unisex-Kleidung nicht nur bei den kleinen Größen ganz wunderbar funktioniert, hat Mamimade mit einem witzigen Minions-Shirt gezeigt.

Die Linkparty „Menschen(s)kinder“ hat ja viel mit Umdenken, Anderesdenken, Hinterfragen von Denkmustern zu tun. Und als Regenbogenmama komme ich fast täglich in eine Situation, in der ich merke, dass ich mit meinem Lebensmodell viele Denkmuster meines Gegenübers über den Haufen werfe. Und das wiederum hat zur Folge, dass ich bzw. wir viel gefragt werden. Einerseits freue ich mich ja, wenn meine Mitmenschen neugierig sind, ihre Unsicherheiten offen aussprechen und ich die Chance habe, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Hier bin ich immer offen. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass viele Mitmenschen denken, Menschen/Familien mit alternativen Lebensentwürfen könne man einfach immer jede noch so intime Frage stellen, frei nach dem Motto „Damit müssen sie schon rechnen, da wird man ja wohl noch fragen dürfen?“

Um Euch einen kleinen Einblick zu gewähren, habe ich mal drei mir tatsächlich oft gestellte Fragen ausgesucht – und möchte Euch auch beschreiben, was diese Fragen in mir auslösen.

Frage 1: Fühlt Ihr Euch denn beide für Euer Kind verantwortlich? (Alternativ: Liebt Ihr denn beide Euer Kind gleich?)

Diese Frage höre ich besonders oft, da ich NICHT die leibliche Mutter unseres Sohnes bin, sondern meine Frau unseren Sohn geboren hat. Gerne kommt diese Frage auch noch garniert mit Sätzen wie „Blut ist ja dicker als Wasser – das merkt Ihr doch bestimmt?!“ Für mich ist diese Frage immer wieder eine kleine Ohrfeige. Und ich kann nur antworten: „Liebe hat doch nichts mit Blutsverwandschaft zu tun! Emotional gibt es schlicht keinen Unterschied zwischen mir und meiner Frau, was die Liebe zu unserem Sohn betrifft. Und von ihm aus übrigens auch nicht. Es spielt und spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle, wer die biologische Mutter ist. Wir sind beide zu 100 % Eltern. Liebe ist Herzenssache, keine „blutige“ Angelegenheit.“

Frage 2: Was sagen denn andere Kinder dazu, dass Euer Sohn keinen Vater hat? Das ist doch sicher für alle total interessant?

Ehrlicherweise: Anderen Kindern ist das bisher von Herzen egal. Wenn das Thema auftaucht, was höchstselten der Fall ist, dann erklären wir, dass unser Sohn eben keinen Papa, dafür aber zwei Mamas hat. Oder er stellt es selbst klar. Und damit ist die Sache erledigt. Kinder sind in dieser Hinsicht unglaublich unkompliziert, solange man sie als Gegenüber ernst nimmt. Für sie sind alle Familienmodelle und Lebensentwürfe total ok  (bei Bekannten war übrigens die Antwort eines Kinder im Kindergarten, als das Thema zur Sprache kam: „Och, ich will auch zwei Mamas haben…“ 😊 ). Natürlich wird das alles im Laufe der Jahre immer wieder Thema sein und für Jugendliche eine andere Tiefe haben. Aber Studien zeigen hier sehr deutlich: Das Thema ist eines in den Köpfen der Erwachsenen – nicht für die Kinder. Die sind entspannt.

Und nun zur unangefochten und meistgestelltesten Frage, Frage 3:  Wie habt Ihr das mit dem Kind gemacht, wie habt Ihr es gezeugt?

Wie gesagt, ich habe nichts gegen Fragen aller Art und natürlich kann ich verstehen, dass das ein interessantes Thema ist. Doch hier merken wir immer wieder, wieso das Wort „Gier“ in „Neugier“ steckt: Jedes Taktgefühl, jede Sensibilität geht verloren. Diese Frage wird mir von Kollegen im Flur, an der Bäckertheke, im Kindergarten, im Wartezimmer…einfach an den unpassensten Orten und von Menschen gestellt, die ich kaum kenne.
Aber, Achtung, Überraschung:  Dieses Thema ist, wie bei allen Paaren, unsere privateste Privatsache. Und der Kreis derer, mit denen wir darüber sprechen, ist natürlicherweise sehr, sehr klein. Warum viele Menschen davon ausgehen, dass das in unserem Falle anders sein könnte, verstehe ich bis heute nicht.
Ich antworte hier übrigens dann gerne, dass wir uns für das „katholische Modell“ entschieden haben, also die „unbefleckte Empfängnis“….das finden nicht alle witzig, ich aber, gerade wegen der katholischen Doppelbödigkeit, sehr 🙂 !

Illustriert wird mein Post heute nochmal mit einem spätsommerlichen T-Shirt für unseren kleinen Mann, einem Raglan-Shirt nach Klimperklein aus dem wunderbaren Hilco-Jersey „Boards4Ever“. Die Hals- und Armbündchen sind aus einem großartigen GOTS-zertifizierten Bio-Feinripp-Bündchen „Ole“ in senfgelb von „Stoffeversand4you“. Davon werde ich mir demnächst noch Nachschub ordern, so begeistert bin ich von der Qualität.

So, Ihr Lieben, dann freue ich mich auf einen bunten Oktober mit Euch!

Hier gehts zur neuen Linkparty:

Alles Liebe wünscht Euch

Karin

Stoff: Jersey „Boards4Ever“ von Hilco (noch über Dawanda erhältlich)
Bündchen: Bio-Feinripp-Bündchen „Ole“ in senfgelb (hier erhältlich)
Schnitt: Raglan-Shirt von Klimperklein (hier erhältlich)
Linked @: Ich näh bio, Selbermachen macht glücklich, Nähzeit am Wochenende

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12 Gedanken zu “Menschen(s)kinder im Oktober – und ein Wort über Fragen an eine Regenbogenmama :-)

  1. Liebe Karin, spätestens über Frage 3 ärgerst du dich absolut zu recht. Vollkommen egal, wie die Familienkonstellation ist: Solche Fragen stehen niemandem zu. Sicher freuen sich Freunde oder Verwandte von euch über das Vertrauen, wenn ihr euch entscheidet, ihnen etwas über eure Familienplanung zu erzählen, aber das setzt doch voraus, dass ihr euch gut kennt. Und selbst dann kann die Entscheidung nur bei euch liegen, ob ihr Erfahrungen und Erlebnisse teilen wollt. Insofern finde ich deine Standard-Antwort noch ziemlich gelassen und geduldig.
    Ich wünsche eurem Sohn, dass die Kinder, die seine zwei Mamas normal finden oder beneiden, ebenso entspannte und aufgeschlossene Erwachsene werden!
    Liebe Grüße, Meike

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  2. Unbefleckte Empfängnis finde ich als Standardantwort auf so eine unverschämte Frage genial. Ich werde dieses Wort unbedingt auch in meinen Sprachgebrauch aufnehmen. Unsere Tochter ist nämlich auch so entstanden 😉

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    1. Danke Dir für Dein liebes Feedback – und wenn ich Dir für ähnlich unangenehme Situationen mit der „unbefleckten Empfängnis“ eine entwaffnende Antwort weitergeben kann, freut mich das umso mehr 🙂 Wie schön, dass unsere Kinder diese so katholische Entstehungsgeschichte verbindet…hihi. Ganz liebe Grüße!! Karin

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  3. Die katholische Empfängnis finde ich wunderbar. Ich würde an eurer Stelle wohl auch sofort die Gegenfrage stellen, wie denn der oder die Fragesteller ihren Nachwuchs zu zeugen pflegen…
    Zwei gute Freundinnen von mir sind verheiratet (also miteinander, das ist hier der Punkt ;-)) und gehen mit ihrem Kinderwunsch auch sehr offen um. Ich kann trotzdem schon nicht mehr zählen wie oft ICH gefragt wurde, wie die beiden das denn anstellen. Ich! Als ob ich dabei wäre!
    Liebe Grüße, Änni

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    1. Liebe Änni, danke Dir sehr für Deinen Kommentar! Deinen Tipp mit der Gegenfrage habe ich auch schon ausprobiert – das Gegenüber ist überraschender Weise „not amused“ :-)…um das Wort „aggressiv“ zu vermeiden. Danke Dir auch für Deinen Bericht, dass selbst Du nicht von dieser (neu)gierigen Fragerei verschont bleibst. Es ist schon verrückt. Aber apropos verrückt:
      Ein befreundetes Heteropärchen von mir hat ein Kind adoptiert. Und ihnen wird dauernd die Frage gestellt, an wen von beiden es denn lag, dass sie keine Kinder auf natürlichem Wege kriegen konnten…. das finde ich auch unfassbar. Also, diese Art von dreister Fragerei gibt es leider überall…man kann sich nur mit guten Antworten ausrüsten!
      Ich wünsche Deinen Freundinnen, dass sie ganz bald eine Regenbogenfamilie gründen 🙂 Und das Kind hat ja dann auch eine wunderbar nähende Tante 🙂 Liebe Grüße! Karin

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  4. all das erinnert mich schlimm an die berichte von behinderten menschen… die werden auch immer so nen quatsch gefragt. irgendwie scheint alles, was nicht heteronormativ ist, die menschen zu verwirren. und warum die umstände dessen, wie man da hin kommt nicht einfach mal egal sein können…. tz…. lass dich nicht unterkriegen.
    liebe grüße,
    jule*

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  5. Haha, ich finde die „unbefleckte Empfängnis“ auch eine grandiose Antwort! Schön zu sehen, dass zumindest Ihr selbst den Humor noch nicht verloren habt, trotz unverschämt dreister und viel zu intimer Fragen. Liebste Grüße, Gabi

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  6. Uffuffuffuff. Man kann wirklich nur innigst hoffen, dass diese „AfD-Ära“ kurz ausfällt und uns keine spürbaren Rückschritte beschert; in vielerlei Hinsicht, aber eben auch in Sachen „mentale Rückkehr zum traditionellen Familienmodell“. Mich beruhigt es ja fast, dass auch mir als fast langweiligst klassischem Heterowesen – Mann, Kind, Hund – mitunter indiskrete Fragen gestellt werden … weshalb wir nämlich eigentlich kein zweites Kind haben und dass das doch allmählich Zeit würde, zum Beispiel. Wenn ich dann sage, dass ich ums Verrecken nicht noch mal die Babyzeit durchmachen werde (ich hatte eine ziemlich heftige postpartale Depression, die erste und hoffentlich letzte Depression meines ganzen Lebens), da werden manche Leute auch so ein bisschen zudringlich. Und da werde ich mitunter recht unhöflich(st). Ich will mir gar nicht ausmalen, wie es sich anfühlt, wenn irgendwelche im Grunde ganz fremden Idioten, Verzeihung, Mitmenschen, einen nach der Zeugung fragen.

    Hab den Eindruck, dass immer noch in vielen Köpfen rumspukt, dass sich Leute, die nicht ins heteronormative Konzept passen, „freuen“ sollten, wenn man sie „akzeptiert“ (gleichbedeutend mit: nicht beschimpft). Und wenn man das dann kritikwürdig findet, also diese auf ganz fabelhafter Großmut basierende Herablassung, denn das ist es nun mal, dann heißt es schnell: „Ihr (wer „ihr“ eigentlich?) redet immerzu von Toleranz, aber selbst seid ihr dich auch nicht tolerant, sonst würdet ihr ja akzeptieren, dass manche Nichtheterosexualität halt nicht toll finden!“ Ich schließe bei Internet“diskussionen“ dieser Art und auch im echten Leben manchmal Wetten mit mir selbst ab, wann der Spruch wohl kommen wird. Und dann manchmal diese milden Vorwürfe, dass die Betreffenden es ja so demonstrativ „nach außen“ tragen würden. Wenn sie zum Beispiel Hand in Hand so „provokativ“ durch die Stadt schlendern, muss doch nicht sein.

    Argh. ARGH! Ich bin froh, dass Du da offenbar eine Menge Gelassenheit im Gepäck hast. Ich würde manchmal sehr gern lesbisch werden, einfach um – weiß nicht. Aus Trotz. Auch albern, ich weiß. Aber es geht mir einfach ganz wahnsinnig auf den Zeiger, dass nicht ganz einfach allen Menschen auf der Welt die schlichte Tatsache klar ist, dass das einvernehmliche Sexleben ihrer Mitmenschen sie nur dann was angeht, wenn es zu nächtlichen Ruhestörungen führt oder so. Neugier ist schön und gut, Fragen auch, aber wenn darin diese eigenartige Herablassung mitschwingt, macht mich das ganz fuchsig, und auch, weil ich denke, dass es inzwischen eigentlich kein exotisches Thema mehr sein sollte. Jeder kann sich dazu belesen, wenn er möchte, wenn er der Meinung ist, dass es da was zu belesen gibt.

    Tschuldigung, dass ich Dich so vollgetrötet habe. ich glaube, dass Du in einem der Kommentare schriebst, dass manche auf die Gegenfrage ernstlich eher aggressiv reagieren, statt verlegen zu schnallen, dass Du sie gerade spiegelst, das hat mir gerade den Rest gegeben.
    Wie gesagt, schön, dass Du es mit so viel Humor nimmst. Ich … arbeite noch dran.

    Liebe Grüße!
    Maike

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