Die Shirt-Romanze von Birgitte Basic Tee und Dana Cross – und ein Wort zu fairen Preisen für Schnittmuster

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch von einer kleinen Romanze erzählen, die sich bei mir in der Nähecke ereignete: Die Liebesgeschichte von Dana und Birgitte 🙂
Ich habe nämlich vor kurzem das Birgitte Basic Tee von Maria Denmark entdeckt – und dann kam Dana.

Aber von vorne:

Ich hatte in den letzten Monaten immer wieder Frusterlebnisse, was das Nähen von Kleidung für mich betraf. Obwohl ich vorher genau Maß nehme, die im Schnitt angegeben Tabellen vergleiche, Schnitte im Zweifel anpasse usw., hatte ich doch mehrere Teile am Ende in den Händen, die mir von der Passform her so gar nicht zusagten (hier hatte ich das schon mal angerissen). So habe ich eines frustigen Abends in meiner Schnittmustermappe „Tabula rasa“ gemacht und rigoros aussortiert. Und mir u.a. vorgenommen, zielgerichtet gerade bei den Schnittmuster-Labels nach Schnitten für zu schauen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Und das sind ehrlicherweise nicht soooo viele…

Einer der Schnitte, den ich bisher am häufigsten für mich genäht habe, ist das „Kimono Tee“ von Maria Denmark. Die Passform ist einfach großartig für mich, sie entspricht irgendwie genau meinen Proportionen. Und so habe ich bei Maria Denmark im Shop gestöbert und bin über das „Birgitte Basic Tee“ gestolpert.

Das Birgitte Basic Tee ist ein klassischer, leicht taillierter Shirt-Schnitt mit einem eher tiefen Rundhalsausschnitt. Ob man ein T-Shirt, ein Shirt mit ¾ – Arm oder ein Longsleeve daraus macht – im Schnitt sind alle Varianten vorgesehen. Zuversichtlich landete also Birgitte in meinem Warenkorb.

Die Stoffwahl fiel für mein „Probeteil“ auf einen Lillestoff, bei dem ich mich leider farblich etwas verkauft hatte: dem Slub-Jersey „Dana Cross“. Ich hatte ihn online bestellt und einen leichtem Violett-Ton des Stoffes erwartet. In Wahrheit ist er aber eher bräunlich-beige – so gar nicht meine Farbe. Also hatte ich mir den 80 cm großen Rapport für ein „Probeteil“ aufbewahrt. Nun sollten also Dana und Birgitte zusammenfinden  – fast eine lesbische Romanze 🙂

Aufgrund der Größe meines Stoffstücks sind die Ärmel irgendwo zwischen „¾ und kurzarm“ gelandet. Ansonsten habe ich den Schnitt unverändert genäht. Und: Die Romanze von Dana und Birgitte hat ein Happy End! Der Schnitt ist großartig. Das Shirt passt mir (in XL) wie angegossen. Ich hatte ein wenig Bedenken, ob der Ausschnitt zu weit ist, aber er gefällt mir so eigentlich ganz gut – hier werde ich aber wahrscheinlich noch ein bisschen „rumspielen“. Die nächste Birgitte ist schon zugeschnitten! Ich freue mich echt sehr, dass dieser Plan aufgegangen ist.

Wen es interessiert: Das Ebook aus eher knapper Anleitung und Schnittmuster hat im Shop von Maria Denmark 10,00 Euro gekostet. Das ist sicher kein Schnäppchen. Aber über den Wert und die Preise von Schnittmustern habe ich erst vor Kurzem wieder nachgedacht, als Ricarda von „Pech und Schwefel“ ansprach, warum sie mit ihrem Schnittmuster-Label bei den 2-Euro-Aktionen von Makerist NICHT teilnimmt (wer diese nicht kennt: Makerist handelt u.a. mit Schnittmuster-Ebooks, mittlerweile sind knapp 15000 Schnitte dort zu haben. In regelmäßigen Abständen kann man 3 Tage lang (fast) alle Schnittmuster für 2,00 Euro das Stück kaufen).

Ricarda sagte, dass ihrer Meinung nach Makerist damit den Markt ziemlich kaputt macht, weil mittlerweile viele Näherinnen auf diese Aktionen warten und den Schnitt eben nur dann kaufen, wenn er nur 2,00 Euro kostet. Doch bei diesen Aktionen bleibt den Schnittmustererstellerinnen weniger als 1,00 Euro pro verkauftem Schnitt übrig. Für Makerist sind diese Aktionen jedoch trotzdem sehr lukrativ, weil deren Gewinn einerseits dem sonst üblichen ähnlich ist und zweitens die Masse für eine gut gefüllte Kasse sorgt (während dieser Aktionszeiträume ist die Makerist-Seite oft nicht zu erreichen, so viele Zugriffe hat sie…).

Ich muss sagen, dass ich mich da ertappt fühlte. Meine Merkliste bei Makerist ist gut gefüllt, denn: Irgendwann wird die nächste Aktion kommen. Auch ich habe ich so schon viele Schnitte bei Makerist-Aktionen erworben, die ich bis heute noch nicht genäht habe – ergo, nicht brauche. Ich glaube auch nicht, dass der Marketing-Effekt für die Labels hier recht groß ist. Es geht schlicht um das Schnäppchen. Bei 2,00 Euro? Was kann man da falsch machen?

Eben so einiges: Mit dieser „Geiz ist geil“-Mentalität wird gerade den kleinen Schnittmusterlabels das Wasser abgegraben. 2,00 Euro sind kein fairer Preis für ein professionelles Schnittmuster mit ausführlicher Anleitung. Und so sehr ich Schnäppchen und Angebote liebe: Das, was da passiert, und worauf mich Ricarda dankenswerter Weise mit der Nase gestoßen hat, ist meinem Gefühl nach nicht richtig.

Insofern sehe ich meine in das Birgitte Basic Tee investierten 10,00 Euro als gute Geldanlage an. Ich denke, ich werde das Shirt noch sehr oft nähen und freue mich einfach, dass es mir so gut passt 😊

So, mit diesen Worten wandern Dana und Birgitte nun zu RUMS und zu den Bio-Link-Partys! Und da die Schnittmuster-Frage ja durchaus eine politische Dimension hat, schicke ich den Beitrag auch noch zur lieben Jule, die jeden Monat das Politische im Handarbeiten sucht.

Ich wünsche Euch eine gute Restwoche!
Karin

Schnitt: Birgitte Basic Tee von Maria Denmark
Stoff: Slub-Jersey „Dana Cross“ von Lillestoff (z.B. noch hier über Dawanda erhältlich)
Linked@: Jule – DIY or die, RUMS, Ich näh bio, Selbermachen macht glücklich

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7 Gedanken zu “Die Shirt-Romanze von Birgitte Basic Tee und Dana Cross – und ein Wort zu fairen Preisen für Schnittmuster

  1. Dein Shirt ist toll geworden und die Farbe kannst du gut tragen. Auch bei mir schlummert noch dieses Paneel, aber eins ist irgendwie zu wenig für ein Erwachsenenshirt, daher liegt es noch.

    Zu der Makerist- Aktion kann ich nur sagen, dass ich diese auch in Anspruch nehmen. Aber nicht, weil ich Geiz geil finde, sondern weil ich dir auf Anhieb 10 Schnittmusterlabels, teils auch hochgelobte und bekannte, nennen kann, die so gradieren, dass man sich den Blick auf die Maßtabelle echt schenken kann. Ich habe schon oft gemessen wie ein Weltmeister und dann geschaut in der Tabelle und die Teile haben am Ende kein Stück gepasst. Manchmal viel zu riesig, manchmal viel zu klein. Die sind dann sicher auch keine 6,90 Eur wert! So ist es eine Mischkalkulation und ja, Makerist verdient, darf es aber auch, denn es stellt eine riesige und frei zugängliche Plattform zur Verfügung für die Verkäufer, die sonst zum Teil nichts bis wenig verkaufen würden. Man erreicht hier als Verkäufer eben eine breite Masse und keiner ist ja verpflichtet und das ist doch schön, dass hier jeder selbst entscheiden kann, ob er teilnimmt oder nicht. Ich finde, man kann hier auch mal einen Kauf tätigen, der nicht unbedingt notwendig ist, um ein Label auszutesten. Gefällt einem rundherum alles, kauft man dann auch sicher zu normalen Preisen nach, so handhabe ich das zumindest. Für die Verkäufer ist das in erster Linie Marketing, so funktioniert das ja auch im Einzelhandel, Aktionen, die Kunden anlocken sollen.

    LG Katrin

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    1. Liebe Katrin, danke für deine Gedanken zum Thema. In dem Punkt, dass es so unendlich viele, wahnsinnig schlechte Schnittmuster gibt, bin ich total bei Dir. Leider gibt es, wie auch sonst überall, einfach so einige, die denken, dass man hier das „schnelle Geld“ machen kann, egal ob man über das entsprechende Fachwissen verfügt oder nicht. Das ist wahnsinnig ärgerlich. Und den Gedanken „Wenn es schlecht ist, habe ich wenigstens nur 2 Euro in den Sand gesetzt.“ kenne ich natürlich auch. Ich glaube nur, dass man diesen Konflikt dann auf dem Rücken der Schnittmustererstellerinnen austrägt, die wirklich viel Geld und Mühe in die Erstellung eines guten Schnittmusters investieren. Ich frage mich, ob es da keinen anderen Weg gäbe, die „schlechten“ rauszufiltern?
      Ist gibt ja durchaus auch so einige Labels, die nur in „ihren Online-Shops“ verkaufen und dort auch immer wieder gute Angebote machen. Da hab ich auch dann kein schlechtes Gewissen…
      Ein weites Feld – danke, dass Du Dir auch Gedanken dazu gemacht hast und diese hier teilst!
      Liebste Grüße! Karin

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      1. Karin, voll und ganz deiner Meinung. Gut wären mehr Portale, die viel genutzt werden, in denen man ehrliche und konstruktive Rezensionen für Schnitte erstellen kann. Da könnte sich dann jeder ein Bild machen, vom jeweiligen Produzent. Allerdings läuft man da Gefahr, wie auf der bekannten Verkaufsplattform, dass hier unechte und gekaufte Rezensionen entstehen. Es bleibt wohl offen, wie man damit umgehen soll und jeder muss für sich selbst entscheiden und dann guten Gewissens mit seiner Entscheidung leben.

        LG Katrin

        Gefällt 1 Person

      2. Interessiert habe ich eure Diskussion gelesen. Ich denke auch, der Hauptpunkt liegt darin, die „schlechten“ herauszufiltern. Es gibt zwar inzwischen einige Bewertungsportale und auch bei makerist können die Schnitte bewertet werden. Ich sehe ein Problem aber darin, dass die Nähszene doch recht „nett“ zueinander ist. Damit entstehen eher selten „echte“ Bewertungen und auch durch die hohe Individualität der Schnitte und die dadurch entstehende, sehr differenzierte, Passform, kann keiner sagen, ob das Schnittmuster passt oder nicht. Zumindest kann man aber versuchen, über die zusätzlichen Infos gute und konstruktive Kritik zu geben.

        LG Anja

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  2. das Shirt sitzt wirklich super bei dir und mir gefällt auch der Stoff. schade, dass er nicht deinem Farbschema entspricht.

    ich habe gerade bei der letzten Makerist-Aktion auch überlegt, ob und wie sich das eigentlich für wen lohnt.
    ab und an habe ich tatsächlich schon zugeschlagen, 2 Euro sind halt einfach verlockend.

    LG
    sjoe

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  3. Hallo Karin, deine Gedanken kann ich so gut verstehen! Ich habe ganz lange nichts bei 2-Euro-Makerist-Aktionen gekauft, weil ich immer gedacht habe, dass ich lieber ein paar Schnittmuster weniger kaufe und dafür einen Preis bezahle, bei dem ich ein gutes Gewissen haben kann. Irritiert hat mich aber trotzdem, wie viele Designer da überhaupt mitmachen. Also habe ich eine mal gefragt, warum sie ihre Ebooks, in denen wahnsinnig viel Arbeit und Liebe steckt, für zwei Euro verschleudert. Tja, und sie sagte, dass sie lieber 0.99 Euro pro Schnitt bekommt als nichts, und dass einfach kaum noch jemand normalpreisige Schnitte kauft. Es klang so, als ob der Zeitpunkt schon vorbei sei, an dem man noch gegenhalten könnte. Ich finde das traurig und ungerecht, kann sie aber auch verstehen. Seitdem kaufe ich gelegentlich Schnitte bei den Aktionen, von denen ich finde, dass ich zwei Euro mit meinem Gewissen vereinbaren kann: Mützen, eine Badeshorts, ein zwei-Schnittteile-Shirt. Keine Blazer, keine aufwendigen Hosen, keine Großprojekte. Das ist mein persönlicher Mittelweg. Ärgerlich finde ich es aber immer noch. Liebe Grüße, Meike

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  4. Hallo liebe Karin,

    deine Shirt -Romanze gefällt mir sehr gut! Steht dir ausgezeichnet!

    Deinen Gedanken zu der Makerist Aktion kann ich definitiv zustimmen. Auch das „sich ertappt fühlen“. Denn meine Liste ist da auch lang und ich hab auch schon gedacht: Die nächste 2-Euro-Aktion kommt bestimmt!

    Ich schaue mittlerweile aber auch, was ich bei den 2 € Aktionen kaufe und was zum regulären Preis. Wenn es die Schnittmuster direkt in dem Shop von den Designer gibt, dann kaufe ich sie auch lieber direkt.

    Das mit den lieber 1,-, als nichts, wie kleinerstoepsel schrieb, wurde mir auch schon gesagt. Und auf der anderen Seite habe ich bei der Aktion auch tatsächlich schon Schnittmuster gekauft, die ich sonst eben nicht gekauft hätte. Also ein zweischneidiges Schwert! 😉

    So, noch mal zum Schluss: Dein Shirt ist klasse!

    Liebe Grüße
    Jenni

    Gefällt 1 Person

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