Mit Physalis-Körbchen zum CSD

„Farbe, Vielfalt, Toleranz“ heißt es ja gerade bei mir im Blog: Die CSD-Link-Parade läuft noch bis 31.7.! Die Blogtour macht heute Halt bei Chrissy, die ein wundervolles Kleid gezaubert hat. Sie ist die dritte, großartige Paradebloggerin nach Nico (Art und Stil) und Susanne (Mamimade). Und Ihr seid alle herzlich eingeladen, ebenfalls Teil dieses kleinen Online-CSDs zu werden!

Nach meinem Auftakt-Post letzten Mittwoch, wo ich den Regenbogen-Schlafanzug gezeigt und ein bisschen vom Stiefkindadoptionsverfahren berichtet habe, habe ich heute mal zur Abwechslung ein farbenfrohes Häkelprojekt dabei: Ein gehäkeltes Physalis-Körbchen nach Elealinda. Und das Zeigen des Körbchens will ich außerdem dafür nutzen, ein paar Worte zum Thema „Coming Out“ zu verlieren…und damit fang ich gleich mal an.
Die Forschung sagt:  Niemand ist zu 100 % hetero- oder zu 100 % homosexuell. Wir bewegen uns unser Leben lang immer auf einem Kontinuum, also zwischen den beiden Polen – auch wenn wir es selbst vielleicht nicht so empfinden. Schwul oder lesbisch zu sein oder zu werden oder zu leben hat also ungefähr eine Million Facetten, und das, was man „Coming Out“ nennt, kommt in allen Lebensphasen vor – wobei es am häufigsten im Alter zwischen 15 und 25 „Thema“ ist. Und für die allermeisten ist das Coming Out in der Familie nach wie vor das schwierigste Kapitel.
Jetzt möchte man meinen, dass im Jahr 2017, wo auch gerade noch die „Ehe für alle“ auf den Weg gebracht wurde, Eltern oder Familienangehörige entspannter sind, wenn sich Kind, Bruder, Tante, Opa oder Schwager outen.  Das ist aber leider nicht der Fall. Studien zeigen das immer wieder knalhart auf, z.B.:
  • Knapp die Hälfte der Jugendlichen gibt an, in der engeren Familie nach dem Coming-Out Diskriminierung erfahren zu haben, 65 %, dass ihr Coming Out nicht ernst genommen wurde. (Studie aus 2016)
  • Das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren ist vier- bis siebenmal höher, als das von Jugendlichen im Allgemeinen. Je geringer die Akzeptanz, desto größer der Selbstzweifel. (Studie aus 2010)
Viele von Euch werden sich an ihre eigene Pupertät und die wilden Gedanken im Kopf in dieser Lebensphase erinnern. Für schwule und lesbische junge Menschen kommt da noch der Coming-Out-Wahnsinn oben drauf – kein Spaß. Ich selbst erinnere mich nur ungern an diese Zeit zurück. Und wenn dann auch noch die Familie als sichere „Bastion“ wegbricht, ist das die Hölle. Für viele ist die Familie emotionale Heimat, und allein die Erwartungen zu enttäuschen, ist schon schwer zu ertragen. Und wenn Eltern dann auch noch ablehnend reagieren, folgt leider oft ein tiefer Fall…
In meinem Umfeld kenne ich nur ganz wenige Ausnahmen, in denen die „Kinder“ (also heute Erwachsenen) aus vollem Herzen sagen konnten: „Meine Eltern haben mir immer vermittelt, dass sich zwischen uns nach einem Coming Out als lesbische Tochter / schwuler Sohn nichts ändert.“ Für die allermeisten sah die Realität anders aus: Im besten Falle Ignoranz, im schlimmsten Falle Ablehnung bis hin zum Kontaktabbruch.
Vielleicht mag ja die eine oder der andere unter Euch diese Zeilen zum Anlass nehmen, ein bisschen drüber nachzudenken, welche Signale ihr in Euren Familien sendet… Vielleicht habt ihr ja auch schon Erfahrungen mit Outings in Eurer Familie und mögt in den Kommentaren (oder im Rahmen eines eigenen Postings :-)) davon berichten?!
So, und jetzt noch zu meinem Häkelwerk: Ich bin häkeltechnisch ein bisschen aus der Übung, seit ich die Nähmaschine für mich entdeckt habe. Aber als ich bei Elealinda über die Anleitung zum Physalis-Körbchen Anastasia gestolpert bin, hing ich auch mal wieder ein bisschen an der Häkelnadel. Ich mag die bunten, verspielten Designs von Elealinda sehr. Die Anleitung ist sehr gut, aber das Körbchen ist definitiv kein Anfänger-Projekt. So viele Muster auf so engem Raum haben mich ganz schön herausgefordert. Verwendet habe ich, wie in der Anleitung auch empfohlen, das wunderbare Baumwoll-Garn „Catania“.
Ich finde, das Körbchen ist sehr süß geworden. Allein mit meiner Farbwahl bin ich im Nachhinein nur so mittel zufrieden. Insbesondere das Gold hätte ich mal besser nicht genommen. Aber gut, jetzt ist es so und das Physalis-Körbchen darf meine Nähecke zieren. Momentan bewahre ich meine Stoff-Klammern darin auf – aber das ändert sich immer mal wieder 🙂

So, dann wünsche ich Euch einen wunderbaren RUMS-Tag und würde mich freuen, wenn ihr beim CSD dabei wärt! Hier könnt ihr nochmal die „Regeln“ nachlesen.

Alles Liebe wünscht Euch
Karin
Verwendetes Garn: Catania von Schachenmayr

 

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9 Gedanken zu “Mit Physalis-Körbchen zum CSD

  1. Endlich geht mein Internet wieder, endlich kann ich hier zuschauen, was sich regenbogenbuntes tut! Und ich freu mich riesig darüber.

    Es ist erst zwei Jahre oder so her, dass ich meiner Mutter, halb betrunken, auf einem sehr emotionalen Heiligabendspaziergang gesagt habe, dass ich mir mit 15 so gar nicht sicher war, ob ich nicht eigentlich Frauen viel interessanter finde als Männer. Ich sagte das aus der sicheren Position einer Tochter, die längst durch Partnerschaften mit Menschen männlichen Geschlechts „bewiesen“ hatte, dass sie Männer nicht so uninteressant fand, wie mit 15 begrübelt. Trotzdem war da unglaubliche Erleichterung, dass meine Mutter einfach nur meine Hand drückte und mir sagte, dass sie das doch längst geahnt hätte. Und dass das doch nichts geändert hätte, daran, dass ich ihre geliebte Tochter sei. Das hat mir eine Menge bedeutet.

    Alles Liebe,
    Sabrina

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    1. Liebe Sabrina, machmal macht einem die Technik (oder das Leben) einfach einen Strich durch die Rechnung…ist bei mir gerade ähnlich – und es nervt total! Aber: Danke für Deine lieben Worte und Deinen Text. Es wird mir ganz warm ums Herz, wenn ich ihn lese. Wie schön, dass Du eine so wunderbare Mama hast. Ein tolles Vorbild 🙂 Alles Liebe und nochmal Danke! Karin

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  2. Liebe Karin, ich habe tatsächlich im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis niemand, der offiziell anders als heterosexuell wäre. ABER ich kann das, was Du übers Coming Out schreibst und zusammenfasst, trotzdem empathisch total gut nachvollziehen. Nicole von Art und Stil hat doch in ihrem Beitrag so sympathisch geschrieben, dass – auch wenn sie in einer heterosexuellen Beziehung lebt – ihr vielleicht einfach noch nicht die richtige Frau zum Verlieben über den Weg gelaufen ist. Für mich sehe ich das ähnlich, und auch für meine Kinder. (Nur frage nicht, wie mein gerade pubertierender Sohn reagiert, wenn ich ihm unaufgefordert versichere, es wäre für mich völlig ok, wenn er seinen Freund statt seiner Freundin nach Hause brächte. Peinlich berührt nämlich, wie ich sowas überhaupt denken könne.) Im übrigen bin ich der Meinung – und das habe ich vergessen zu schreiben – dass Sexualität vielleicht die wichtigste Nebensache der Welt ist, aber sie ist doch auch nur eine Facette unserer Identität. Ich finde es so ungerecht, wenn Menschen auf ihre Sexualität reduziert werden – und vor allem nur die, die „aus der Reihe fallen“! Dabei haben sie auch noch einen Beruf, sind Tochter, Mutter, Freundin, Handwerkelnde, Reisende, Lesende, Seglerin, Interessierte! Und wenn Sexualität nur EIN Aspekt ist, und wenn wir respekt- und liebevoll miteinander umgehen und uns gegenseitig als MENSCHEN begreifen, unabhängig von Gender, Hautfarbe, politischer Überzeugung,… – dann ist es plötzlich ganz leicht, einander wertschätzend zu begegnen. lg, Gabi

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    1. Liebe Gabi, Du sprichst mir aus der Seele. Ich frage mich auch oft, warum dieses eine Puzzlestück einer gesamten Identität so viel Raum einnimmt… Alle Menschen sind so viel mehr. Aber alle anderen Aspekte treten in den Hintergrund, wenn das Thema einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – „raus“ ist. Das ist echt verrückt. Danke für Deine lieben Worte 🙂 Herzliche Grüße! Karin

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