Ein Kolibri-Shirt – und ein bisschen Modal-Kunde

Eigentlich wollte ich „Modal“ gar nicht ausprobieren. Aber ich hatte mich in ein Stoffdesign verliebt, und zwar einen (wie ich dachte) Jersey im wunderschönen Kolibri-Stoffdesign von Lillestoff. Bei Stoffen mit Vogel-Motiven werde ich einfach schwach 🙂 Und dann auch noch in meinem Farbschema – der Stoff musste also her. Als ich ihn dann in den Händen hielt, war ich aber sehr überrascht: Das soll Jersey sein? Ein Blick auf die Rechnung sprach die Wahrheit:  Da stand überdeutlich „Modal“. Das hatte ich wohl einfach im Stoffkaufrausch überlesen.

Also habe ich erstmal gegoogelt und mich über „Modal“ schlau gemacht. Und was ich da so gelesen habe, hat, nach anfänglicher Skepsis, mein „grünes Nähherz“ gefreut:

Modal ist eine Zellulose-Faser. Diese Faser wird chemisch aus Buchenholz gewonnen und so versponnen, dass ein leichtes, weiches, leicht glänzendes und sehr dehnbares Gewebe entsteht, das sich am Ende auch noch gut färben und bedrucken lässt. Modal ist darüber hinaus – Achtung, jetzt kommts – ziemlich nachhaltig: Es wird (wenn der Hersteller das möchte) 80% weniger Wasser verbraucht als bei der Herstellung von Baumwolle. Zudem ist Modalstoff biologisch abbaubar und vegan. Bingo!

Ob ein Modal-Stoff ein „Bio-Stoff“ ist bzw. sein kann, daran scheiden sich übrigens die Geister. So bezeichnet die Fa. Hess Natur die Modalstoffe, die für deren Kollektion verwendet werden, als „nachhaltig“, weil die Buchenhölzer FSC- und PEFC-zertifiziert sind (Zertifikat für verantwortungsvolle Waldwirtschaft und Zertifikat für nachhaltige Waldbewirtschaftung). Das Wort „Bio“ steht hier nicht. Auch die Firma Lillestoff selbst verkauft die Modal-Stoffe nicht als „Bio-Stoffe“ schreibt aber, dass sie nur Modalstoffe aus „nachhaltiger Produktion“ bezieht.

Ich denke, dass die chemische Herstellung der Faser „bio“ einfach unmöglich macht – was ja aber nicht heißen muss, dass es sich nicht um einen nachhaltigen, umweltverträglichen Stoff handelt. Insofern hat Modal meinen persönlichen Nachhaltigkeitstest bestanden – soweit die Hersteller eine ressourcensparende Herstellung garantieren.

Beim Nähtest schloss mein Kolibri-Modal dann auch ganz gut ab, wobei man sagen muss: Das Buchenholzstöffchen hat ein munteres Eigenleben, welches sich aber mit vielen Stoffklammern bändigen lässt.

Ich wollte ein klassisches Shirt im Kolibri-Design haben und habe mich für das „Shirt Nr. 1“ von Leni P.Punkt entschieden. Die Anleitung ist (wie immer bei Leni P.Punkt) sehr gut und kann ich jeder Anfängerin nur wärmstens ans Herz legen. Klassisch verzockt habe ich – im ersten Versuch – allerdings das Halsbündchen (ohne Schuld der Anleitung). Der Stoff dehnt sich einfach sehr viel mehr als Jersey. Und so war das Kragenbündchen trotz „Anprobe“ des Stoffstreifens am Kragen nach dem Annähen viel zu weit. Aber das Auftrennen der Ovi-Naht am Kragen bei einem so feinen Stoff geht ja schnell und unkompliziert…und so ein Nahttrenner liegt einfach so schön in der Hand…

Und, auch da gerate ich ins Schwärmen: Der Stoff trägt sich großartig. Man merkt ihn kaum. Total leicht und weich, das ist wirklich wahnsinnig angenehm, fast wie eine zweite Haut…Doch apropos zweite Haut: Die fließende Eigenschaft von Modal hat zur Folge, dass sich der Stoff eben wie eine zweite Haut auch über JEDE Rundung legt. Also JEDE. Da war ich doch überrascht.

Alles in allem muss ich jedoch sagen, dass ich mein Kolibri-Modal-Shirt sehr liebe und froh bin, dass ich diesbezüglich meinen Nähhorizont erweitert habe. Es wird sicher nicht mein letztes Modal-Teil bleiben, Lillestoff hat da ein paar ganz wunderbare Stöffchen im Programm…

So, und jetzt darf das Shirt noch zu RUMS – eine stete Inspirationsquelle!

Alles Liebe wünscht Euch

Karin

 

Stoff: Modal Picaflor Kolibri  von Lillestoff (noch z.B. hier über Dawanda zu haben)
Schnitt: Shirt Nr. 1 von Leni P.Punkt, Variante Kurzarm mit Rundhalsausschnitt)
Linked @: RUMS

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11 Gedanken zu “Ein Kolibri-Shirt – und ein bisschen Modal-Kunde

  1. Guten Morgen, Karin, vielen Dank für die „Modal-Kunde“! Ich hab daraus eine Menge gelernt, ich habe Modal aus urtümlicher Skepsis heraus auch noch nie angefasst. Was du zum Stoff und seiner Herstellung schreibst, hat mich sehr positiv überrascht, das wusste ich wirklich nicht. Die Eigenschaften halten mich dagegen wirklich vom Kaufen ab. Ich glaube, da bleibe ich spießig bei Jersey und Webware… Es sei denn, es kommt dann doch mal mein Traum-Muster in Modal um die Ecke. Dann werde ich es mir noch mal überlegen müssen. Viele Grüße, Meike

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  2. „Biologisch abbaubar“ – das wusste ich noch nicht. Mhm, was heißt das nun, wenn man sein Kleidungsstück eigentlich in die Altkleidertonne packen würde… 🙂 Ein schönes Shirt – ich liebe den Stoff auch, habe aber auch so meine Probleme damit.
    lg charla

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  3. Hallo Karin,
    erstmal musste ich ja grinsen beim Lesen. Das Thema mit dem Halsbündchen kenne ich. Hut ab, daß Du das aufgetrennt hast, ich glaube ich hätte da ganz ruppig abgeschnittten 🙂
    Dein Shirt gefällt mir sehr gut.
    Liebe Grüße & ein schönes Wochenende,
    Anja

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