Näh-Nerd-Interview: Heute mit Miriam von Brülläffchen

Ich freue mich sehr, dass ich für das heutige NNI Miriam, Schreiberin und Näherin des Blogs „Brülläffchen“, gewinnen konnte. Miriam zeigt auf ihrem Blog sehr geschmackvolle, typgerechte Kleidung, sowohl für sich als auch für Ihre Kinder. Ihr Stil spricht mich sehr an – viele Kleidungsstücke würde ich gerne selbst sofort anziehen! (Außerdem wäre ich auch gerne eine solche Könnerin mit Webware, wie sie…)
Anfang des Jahres rief Miriam übrigens zum sehr spannenden Sew-Along „Ich näh mir meine Mini-Garderobe“ auf, den sie mit viel Hingabe und Liebe zur Sache organisiert. Fast täglich tummeln sich in der Nähblogger-Welt Kleidungsstücke, die aufgrund Miriams Anstoß zu diesem besonderen Sew-Along entstanden sind. 
So, und nun wünsche ich Euch viel Spaß und Erkenntnisgewinn mit dem heutigen Interview! Alle Labels, Firmen etc. , die Miriam nennt, sie wie immer verlinkt!

Vorhang auf für Miriam!

Liebe Miriam, an wie vielen Nähprojekten arbeitest Du meistens gleichzeitig?

In der Regel nur an einem. Ab und zu an zweien, wenn ich mit gleichem  Garn arbeite und z.B. nur noch der Saum oder Knöpfe fehlen. Oder ich mal ein paar Tage Abstand zum Projekt benötige.

An welchem Nähprojekt arbeitest Du denn gerade?
Momentan habe ich gerade den Stoff für meinen Victoria Blazer von by Hand London für mein Garderoben-Projekt unter der Maschine.

Hast Du einen UFO-Stapel? Und falls ja: Lässt Du uns daran teilhaben, was da momentan darauf liegt?
Nein. Eigentlich nicht wirklich. Ich kann es nicht abhaben, wenn sich angefangene Sachen im Wohnzimmer stapeln. Daher bleibt selten etwas liegen. Lediglich mein Tanja-Kleid hat ewig als UFO vor sich hingeschlummert. Was allerdings an einer veränderten Silouhette durch die Schwangerschaft und anschließend wegen fehlendem Anlass lag.  Allerdings stapeln sich bei mir schon abgepauste Schnitte für „irgendwann“ mal – oder auch nicht…
und ich habe natürlich eine Änderungskiste. Aber darin befinden sich „nur“ drei Projekte.

Mindestens so schön wie das Nähen selbst ist ja das Einkaufen dafür. Wenn Du jetzt von mir den Auftrag bekämst, für 150 € online Stoffe und Nähzutaten zu shoppen, und zwar binnen der nächsten 10 Minuten: Wo würdest Du den Warenkorb befüllen und womit?
Uff, ich bevorzuge tatsächlich den Offline-Kauf. Den Stoff fühlen, den Fall zu prüfen , die richtige Farbe sehen  und nicht zuletzt die persönliche Beratung. Wenn ich tatsächlich das Geld online auf den Kopf hauen müsste, dann würde ich wohl beim Stoffbüro vorbeischauen.  Ich mag das Konzept mit den Farbtypen. Da gibt es ein paar Double Gauze / Batist / Voile Stoffe von Atelier Brunette um die ich schon eine Weile herum schlawenzel. Und sicherlich würde der Tangram-Jaquard in weiß/camel in mein Warenkorb wandern. Und wenn dann noch was vom Geld übrig wäre, dann würde ich noch ein paar Meter der aktuellen Streifenkollektion dazulegen…

Kannst Du Deine drei liebsten Stoff-Labels nennen? (Wie) Verfolgst Du, was sie neues auf den Markt bringen?
Da fragst du ja genau die richtige… Ich, mit meiner Vorliebe für Uni- und Streifen-Stoffe… Ich mag zwar auch Muster, bin aber da irgendwie „speziell“.
Aber ich warte tatsächlich gespannt auf die neuen Kollektionen von Nosh, Atelier Brunette und France Duval Stalla. Die hatten in den letzten Kollektionen so tolle Fraben… Ich habe die Firmen jetzt auf Instagram abonniert und hoffe, dass sie die neuen Kollektionen bald vorstellen und ich ausnahmeweise mal nicht als letzte davon erfahre…

Apropos Stoffkauf: Hast Du ein Stoffkaufbudget? Oder anders:  In welchem Umfang sind Stoffvorräte Deiner Meinung nach angemessen? 🙂
Nein, ich habe kein Stoffbudget. Aber ich behaupte auch mal, dass ich recht mäßig in meinem Stoffkauf- und Vorrat bin… Ich kaufe tatsächlich fast ausschließlich für konkrete Projekte. Natürlich mit dem ein oder anderen Ausreißer… Das würde sicherlich anders aussehen, wenn ich auch den Platz für ein ordentliches Stofflager hätte.

Angenommen, jemand will Dir Deine Traumnähmaschine schenken – womit würde man Dich glücklich machen?
Ich beschäftige mich tatsächlich momentan mit dem Kauf einer neuen Nähmaschine, aber DAS Modell habe ich für mich noch nicht gefunden. Zumal ich vorher eh die Modelle probenähen würde… Aber einen Bernina wäre schon was…

Findest Du, dass eine Covermaschine das Nähleben erleichtert? Hast Du eine?
Cover sind cool- keine Frage. Aber mein Herz schlägt tatsächlich für Webware… Daher hat eine neue, ordentliche Nähmaschine tatsächlich Vorrang.

Woher beziehst Du in der Regel die Schnittmuster, nach denen Du nähst? Gibt es Labels, bei denen Du praktisch jeden Schnitt blind kaufst?
Ich bin ganz großer Lotte & Ludwig-Fan und habe fast alle Ebooks von Svenja. Ich mag den Stil und ich weiß mittlerweile wo ich bei ihren Schnitten aufpassen und ggf. modifizieren muss das mit sie für mich passen. Sie hat so auch viel zu meiner Nähentwicklung beigetragen, wofür ich ihr wirklich dankbar bin…
Ansonsten nähe ich mittlerweile international. Wenn mir ein Schnitt gefällt, egal woher er stammt, dann kaufe ich ihn. Dank Internet ist der Bezug ja in der Regel kein Problem…

Kommen wir zur inspirierenden Literatur: Gibt es denn eine Nähzeitschrift, die Du schätzt und regelmäßig kaufst (oder gar abonniert hast)? Was hältst Du von Näh-Büchern? Wie viele stehen in Deinem Bücherregal?
Bei den  Nähzeitschriften finde ich eigentlich in jeder  La Maison Victor- Ausgabe einen Schnitt, der mir gefällt. Sofern ich nicht vergesse, das Schnittmuster um 10 cm zu verlängern, sitzten die Schnitte an mir auch gut. Und ich mag die Aufmachung total gerne.
Für die Jungs mag ich auch die Ottobre. Bei mir sitzten die Erwachsenen-Schnitte leider nicht…
Nähbücher habe ich genau eins. Nämlich Happy Homemade Sew Chic von Yoshiko Tsukiori. Allerdings habe ich noch nichts danach genäht.

Apropos Inspiration: Wie vielen Näh-Blogs folgst Du? Was muss ein Blog ausmachen, dass es auf Deine Follow-Liste kommt?
Ich folge nicht wirklich vielen Blogs. Wenn ich merke, dass ich regelmäßig bei den diversen Linkpartys bei den gleichen Blogs lande, dann folge ich diesem. Viele Personen dieser Blogs sind mir mittlerweile auch so wichtig geworden, dass wir auch so hin und wieder Kontakt haben.
Und bei vielen Blogs schaue ich dennoch recht regelmäßig vorbei, weil es da um interessante Themen geht wie z.B. um Anpassungstechniken oder Connected Wardrobe.
Auf Instagram folge ich aktuell 64 Personen. Wie bei den Blogs handelt es sich ausschließlich um Nähblogs / – accounts…

Meinst Du, es lohnt sich, seine Fremdsprachenkenntnisse aufzufrischen, um z.B. auch die französische oder spanische Näh-Bloggerwelt mitzunehmen? Wie hältst Du es mit dem internationalen Surfen?
Auf jeden Fall! Hier in Deutschland wird viel Jersey genäht und viel bunt gemustert. Ich mag jedoch Webware viel lieber und wenn man nicht gleich sieht dass es selbst genäht ist. Und trotzdem darf es modern sein… Bei Instagram bin ich auf viele viele internationale Accounts und Schnitte getroffen, die stilistisch mehr in meine Richtung gehen.  Und wenn mich was wirklich interessiert und diese Person einen Blog führt, schaue ich auch gerne dort vorbei… So bin ich auch auf das „je me couds une garderobe capsule“-Projekt von Clo Piano aufmerksam geworden. Daher finde ich für mich die Nähwelt außerhalb der Ländergrenzen sehr inspirierend.

Zum Abschluss: Welche Nähtechnik würdest Du gerne besser beherrschen?
Einfassen mit Schrägband/ Streifenversäuberung treiben mich in den Wahnsinn. Da muss ich mindetsens einmal wieder auftrennen, weil ich die Unterseite nicht richtig erfasst habe. Und ordentlich applizieren, das wär was…

Welche Nähtechnik arbeitest Du „a la Miriam“ – also anders, als das die Fachbücher empfehlen? Was ist Dein ultimativer Geheim-Tipp?
Ich mache sicherlich vieles nicht nach Lehrbuch- dafür müsste ich es nämlich erstmal wissen 😉 Da ich mir das Nähen selbst bei gebracht habe, ist mein „Fachwissen“ durchaus ausbaufähig.
Ich habe mir angewöhnt, sämtliche Stoffe einmal in der Mitte zu falten und mit der Overlock an der Schnittkante zu versäubern bevor sie in die Waschmaschine kommen. So fransen die Stoffe nicht aus und der Jersey rollt sich nicht. Und angeblich verziehen sich die Stoffe dann nicht so. Man muss allerdings drauf achten, dass der Stoff möglichst locker, sprich ohne Faltung in der Waschmaschine liegt. Sonst kann es in dem Bereich zu Verfärbungen kommen…
Und anschließend dürfen Baumwoll- und Jerseystoffe auch ausnahmsweise eine Runde in den Trockner. So kann ich sicher sein, dass nichts mehr einläuft, sollten sie im vernähten Zustand doch aus Versehen drin landen. Wobei die Kinderklamotten alle in den Trockner kommen, nur meine selbstgenähten Sachen nicht. Ach und ich habe zwei schöne Möglichkeiten gefunden, einen geschwungenen Saum zu nähen. Eine Möglichkeit ist mit Schrägband zu arbeiten. Den Saum wird mit Schrägband eingefasst und anschließend nach innen geklappt. So kann man auch einen schönen Saum herstellen, wenn man z.B. vergessen hat Saumzugabe dazu zu geben. Man verliert dadurch gerade mal 1 cm. Weniger geht kaum.
Die andere Möglichkeit ist,  eine Hilfsnaht mit ca. 0,7 cm vom Saum aus zu setzten. Durch die Naht lässt sich der Saum gut bügeln und problemlos noch einmal einschlagen. Anschließend  erst die Seitennähte schließen. Das vermeidet ebenfalls die Spannung, die manchmal durch die Rundungen entsteht.

Liebe Miriam! Herzlichen Dank, dass Du Dir für das Näh-Nerd-Interview Zeit genommen hast!

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