Menschen(s)kinder geht in die 2. Runde – mit einem „Le Bretöngchen“ und einem Erlebnisbericht aus dem Regenbogenleben

„Stell Dir vor, Du machst ne Linkparty – und keiner geht hin!“ Ein klein wenig Bedenken hatte ich schon, dass es so kommen könnte, als ich vor einem Monat meine Linkparty „Menschen(s)kinder – Kinderkleidung für alle Geschlechter“ in die Welt entließ. Doch stattdessen durfte ich auf einer großen Welle der Begeisterung surfen! Es ist unglaublich schön, zu erfahren, dass es offensichtlich eine große Sehnsucht danach gibt, kindgerechte, bunte Kleidung an unseren Kindern zu sehen und die Geschlechterschubladen  – zumindest immer mal wieder – aufzubrechen. Vielen Dank dafür!

Im ersten Monat wurden sage und schreibe 38 Blog-Beiträge verlinkt. Wahnsinn! Bitte schaut Euch hier nochmal die Vielfalt an! Es sind Werke für Kinder und aller Alterstufen dabei, von Säugling bis Teenie! Sehr spannend ich u.a. den Pullover und den dazugehörigen Blogpost von „Fairy & Snail“. Sie ist Krippenerzieherin und schildert in dem Beitrag ihren Alltag mit „kindungerechter“ Kleidung sehr eindrücklich…

Ja, und nun geht „Menschen(s)kinder“ auch schon in die zweite Runde. Ich zeige zum Auftakt heute ein Shirt für unseren Sohn, das nach einem Unisex-Schnitt entstanden ist: Le Bretöngchen von Pedilu. Kindershirts mit Belegverarbeitung statt Kragenbündchen sind, so glaube ich zumindest, recht selten. Um so spannender fand ich, das mal auszuprobieren!
Entstanden ist das Shirt dann in einer sehr maritimen Variante aus Stoffen, deren Herkunft ich nicht genau rekonstruieren kann, da sie ein Geschenk waren. Das Nähen des Shirts hat, auch dank des tollen Beleg-Tutorials von Pedilu sehr gut geklappt. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis nicht sooooo zufrieden, weil die eher schmale Passform und die eher stämmige Figur des Juniors leider nicht so gut zusammenpassen. Aber mir gefällt der Schnitt so sehr, so dass ich hier noch ein bisschen „rumspielen“ werde. Und mein Sohn ist total begeistert vom bündchenlosen Kragen.

Da es ja hier auch darum gehen soll, ein bisschen darüber nachzudenken, was der Umgang mit Geschlechterbildern so alles auslösen kann, und warum es gut tut, das eigene Denken immer wieder zu reflektieren, möchte ich Euch nun noch eine kleine Episode aus unserem Regenbogenfamilienleben erzählen:

Unser Sohn musste nämlich leider unter dem Geschlechterbild einer Erzieherin im Kindergarten ziemlich leiden. Soviel schon mal vorab: Wir haben den Kindergarten gewechselt und jetzt ist er wieder sehr glücklich!

Unser Sohn ist ein freigeistiges, kluges, vielseitig interessiertes und sensibles Kind. Er liebt Kuscheltiere, sein ferngesteuertes Auto, er schraubt und baut gerne, malt, singt – er ist einfach ein ganz normales, fröhliches Kind. Was er jedoch nicht leiden kann sind Piraten, Cowboys, Ritter – also alles, was mit Waffen zu tun hat bzw. in „dunklen Szenerien“ spielt. Das ist ihm zu brutal. Aber genau das ist ihm zum Verhängnis geworden. Die Gruppenleitung seiner Kindergartengruppe hat uns Eltern schon von Beginn an immer wieder die Rückmeldung geben, unser Sohn sei nicht „männlich“ genug. Er sei zwar brav und schlau und natürlich habe er auch männliche Interessen wie zu schrauben oder zu bauen. Aber sie würde sich wünschen, er würde auch mal raufen, frech sein – eben ein „richtiger Junge“. Wir als Eltern haben hier immer recht deutlich gesagt, dass wir das anders sehen und unser Sohn so männlich sein darf, wie er will. Aber ein ungutes Gefühl blieb zurück – und wie sich leider herausstellte, zurecht.

Vor einigen Wochen hatte unser Sohn seinen 4. Geburtstag. Er freute sich u.a. wie verrückt auf die Feier im Kindergarten. Ein Ritual der Feier dort war, dass das Geburtstagskind im Morgenkreis eine Krone und ein kleines Geschenk vom Kindergarten bekommt: Wachsmalkreiden, ein Büchlein, einen Flummi, Stifte…etwas in der Art. Als ich meinem Sohn am Tag seiner Geburtstagsfeier im Kindergarten abholte, hatte er Tränen in den Augen und es ging ihm schlecht. Schnell kam ich auch dahinter, warum: Als er voller Freude sein Geburtstagsgeschenk ausgepackt hatte, fand er darin: Eine Ritterfigur mit Schwert. Er hat dann sofort die Erzieherin angesprochen: „Aber Du weißt doch, dass ich nicht so der Typ für Ritter bin!“ Woraufhin sie geantwortet hat: „Ich weiß. Aber das mit den Rittern, das kriegen wir schon noch hin.“

Ich denke, Ihr könnt Euch vorstellen, wie wütend und enttäuscht und traurig wir  waren! Diese schreckliche Frau hat unserem Sohn nicht nur seine Geburtstagsfeier verhagelt, sondern ihn auch noch vorgeführt und ihm das Gefühl vermittelt, dass er so, wie er ist, nicht richtig ist. Es war echt furchtbar…und dann haben wir schnellstens die Reissleine gezogen. Der Wechsel hat sehr gut geklappt und unser Sohn erlebt den Kindergarten jetzt wieder als einen Ort, wo er gut aufgehoben ist und angenommen wird, so wie er ist!

Dass die Erzieherin auf unseren Sohn jedoch so massiv losging, und dieses Bild, er sei nicht männlich genug, ihr Handeln so stark prägte, hatte mit Sicherheit auch damit was zu tun, dass er in einer Regenbogenfamilie mit zwei Mamas aufwächst. Dem Vorurteil sehen wir uns nämlich immer wieder ausgesetzt: Dass unser Sohn definitiv schwul werden wird. Das widerlegt nicht nur die Wissenschaft als himmelschreienden Blödsinn, sondern schon der gesunde Menschenverstand: Ich kenne keinen einzigen homosexuellen Menschen mit homosexuellen Eltern. So einfach geht die Gleichung nicht auf. Aber das Vorurteil ist da…(abgesehen davon freue ich mich heute schon auf den Tag, an dem mir mein Sohn seine erste große Liebe vorstellt, egal, welchen Geschlechts diese ist.)

So, mit dieser kleinen Episode aus unserem Alltag eröffne ich nun heute die Juni-Linkparty! Bitte seid wieder fleißig dabei und erzählt davon! Einfach unten aufs Fröschchen klicken und los geht’s! Die Regeln könnt Ihr nochmal hier nachlesen!

Alles Liebe wünscht Euch
Karin

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6 Gedanken zu “Menschen(s)kinder geht in die 2. Runde – mit einem „Le Bretöngchen“ und einem Erlebnisbericht aus dem Regenbogenleben

  1. Hallo Karin,

    unglaublich was sich diese „Erzieherin“ (wenn man diese Person überhaupt so nennen darf bzw. sollte) da erlaubt hat mit deinem Sohn. Jedes Kind sollte meiner Meinung nach so sein dürfen wie es ist und darin auch bestätigt werden. Ich habe in dem Alter deines Sohnes allen meinen Puppen die Haare abgeschnitten und lieber mit Autos gespielt. Ich habe alles auseinander genommen und wollte wissen wie es funktioniert. Meine Tochter scheint das von mir zu haben. Mir ist es völlig egal ob meine Tochter mal den totalen Puppen/Disney-rosa-Tick oder den Autos/Ball-Tick bekommt. Jedes Kind ist individuell und das ist auch gut so und das spannende an ihnen. Das dann kaputt zu machen bzw. in eine bestimmte Richtung zu drängen, weil eine Person denkt sie/er weiß es besser, finde ich ganz schlimm!!!!!!!!!!
    Ihr habt das gut gemacht!!!! Ich freue mich auch schon auf den Tag an dem unsere Tochter ihre „erste“ Liebe mitbringt (egal welchen Geschlechts).

    Du und all die anderen machen das toll mit der Linkparty. Es ist wirklich Zeit die Grenzen und verengten Ansichten ab und an mal aufzubrechen.

    Ich nähe gerade nicht wirklich viel und auch keine Kinderkleidung, aber wenn es mal wieder soweit ist, dann verlinke ich auch 😉

    Liebe Grüße
    Rebecca 🙂

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  2. Unfassbar! Also die Erzieherin, die ihre Beschränktheit offensichtlich an eurem Kind ausleben musste ;-(.
    Unfassbar gut hingegen, dass die Linkparty ein Erfolg ist – das freut mich sehr und ich bin auch eigentlich nur hier um den Link zu kopieren und in meinen Blogpost für morgen einzufügen 😉
    Liebe Grüße, Änni

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