Startschuss für die CSD-Link-Parade! Farbe, Vielfalt, Toleranz!

Heute ist es tatsächlich soweit: Es ist Christopher-Street-Day und die CSD-Link-Parade geht los! Alle DIY- und Fotoblogger/innen sind eingeladen, bis 31. Juli Teil der CSD-Link-Parade zu werden! Postet ein farbenfrohes Projekt, verbindet Euren Blogpost mit einem kurzen oder langen Statement für Vielfalt und Toleranz und feiert auf Euren Blogs alle Facetten des Lebens!

Die Hintergründe und Regeln zur Linkparty habe ich im Ankündigungspost beschrieben! Gerne könnt Ihr aber auch die eigens für die CSD-Link-Party eingerichteten Seite (siehe oben) anklicken. Besonders stolz bin ich auch auf meine Parade-Bloggerinnen. Sie werden Euch während des gesamten Aktionszeitraums mit wunderschönen, farbenfrohen DIY- und Fotoprojekten sowie klugen Texten inspirieren:

Auch wenn ein LGBTI-Bezug keine Bedingung fürs Mitmachen ist, so musste für mein Eröffnungsposting heute jedoch ein Regenbogenprojekt im ganz klassischen Sinne her 🙂 . Geworden ist es ein Regenbogen-Sommerschlafanzug für unser (gar nicht mehr so kleines) Regenbogenbaby!

Ab und zu habe ich ja hier im Blog schon ein bisschen aus unserem Leben als Regenbogenfamilie geplaudert (z.B. hier und hier). Und heute möchte ich mal von einem sehr speziellen Kapitel erzählen: Ich musste nämlich, um auch als Elternteil meines Sohnes anerkannt zu sein, ein sogenanntes Stiefkind-Adoptionsverfahren durchlaufen.

Normalerweise ist es in Deutschland so: Wird ein Kind in eine Ehe geboren, sind diese beiden Personen die Eltern des Kindes. Punkt. Egal, ob die Eltern tatsächlich die biologischen Eltern sind (was bei Müttern wohl öfter außer Frage steht als bei den Vätern). Ist ein Kind „ehelich geboren“, stehen diese beiden Personen in der Geburtsurkunde als rechtliche Eltern.

Heiraten zwei Frauen oder zwei Männer, ist das was anderes: In Deutschland heißt das Ganze nicht Ehe, sondern „Eingetragene Lebenspartnerschaft“. Und somit ist ein Kind, dass in diese „Verbindung“ geboren wird, eben NICHT ehelich geboren – wir Homos dürfen (zumindest bisher) nicht in den Stand der Ehe eintreten.

Da bei uns meine Frau unseren Sohn zur Welt gebracht hat, hieß das in der Folge: Nur sie wurde bei Geburt als Mutter bzw. Elternteil anerkannt und in der Geburtsurkunde erfasst. Sie war formal alleinerziehend und allein vertretungsberechtigt. Ich wurde rechtlich als fremde Person behandelt.

Der Gesetzgeber war an dieser Stelle, nachdem er 2013 höchstrichterlich dazu verdonnert wurde, sehr großzügig und hat eingetragenen Lebenspartner/innen das Recht eingeräumt, das Kind des Lebenspartners im Rahmes eines Stiefkind-Adoptionsverfahrens zu adoptieren.
Und ich kann Euch sagen: Dafür braucht man nicht nur einen langen Atem (in unserem Fall 2 Jahre…), sondern auch Nerven dick wie Drahtseile. So musste ich z.B.

  • eine Gesundheitsprüfung durchlaufen und ein Zeugnis vorlegen, dass ich gesundheitlich als Erziehungsperson geeignet bin,
  • einen Nachweis meiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einreichen (von Arbeitsvertrag bis Sparbuch),
  • mehrere Besuche des Jugendamts ertragen, in denen „überprüft wurde“, ob zwischen meinem Sohn und mir eine Bindung entsteht und wie er auf mich reagiert…

Am Ende des Prozesses wurden wir dann vor das Amtsgericht geladen, wo wir nochmal alles darlegen durften, meine Frau offiziell einer Adption zustimmen musste und am Ende die Richterin die Adoption beschied. Einige Wochen später durften wir dann tatsächlich ins Rathaus und eine neue Geburtsurkunde abholen, in der wir nun beide als Eltern unseres Sohnes stehen.

Natürlich: Es ist völlig klar, dass nur eine Generation vor mir Schwule und Lesben von „Eingetragener Lebenspartnerschaft“ und „Stiefkindadoption“ nur träumen konnten. Und es gibt nichts auf dieser Erde, was ich nicht für meinen Sohn ertragen würde. Dennoch habe ich das Verfahren als unglaublich entwürdigend und diskriminierend empfunden. Ich bin Mutter dieses Kindes – und wurde behandelt, als wäre ich eine x-beliebige fremde Person.

Meine Frau und ich haben beschlossen, eine Familie zu gründen. Gemeinsam. Das Kind ist aus unserer Liebe entstanden. Wir haben ihm gemeinsam das Leben geschenkt, wir sind seine Eltern. Aber in der Gesetzgebung wird die Biologie immer noch über die Liebe gestellt. Wieso kann nicht einfach die Liebe der Maßstab sein, sondern nur das Modell Vater-Mutter-Kind?

Aber: Während ich diese Zeilen schreibe, tut sich was in Sachen „Ehe für alle“. Noch in dieser Woche, in der Woche des kalendarisch offiziellen CSDs, könnte es im Bundestag eine Abstimmung zur „Ehe für alle“ geben, bei der der Fraktionszwang aufgehoben ist. Und damit wäre eine Mehrheit für die „Ehe für alle“ sicher. Frau Merkel hat sich wohl einen Ruck gegeben. Aber noch ist die „Ehe für alle“ keine beschlossene Sache. Und solange bleiben bei mir die Zweifel wach. Es wäre großartig, wenn dann tatsächlich z.B.

  • die Regenbogenfamilien nicht mehr die Stiefkindadoptionstour hinter sich bringen müssten,
  • Kinderwunschbehandlungen legal möglich wären (die sind bisher auch nur für „Eheleute“ gesetzlich zulässig),
  • gleichgeschlechtliche Eltern gemeinsam ein Kind adoptieren dürften…

Einfach: Wenn die Liebe plötzlich der Maßstab wäre, und nicht biologische Schubladen und gestrige Ansichten. Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten…

So, und nun noch ein Wort zum Regenbogen-Schlafi: Diese Art von Schlafanzug gibt es bei uns mehrfach – es handelt sich dabei um das „Sommertop“ und die „Sommerhose“ von Klimperklein, die es beide als Freebook zum Download gibt.

Für die Fotos durfte unser Sohn mal im Schlafi nach draußen – was für ein Abenteuer! 🙂  Mit der großen Regenbogenfahne ist er bei uns laut lachend durch den Innenhof geflitzt – es war großartig und wir hatten unglaublich viel Spaß:-)

So, meine Lieben, dann freue ich mich jetzt auf knapp 5 Wochen CSD-Party! Ich bin unendlich gespannt auf Eure Beiträge, Fotos und DIY-Werke! Bitte einfach unten aufs Fröschchen klicken und los geht’s!

Liebste Regenbogen-Grüße und viel Spaß!
Karin

Schnitt: Sommerhose und Sommertop, beides Freebooks von Klimperklein
Stoff: Jersey „Regenbogen Blockstreifen“ von Swafing, über Dawanda (z.B. noch hier erhältlich)
Linked @: Menschen(s)kinder

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21 Gedanken zu “Startschuss für die CSD-Link-Parade! Farbe, Vielfalt, Toleranz!

  1. Liebe Karin, ich habe mit Neugier & Interesse gelesen, wie du dein Kind bekommen hast, und es scheint mir sehr viel unangenehmer, als eines zu gebären…es war für mich insofern neu, dass alle gleichgeschlechtlichen Beziehungen in unserer Familie kinderlos sind und dieses Thema nie ein Thema war. ( Dafür haben unsere Wahlverwandten mit unserer Oma 8 Jahre gelebt und ihr so ein tolles Leben ermöglicht, dass sie 103 wurde. Sie wurde wie ein Baby liebevoll behandelt. )
    Mein Post zum Thema erscheint heute, ganz aus meiner Erfahrung geschrieben:
    https://lemondedekitchi.blogspot.de/2017/06/regenbogenbunt.html#comment-form

    Ich wäre froh, wenn jetzt bald diese menschenrechtsunwürdige Gesetzgebung wegfallen würde.
    Herzlichst
    Astrid

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  2. Wow, die Prüfung der „wirtschaftlichen Situation“ war mir bisher nicht bekannt – d.h., wer arbeitsunfähig und arm ist, darf nicht das Kind des Partners / der Partnerin adoptieren, obwohl er in einer eingetragenen Partnerschaft lebt? Das finde ich furchtbar!
    [Bei einer normale Adoption eines fremden Kindes, wenn viele ansonsten gleich geeignete Familien zur Auswahl stehen, finde ich es noch (wenn auch bitter für arme Paare) nachvollziehbar, dass man das Kind nicht in Armut aufwachsen lassen will – aber hier gibt es ja keine Alternative!]

    Schöner Schlafanzug! Da will ich glatt auch so einen 😀 Und das Foto von Regenbogen-Schlafanzugkind mit Regenbogenfahne ist mal goldig …

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  3. Liebe Hanna, danke für deinen lieben Kommentar! Ja, ich habe mir damals auch gedacht, was wohl wäre, wenn ich kein geregeltes Einkommen hätte? Oder eine chronische Krankheit? So vieles in dem System ist mehr als schräg…
    Danke auch für Dein Feedback zu den Regenbogen-Bildern, schön, dass sie Dir gefallen 🙂 Liebste Grüße! Karin

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  4. Liebe Karin, nach Deiner Geschichte freut mich das neue Gesetz zur Ehe gleichgeschlechtlicher Partnerschaften um so mehr. Mir war nicht bewusst wie langwierig und entwürdigend das Verfahren zur Stiefkindadoption ist. Hoffentlich gehört das nun der Vergangenheit an.
    LG Julia

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    1. Liebe Julia, danke für Deine Zeilen! Ja, ich hoffe auch, dass die „Ehe für alle“ das nun überflüssig macht…aber was man so hört, soll das Verfahren „erstmal so bleiben“. Wahrscheinlich muss dann wieder erstmal das Bundesverfassungsgericht wieder Gleichheit herstellen. Wäre ja nicht das erste Mal… Allerliebste Grüße! Karin

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  5. „Wenn die Liebe plötzlich der Maßstab wäre, und nicht biologische Schubladen und gestrige Ansichten.“ Du hast es so treffend auf den Punkt gebracht.
    Mir war es bisher nicht bekannt, dass der Weg zur Anerkennung als Elternteil so schwer ist. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast.
    Liebe Grüße, Crissie

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  6. Liebe Karin,
    mir war klar, dass die Stiefkindadoption nicht so einfach war. Aber was alles verlangt wurde, hatte ich mir nie genauer angeschaut. Das ist ja wirklich… mies (und das ist eines der harmloseren Worte, die mir dazu einfallen). Ein Glück, dass das nun endlich der Geschichte angehört. Dass das Timing darüber hinaus auch noch so toll war, ist natürlich besonders schick. 🙂
    Liebe Grüße,
    Sabrina

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  7. Yay! Es gibt die Ehe für alle in Deutschland! Jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung, ich freu mich für und mit Euch! lg, Gabi

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